Recht – Norm – Kriminalisierung

Diskursive, ethische und rechtliche Zuschreibungen von Normverletzung

Das Projekt spürt den Zusammenhängen zwischen Normsetzung, rechtlicher Ahndung von Normverletzung und diskursiver Ausgrenzung von Normabweichung nach. Dabei wird über eine schematische Dichotomie von Inklusion versus Exklusion hinaus die Funktion von Ausgrenzungen bei der Konstituierung kollektiver Identitäten in die Betrachtung mit einbezogen und die subjektive Reaktion auf Ausgrenzung durch Konstruktion alternativer Gegenidentitäten analysiert. Diese Prozesse werden theoretisch unter dem Aspekt von Rechtsnormen, Rechtsethik und Handlungstheorie betrachtet; praktisch anhand der Rechtsprechung im Zusammenhang mit Hassgewalt und Menschenrechten untersucht; diskursiv-literaturwissenschaftlich an den literarischen Diskursen über Verbrecher und Gefangene illustriert.

Projektkategorie: Forschungsprojekt
Organisatorischer Status: Forschungsgruppenprojekt
Projektlaufzeit: Projektbeginn: 2004
Projektende: 2009
Projektstatus: abgeschlossen

Leiter(in):

Mitarbeiter(innen):

Das Projekt spürt den Zusammenhängen zwischen Normsetzung, rechtlicher Ahndung von Normverletzung und diskursiver Ausgrenzung von Normabweichung nach. Dabei wird über eine schematische Dichotomie von Inklusion versus Exklusion hinaus die Funktion von Ausgrenzungen bei der Konstituierung kollektiver Identitäten in die Betrachtung mit einbezogen und die subjektive Reaktion auf Ausgrenzung durch Konstruktion alternativer Gegenidentitäten analysiert. Diese Prozesse werden theoretisch unter dem Aspekt von Rechtsnormen, Rechtsethik und Handlungstheorie betrachtet; praktisch anhand der Rechtsprechung im Zusammenhang mit Hassgewalt und Menschenrechten untersucht; diskursiv-literaturwissenschaftlich an den literarischen Diskursen über Verbrecher und Gefangene illustriert.

Als Leithypothese des Projekts gilt die Annahme, dass Kriminalisierung auch im demokratischen Rechtsstaat bei gefährdend empfundenen Normverletzungen gerade im Rahmen der Rechtsstaatlichkeit produziert wird, wobei solche historischen Prozesse gerade durch die Diskurse der Ausgrenzung, wie sie die Medien und die Literatur befördern, zügig vorangetrieben werden. Das Zusammenspiel von kulturell überformbaren Moralnormen und staatlich gesetzten Rechtsnormen, das die Qualifizierung der Normverletzung erst ermöglicht, steht im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses der Mitarbeiter dieses Projekts.

Das Projekt setzt sich in disziplinenübergreifender Reichweite aus drei eigenständigen, aber inhaltlich verbundenen Einzelprojekten zusammen, die eng zusammen arbeiten. Es handelt sich um eine Kooperation des Englischen Seminars und des Husserl-Archivs der Universität Freiburg mit dem Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht.

Das philosophische Projekt befasst sich mit den rechtlichen und moralischen Normen, insbesondere mit den Menschenrechten, die im Handeln gesellschaftlicher Gruppen untereinander und in Zusammenhang mit der Sanktionsgewalt des Staates relevant sind. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit schuldhaftem Handeln im außerstaatlichen, mitmenschlichen Bereich wird durch die philosophische Diskussion des Begriffs des Verzeihens erfasst.

Das literaturwissenschaftliche Projekt analysiert literarische Gefängnisentwürfe im Vergleich mit historischen Zeugnissen und Hintergründen, wobei besonders die Strategien der Typologisierung von Kriminalität und der Ort des Gefängnisses als symbolischer Raum der Ausgrenzung betrachtet werden.

Das kriminologische Projekt erstellt eine empirische Untersuchung bezüglich des Verhaltens rechtsorientierter Jugendlicher und zwar vor, während und nach ihrer Konfrontation mit dem Strafrecht (Verhaftung, Strafprozess, Inhaftierung) auf der Basis eines Vergleichs mit mehreren Kontrollgruppen von gewaltbereiten Jugendbanden (Hooligans, Skinheads, etc.) und einer Gegenüberstellung mit einer Kontrollgruppe.

Als zentrale Fragestellung des gemeinsamen Projekts wird auf der einen Seite der Prozess der Kriminalisierung, also die Untersuchung, wie Personengruppen unter welchen rechtlichen und gesellschaftlichen Bedingungen und mit welchen Mitteln innergesellschaftlich als kriminell ausgegrenzt werden. Dabei spielt einerseits die von der Philosophie zu leistende Analyse von Rechts- und Moralnormen eine zentrale Rolle, die die dichotomischen Konzepte der Normativität und des Normalismus aufdecken sollen. Andererseits skizziert die von der Kriminologie zu leistende Untersuchung der Formen der Ausgrenzung, durch das Strafrecht im Strafvollzug praktiziert werden, die Normalismusfrage anhand einer Skala von Gruppierungen von Straftätern. Auf der anderen Seite befasst sich das Gesamtprojekt mit dem Gefängnis als dem gesellschaftlichen Ort der Ausgrenzung. Entscheidend thematisiert wird hier auch der Prozess der Dynamisierung der Ausgrenzung, der in vielen der im Projekt behandelten Personengruppen zu Identifikationsprozessen und Selbstausgrenzungsmechanismen führt. So grenzen sich inhaftierte Straftäter durch subkulturelle und gruppendynamische Prozesse und durch die Konstituierung einer auch mit Habitus, Symbolen und Ritualen verstärkten Identität von der sie ausgrenzenden Gesellschaft ab, was vom kriminologischen Projekt näher untersucht werden wird. Zentral für den Prozess der Kriminalisierung ist darüber hinaus die Zuschreibung von Kriminalität auf Grund einer Reihe von Merkmalen, die Menschen als "Verbrecher" stereotyp abstempeln. Im literaturwissenschaftlichen Projekt wird vor dem Hintergrund biologistischer Kriminalitätstheorien aus dem 19. Jahrhundert insbesondere die Tiermetaphorik vieler Aussagen über "Kriminelle" untersucht. Diese Tendenz zur Erklärung der Anomie als Animalismus setzt sich in der Beschreibung von Gefängnisinsassen fort, die auch filmisch ebenso umgesetzt wird. Der letzte wichtige Kernpunkt des Gesamtprojekts betrifft das Verhältnis von Gewalt und Ethik. Die Gruppen, die im kriminologischen Projekt untersucht werden, üben Gewalt gegen einzelne Opfer, die als Repräsentanten einer Gruppe gesehen werden, aus die sich aus Hass rekrutiert.

Ziel der gemeinsamen Zusammenarbeit ist die gegenseitige Verflechtung von Normauffassungen, Recht, Ethik und diskursiven Praktiken zu dokumentieren und anhand von ausgewählten Fallbeispielen zu erläutern (diese Fallbeispiele stammen aus der Rechtsprechung, aus außergerichtlichen Modellen zum Umgang mit Schuld, aus Literatur und Film). Das Projekt setzt sich darüber hinaus zum Ziel, durch regelmäßige Veranstaltungen, Veröffentlichungen und durch Kooperation mit außeruniversitären Einrichtungen die Öffentlichkeit direkt anzusprechen.

Die methodische Überwindung der Trennung von Geistes- und Sozialwissenschaften in der Konzeption des Gesamtprojekts, bei der Philosophie, Philologie und Sozialwissenschaften so wie im Bildungsideal des 19. Jahrhunderts angelegt, als Wissenschaften vom Menschen wieder zueinander finden, steigert die Relevanz des Projekts.


Projekt Kriminologie

Das Projekt Kriminologie widmet sich dem Thema "Hasskriminalität – Auswirkungen von Hafterfahrungen auf fremdenfeindliche jugendliche Gewalttäter".

Ansprechpartner für dieses Projekt ist

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht
Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht
Günterstalstr. 73
79100 Freiburg

Tel.: +49 (0)761 7081-204
Fax: +49 (0)761 7081-316
Sekretariat: sek-albrecht@mpicc.de

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Projekt Kriminologie

Projekt Anglistik

Das Projekt Anglistik widmet sich dem Thema "Prozesse der Kriminalisierung und die Erfahrung von Gefangenschaft: Räume, Körper, Identitäen, Topoi, Metaphern".

Ansprechpartnerin für dieses Projekt ist

Prof. Dr. Monika Fludernik
Englisches Seminar
Albert-Ludwigs-Universität
D-79085 Freiburg

Tel.: +49 (0)761 203-3310/3313
Fax: +49 (0)761 203-3359/3340
Sekretariat Prof. Fludernik: sekretariat.fludernik@anglistik.uni-freiburg.de

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Projekt Anglistik

Projekt Philosophie

Das Projekt Philosophie widmet sich dem Thema "Rechts- und Moralnormen als Sinnstrukturen gesellschaftlichen Zusammenlebens in seinem Wandel".

Ansprechpartner für dieses Projekt ist

Prof. Dr. Hans-Helmuth Gander
Husserl-Archiv
Werthmannplatz
D-79085 Freiburg im Breisgau

Tel.: +49 (0)761 203-2427
Fax: +49 (0)761 203-2388
Sekretariat Prof. Gander: husserlarchiv@philosophie.uni-freiburg.de

Für weitere Informationen zum Projekt Philosophie und den Teilprojekten klicken Sie bitte hier:

Projekt Philosophie

Publikationen (Auswahl):

 

Downloads und Links:

  • Geändert am: 23.11.2011
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