Kriminalitätsbelastung von Immigranten

Bei der Bestimmung der aktuellen Entwicklung der polizeilichen Registrierungsraten von Spätaussiedlern ergab sich, dass die Raten, die noch 1990 in etwa denen 'einheimischer' Deutscher entsprachen, seither kontinuierlich ansteigen und inzwischen sogar über denen anderer Immigranten liegen. Weiter zeigte sich ein deutlicher Kohorteneffekt insofern, als die Raten der beiden Geburtskohorten 1975 und 1978 im Mittel 30% über den Raten sowohl der älteren (1970 & 1973) wie auch der jüngeren Kohorten (1985 & 1988) liegen. Berücksichtig man, dass bei diesen beiden Kohorten das durchschnittliche Alter zum Zeitpunkt der Migration bei 15 bzw. 18 Jahren lag, so kann daraus geschlossen werden, dass die mit einer Migration verbundenen Verhaltensunsicherheiten sich stärker in Richtung Delinquenz entwickeln können, wenn sie mit dem Jugendalter zusammenfallen, in dem delinquentes Verhalten an sich schon gehäuft auftritt.
Gleichfalls wurden die Registrierungsraten der Asylbewerber bestimmt. Sie sind die am stärksten belastete Gruppe, wobei anzumerken ist, dass die Raten der Asylbewerber nur geschätzt werden können, da die genaue Anzahl der hier anwesenden Asylbewerber sich nur schwer exakt bestimmen lässt. Auffällig an den Raten der Asylbewerber ist vor allem, dass bei ihnen die Altersabhängigkeit der Raten wesentlich schwächer ausfällt als bei den anderen untersuchten Gruppen. Dies zeigt, dass altersunabhängige Faktoren bei dieser Gruppe die Kriminalitätsbelastung stärker beeinflussen als bei den anderen Gruppen. Hier scheint sich die Kombination von Problemen der gerade erst erfolgten Migration mit der deprivierten Stellung der Asylbewerber in der hiesigen Gesellschaft relativ unabhängig vom Alter auszuwirken.


  • Geändert am: 31.08.2011
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