Typisierung von Sexualstraftätern

Ein empirisches Modell zur Generierung typenspezifischer Interventionsansätze

Das “Gesetz zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen gefährlichen Straftaten” vom 26.01.1998, das ab dem Jahre 2003 für jeden behandlungsbedürftigen Sexualstraftäter mit einer Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren eine sozialtherapeutische Behandlung vorsieht, hat grundlegende Fragen der Diagnose, der Prognose und der Behandlung aufgeworfen. Insbesondere geht es in dem vorliegenden Projekt um eine Differenzierung in der Typenbildung von Sexualstraftätern, in der Kriterien der Behandlungsfähigkeit und -bedürftigkeit sowie die Art aussichtsreicher Behandlung aufgegriffen werden.

Projektkategorie: Dissertation
Organisatorischer Status: Einzelprojekt
Projektlaufzeit: Projektbeginn: 2001
Projektende: 2005
Projektstatus: abgeschlossen
Projektsprache(n): Deutsch

Leiter(in):

Mitarbeiter(innen):

  • Daniela Arning, Julia Kern, Vanessa Kloppenburg, Ilona Otto, Carolin Quenzer, Manuela Reuß, Kathrin Stosseck, Tanja Streicher, Vivien Völklin

Mit der vorliegenden Studie wurde das Ziel verfolgt eine empirisch fundierte, behandlungsrelevante Typisierung von Sexualstraftätern zu generieren. Insoweit geht es um verschiedene Fragestellungen zur Behandlung von Sexualstraftätern. Es geht um die Fragen, ob Sexualstraftäter überhaupt behandelbar sind und wie behandelbare oder nicht behandelbare Täter identifiziert werden können, welche Behandlungsformen aussichtsreich sind und welche Behandlungsformen für spezifische Gruppen von Sexualstraftätern eher geeignet sind. Kriminologische und forensische Forschungen haben diese Fragen bislang nur unzureichend beantwortet. Dies führt zu der Überlegung, ob nicht durch eine genauere Differenzierung der Sexualstraftäter auch eine effizientere Behandlung der Täter erreicht werden könnte.

Die Fragestellung hat zu einem zweistufigen Untersuchungsdesign geführt: In einem ersten Untersuchungsschritt wurden vor der eigentlichen Typisierung zunächst diejenigen Merkmale identifiziert, anhand derer eine Typisierung von Sexualstraftätern durchgeführt werden kann. Dies sollten solche Merkmale sein, in denen sich die Täter voneinander in theoretisch relevanter Art und Weise unterscheiden und die auch für typenspezifische Behandlungsansätze brauchbar sind. In einer Voruntersuchung wurde zur Identifizierung dieser Merkmale eine Expertenbefragung durchgeführt. An diesen ersten Untersuchungsschritt schloss sich dann die Hauptuntersuchung an. Diese bestand in der Exploration von 199 Sexualstraftätern aus dem Maßregelvollzug, dem Regelvollzug und sozialtherapeutischen Anstalten. Es wurden Täter in den Bundesländern Baden-Württember, Berlin und Sachsen befragt. Die Exploration der Sexualstraftäter setzte sich aus einem persönlichen Interview und einer Analyse der Gefangenenpersonalakten (Justizvollzug) bzw. Krankenakte (Maßregelvollzug) zusammen.

Als Hauptergebnis der vorliegenden Studie konnten mittels einer Clusteranalyse fünf Subgruppen von Sexualstraftätern identifiziert werden.

1. Sozial und psychisch unauffällige Täter

2. Psychopathologisch hoch auffällige Täter

3. Überangepasste Täter

4. Intelligenzgeminderte Täter

5. Dissoziale Täter

Es werden erste Thesen zu einer Differenzierung der Behandlungsansätze aufgestellt. Die Ergebnisse werden ferner auf dem Hintergrund bereits vorhandener Typologien und Bezug nehmend auf allgemeine Psychotherapiekonzeptionen diskutiert.


Publikationen (Auswahl):

  • Woessner, G.: Classifying sexual offenders: An empirical model for generating type-specific approaches to intervention. In: International Journal of Offender Therapy and Comparative Criminology, 2010, Heft⁄Band 54/3, S. 327 - 345.
  • Wößner, G.: Typisierung von Sexualstraftätern.
    Ein empirisches Modell zur Generierung typenspezifischer Behandlungsansätze. Kriminologische Forschungsberichte, Berlin 2006, 271 S.
 

Downloads und Links:

  • Wößner, G.: Behandlung, Behandelbarkeit und Typisierung von Sexualstraftätern. Arbeitsberichte aus dem Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, Freiburg i. Br. 2002, 63 S.
  • Geändert am: 04.01.2012
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