Opferforschung im deutsch-französischen VergleichIm Rahmen des LEA führt das MPI für Strafrecht gemeinsam mit einer Gruppe des CESDIP einen Vergleich der deutschen und französischen Opferforschung durch. In beiden Ländern hat sich in den vergangenen Jahren eine ähnliche Entwicklung ergeben, so liegen mittlerweile umfangreiche nationale Victim Surveys vor, wobei in den vergangenen Jahren - bedingt durch die Schwerpunktverschiebung in Richtung Kommunaler Kriminalprävention - vermehrt lokale Opferstudien durchgeführt wurden. Diese Studien umfassen nicht nur den engeren Bereich der Viktimisierung und deren Folgen, sondern vor allem auch Einstellungen der Bürger zur Kriminalität, insbesondere das subjektive Sicherheitserleben und die Kriminalitätsfurcht. |
| Projektkategorie: | Forschungsprojekt |
| Organisatorischer Status: | Forschungsgruppenprojekt |
| Projektlaufzeit: | Projektbeginn: 1998 Projektende: 2002 |
| Projektstatus: | abgeschlossen |
Leiter(in):
Mitarbeiter(innen):
- Philippe Robert (CESDIP), Renée Zauberman (CESDIP), Marie-Lys Pottier (CESDIP)
Ein Problem der Interpretation und Vergleichbarkeit von Opferstudien generell, ist die oftmals unterschiedliche methodische Vorgehensweise, sowie die Verschiedenheit in der Erfassung der einzelnen Konstrukte. Dies gilt bereits auf nationaler Ebene, viel mehr jedoch noch im internationalen Bereich. Aufgrund dieser Schwierigkeiten ist ein internationaler Vergleich der Opfer- und Einstellungsdaten, v.a. im Hinblick auf eine zeitliche Entwicklung der erfaßten Phänomene, nur eingeschränkt möglich.
Ziel des deutsch-französischen Opferforschungsprojektes ist es, anhand bereits vorliegender Victim Surveys der Frage nachzugehen, wieweit sich - unter Berücksichtigung der genannten Probleme - vergleichbare Entwicklungslinien und Daten in den beiden Ländern finden lassen. So nimmt einerseits der Methodenvergleich, d.h. die Art der Vorgehensweise bei der Datenerfassung, der Einsatz und die Entwicklung von Erhebungsinstrumenten sowie die Datenauswertung, eine wichtige Rolle ein, andererseits aber auch die Frage wieweit sich für künftige Opferuntersuchungen gemeinsame Instrumente entwickeln lassen, die dann unter identischer Vorgehensweise den direkten Vergleich von Ergebnisse ermöglichen.
Bislang wurde im Rahmen des Opferforschungsprojektes eine Bestandsaufnahme der vorliegenden nationalen wie lokalen Opferstudien unter Federführung des Max-Planck-Instituts bzw. des CESDIP durchgeführt. Hierbei wurden die einzelnen Instrumente analysiert und vergleichbare Bestandteile herausgearbeitet. Insbesondere die Erfassung jugendlicher Gewaltkriminalität, v.a. an Schulen, und die Erhebung sexueller Viktimisierungsdaten wurden in den Mittelpunkt gerückt. So wurde der Einsatz eines am MPI bereits vorliegenden Instruments und in Deutschland an Schulen eingesetzten Erhebungsbogens zur Erfassung von Kriminalitätseinstellungen Jugendlicher an französischen Schulen geprüft. Daneben wurde anhand französischer Opferstudien zur sexuellen Viktimisierung der mögliche Transfer auf deutsche Prävalenzstudie erwogen. Weiterhin wurden unter Einbeziehung weiterer Experten, z.B. der lokalen Präventionsbeauftragten der Polizei, sowohl die Zieldefinitionen der lokaler Untersuchungen als auch die Umsetzungsmöglichkeiten der jeweils vorhanden Surveydaten in Konzepte Kommunaler Kriminalprävention auf deutscher wie auf französischer Seite diskutiert.
Im Jahr 2002 wurden gemeinsame Publikationen in deutscher wie in französischer Sprache erstellt. Diese stellen im Vergleich die Entwicklung der Opferforschung in beiden Ländern bis zum aktuellen Zeitpunkt dar und geben Aufschluss über gleichartige wie auch unterschiedliche Forschungslinien und -ansätze. Es zeigte sich hierbei deutlich, dass in Frankreich in den letzten Jahren eine verstärkte Hinwendung zu einheitlichen nationalen Surveys festzustellen ist, wohingegen in Deutschland singuläre, insbesondere lokale Ansätze dominieren.
Finanzierung:
Das Opferprojekt wird aus LEA-Mitteln gefördert.
Publikationen (Auswahl):
- Obergfell-Fuchs, J. et al.: Opferbefragungen in Deutschland und Frankreich. In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform, 2003, Heft⁄Band 86.