Kriminalitätserfahrungen und -wahrnehmungen im europäischen LändervergleichAuswertungen mit dem European Crime and Victim Survey 2005 und anderer europäisch-vergleichender BevölkerungsbefragungenDas Forschungsprojekt befasst sich mit der Auswertung des European Crime and Safety Surveys 2005 (EU-ICS) und anderer europäisch-vergleichend angelegter, repräsentativer Bevölkerungsbefragungen. Auf der Basis dieser Umfragedaten widmet sich das Projekt der empirisch-ländervergleichenden Untersuchung von Kriminalitätserfahrungen und kriminalitätsbezogenen Wahrnehmungen und Einstellungen. |
| Projektkategorie: | Forschungsprojekt |
| Organisatorischer Status: | Forschungsgruppenprojekt |
| Projektlaufzeit: | Projektbeginn: 2008 Projektende: 2011 |
| Projektstatus: | laufend |
| Projektsprache(n): | Deutsch / Englisch |
| Systematische Gliederungspunkte: | Kriminalität, Viktimisierung, Kriminalitätsfurcht, Unsicherheit, Ländervergleich, Wohlfahrtsstaat, Sozialpolitik |
Leiter(in):
Schützt soziale Sicherheit vor Kriminalitätsfurcht?
Zum Einfluss wohlfahrtsstaatlicher Politik auf kriminalitätsbezogene Unsicherheitsgefühle
Ein Schwerpunkt des Projektes richtet sich auf die Analyse von Kriminalitätsfurcht. Die bisherige Forschung zu subjektiven Wahrnehmungen von Kriminalitätsrisiken ist sich weitgehend einig, dass sich in der Kriminalitätsfurcht unspezifische soziale Bedrohungsgefühle widerspiegeln, die weit über die konkrete Angst hinaus gehen, Opfer eines Verbrechens zu werden ('Generalisierungsthese'). Obgleich sich die europäischen Länder im Hinblick auf das Ausmaß an Kriminalitätsfurcht in der Bevölkerung erheblich unterscheiden, wurden bisher in der Forschung überwiegend individuelle Merkmale als Erklärungsfaktoren herangezogen, während gesellschaftliche Aspekte weitgehend unbeachtet blieben. Folgt man der Wohlfahrtsstaatentheorie Esping-Andersens zeigt sich ein ausgeprägter Zusammenhang zwischen Wohlfahrtsregimen und dem Ausmaß an kriminalitätsbezogenem Unsicherheitsempfinden in der Bevölkerung: Ein hohes Niveau an Kriminalitätsfurcht kann in erster Linie in den liberalen Wohlfahrtsstaaten (wie Irland und Großbritannien) und Osteuropa beobachtet werden, während die Bürger sozialdemokratischer Wohlfahrtsstaaten (Nordische Länder) die geringsten Viktimisierungsängste aufweisen. Die forschungsleitende Hypothese führt diese Länderunterschiede auf sozialpolitische Modelle zurück und geht davon aus, dass zum einen das Ausmaß, aber auch die Art der sozialpolitischen Sicherung Kriminalitätsfurcht moderieren. Diese Thesen konnten im Rahmen des Projektes bereits bestätigt werden. Zum einen besteht ein starker Zusammenhang zwischen der Höhe sozialpolitischer Ausgaben, zum anderen sind einige wohlfahrtsstaatliche Investitionen enger an kriminalitätsbezogenen Untersicherheiten gekoppelt als andere. Mithilfe von Mehrebenenanalysen und verschiedenen Datensätzen und Ländersamples (European Social Survey 2004 und 2006, EU-ICS 2005) konnte gezeigt werden, dass insbesondere staatliche Investitionen in Bildung und frühe Kinderbetreuung vor Kriminalitätsängsten schützen können. Die Annahme lautet, dass Investitionen in Familien und Kinder in Form von früher Bildung und Betreuung, die Entwicklung von sozialen und kognitiven Fähigkeiten - und damit auch Coping-Ressourcen - dauerhaft aufbauen und unterstützen und somit Kriminalitätsängste reduzieren.
Publikationen (Auswahl):
- Hirtenlehner, Helmut / Bacher, Johann / Oberwittler, Dietrich / Hummelsheim, Dina / Jackson, Jonathan: Kultur, Institutionen und Kriminalität. Eine Prüfung der Institutionellen Anomietheorie mit Viktimisierungsdaten aus Europa. (Forthcoming). In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform, 2010.
- Hummelsheim, Dina / Hirtenlehner, Helmut / Jackson, Jonathan / Oberwittler, Dietrich: Social Insecurities and Fear of Crime: A Cross-National Study on the Impact of Welfare State Policies on Crime-Related Anxieties (Forthcoming). In: European Sociological Review, 2010.