TerrorismusDefinition – Struktur – DynamikDiese Arbeit untersucht Terrorismus vor dem Hintergrund kriminologischer und sozialpsychologischer Theorien, um die Phänomenologie sowie die Konstruktion des Terrorismus zu beleuchten. Damit wird eine Wissenserweiterung in Bezug auf Erscheinen, Entwicklung, Wirkung und Attraktivität des Terrorismus angestrebt, deren Ergebnisse die rechtspolitischen Überlegungen zur Behandlung des Terrorismus bereichern sollen. |
| Projektkategorie: | Dissertation |
| Organisatorischer Status: | Einzelprojekt |
| Projektlaufzeit: | Projektbeginn: 10/2004 Projektende: 09/2008 |
| Projektstatus: | abgeschlossen |
| Projektsprache(n): | Deutsch |
Leiter(in):
Forschungsgegenstand:
Nach der Eingrenzung des Gegenstandsbereiches und der Erscheinungsform wird vor dem Hintergrund der Sozialen Identitätstheorie sowie gruppendynamischen Ansätzen die Entwicklung und Attraktivität einer terroristischen Gruppe nachgezeichnet. Damit bindet diese Studie die aktuelle, kriminologisch bisher vernachlässigte Thematik des Terrorismus theoretisch ein und bietet somit eine Grundlage für dringend benötigte empirische Forschung.
Projektziel:
Terrorismus als Forschungsgegenstand der Sozialwissenschaften entzieht sich bisher weitgehend empirischer Forschung. Diese Arbeit versucht daher diese Forschungslücke bezüglich dieser aktuellen Thematik durch einen kriminologische theoretischen Zugang zu schließen.
Methode/Ansatz:
Zu diesem Zweck wird zunächst der Gegenstandsbereich des Terrorismus erfasst. Die eindeutige Einordnung des Terrorismus als Gewaltkriminalität wird befürwortet, dessen Wirkung sich allerdings nicht mit den direkten Opfern erschöpft sondern gerade seine Bedeutung über die darüber hinaus erzielten Effekte in der Öffentlichkeit erlangt. Die mediale Vernetzung und allgegenwärtige Medienpräsenz bieten ein Mittel als auch ein globales Publikum für die Verbreitung terroristischer Ereignisse und Botschaften. Sie potenzieren den Aktions- wie auch Wirkradius von Terrorismus damit um ein Vielfaches. Hervorgehoben werden die Schwierigkeiten bei einer Definitionsfindung des Terrorismus, welche auch nationale wie supranationale Gesetzgeber belasten. Diese Problematik gründet in der Abhängigkeit der Definition sowie der Subsumtion von der subjektiven Perspektive und sozialen Wahrnehmung des Betrachters. Zurückzuführen sind diese auf die Wirkweise des Terrorismus sowie auf individuelle historische und kulturelle Erfahrungen als auch wie konkrete ökonomische und politische Interessen.
Als Gruppenphänomen findet ferner die Struktur terroristischer Gruppierungen Beachtung. Wie sämtliche Gruppen formen sich auch terroristische Gruppen aus hierarchischen und netzwerkartigen Elementen und bilden so in der Regel Strukturhybriden, wobei aufgrund der Bedingungen des kriminellen Untergrundes Regelmäßigkeiten festzustellen sind. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass der sowohl in den Medien und der Politik wie auch teilweise in der Wissenschaft verwendete Begriff des "Terrornetzwerkes" in seiner Pauschalisierung und Undifferenziertheit weder der Realität entspricht noch zu einem geeigneten Umgang mit Terrorismus beiträgt.
Sodann wird sich der Frage zugewandt, wie sich terroristische Gruppen bilden und für wen diese attraktiv sind. Unter Berücksichtigung der sozialen Konstruktion der Wirklichkeit wird sich auf die soziale Identitätstheorie, den sozialen Vergleich und die Attraktionsforschung bezogen. Es wird herausgestellt, dass sich terroristische Gruppen ebenso wie andere soziale Gruppen bilden und entwickeln. Bei terroristischen Gruppen bewirken die besondere Distinktheit zu Fremdgruppen jedoch eine außergewöhnliche Selbstwerterhöhung und Unsicherheitsreduktion und damit Attraktion.
Danach wird der Fokus auf das Verhalten der terroristischen Gruppe gerichtet und analysiert wie spezifisch terroristische Gewalt erklärt werden kann. Zu diesem Zweck werden gruppendynamische Aspekte in die Identitätstheorie eingebunden. Kollektive und somit auch individuelle Identitäten bilden bei terroristischen Gruppen eine enge Verknüpfung mit gruppendynamischen Effekten. Dieses Zusammenspiel fördert in terroristischen Gruppierungen Neutralisationseffekte und kollektive Lernerfahrungen.
Die Kombination von theoretischen Betrachtungen, mit Schwerpunkt auf der Kollektivität des Terrorismus sowie dessen selbstwertschützenden Eigenschaften, bietet ein Konzept für die Entwicklung terroristischer Gruppen, welches sowohl deren Attraktivität als Eigengruppe, die Dynamik mit Fremdgruppen als auch die Gewaltanwendung umfasst.
Publikationen (Auswahl):
-
Wildfang, Anne: Terrorismus.
Definition • Struktur • Dynamik. Kriminologische Forschungsberichte, Berlin 2010, 304 S. -
Externe Publikationen zum Thema Terrorismus:
- Arquilla, John / Ronfeldt, David (Hrsg.): Networks and Netwars. Santa Monica, 2001.
- Laqueur, Walter: Terrorismus, Die globale Herausforderung. Frankfurt, 1987.
- Mayntz, Renate: Organizational Forms of Terrorism. MPIfG Discussion Paper 04/4.
- Moghaddam, Fathali / Marsella, Anthony (Hrsg.): Understanding terrorism, Psychological roots, consequences, and interventions. Washington D. C., 2004.
- Münkler, Herfried: Die neuen Kriege. Hamburg, 2002.
- Rapoport, David (Hrsg.): Inside terrorist organizations. New York, 1988.
- von Trotha, Trutz: Über die Zukunft der Gewalt. In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform, 2002, Heft⁄Band 85, S. 349 - 368.
- Waldmann, Peter: Terrorismus, Provokation der Macht. Hamburg, 2. Aufl., 2005.
Downloads und Links:
-
Pressemitteilung vom 14.03.2011
- MIPT terrorism knowledge base
- The Institute for Counter-Terrorism
-
Terrorism Prevention Branch (UNODC)
Electronic Legal Resources on International Terrorism -
(Stand: Juni 2007)