Todesstrafe und öffentliche MeinungUnter besonderer Berücksichtigung der Todesstrafe in ChinaDie Bedeutung der Todesstrafe in dem Strafrechtssystem eines Landes wird maßgeblich durch die öffentliche Meinung und ihre Rückwirkungen auf die (Kriminal-) Politik bestimmt. Dies gilt namentlich auch in der Volksrepublik China, wo die Einstellung zur Todesstrafe nicht nur von konkreten (utilitaristischen) Erwartungen der Bevölkerung in Bezug auf die Gewährleistung öffentlicher Sicherheit, sondern auch von kulturellen (ideellen) Einstellungen zur Vergeltung beeinflusst wird. Als Grundlage für eine fundierte Diskussion um die längerfristigen Perspektiven für ihre Abschaffung ist es unverzichtbar, die Wechselwirkungen zwischen öffentlicher Meinung und Kriminalpolitik kritisch zu hinterfragen und das tatsächliche Meinungsbild in der Gesellschaft wissenschaftlich zu erforschen. |
| Projektkategorie: | Forschungsprojekt |
| Organisatorischer Status: | Forschungsgruppenprojekt |
| Projektlaufzeit: | Projektbeginn: 2004 Projektende: 2009 |
| Projektstatus: | abgeschlossen |
| Projektsprache(n): | Englisch |
Leiter(in):
- Shenghui Qi [Email]
- Priv.-Doz. Dr. Dietrich Oberwittler [Email]
Das neu begonnene Projekt befasst sich mit dem Stellenwert der Todesstrafe im öffentlichen Meinungsbild in der Volkrepublik China und den möglichen Rückwirkungen der öffentlichen Meinung auf die dortige Kriminalpolitik und die Perspektiven für ihre Abschaffung. Auch in China berufen sich die Befürworter der Todesstrafe gerne auf die Unterstützung, die diese absolute Strafe nach vielen Umfragen nicht nur in China, sondern auch in vielen anderen Ländern bei beträchtlichen Teilen der Bevölkerung findet. Das öffentliche Meinungsbild ist damit ein entscheidender Einflussfaktor auf das kriminalpolitische ‚Schicksal‘ der Todesstrafe und kann die Entwicklung hin zu ihrer vollständigen Abschaffung zumindest verzögern, wenn nicht ganz blockieren. Darüber hinaus kann die öffentliche Meinung in bestimmten Fällen auch konkrete Gerichtsentscheidungen – und damit die Frage, ob Beschuldigte zum Tod verurteilt und hingerichtet werden oder nicht – beeinflussen.
Doch selbst in den Ländern, welche die Todesstrafe bereits abgeschafft haben, wird von Zeit zu Zeit der Ruf nach ihrer Wiedereinführung laut, meist nach einem die Öffentlichkeit besonders erregenden Verbrechen. Ob die Anwendung bzw. Abschaffung der Todesstrafe überhaupt von der öffentlichen Meinung abhängen soll, ist allerdings grundsätzlich in Frage zu stellen. Ziel der Arbeit ist eine umfassende Bestandsaufnahme des Verhältnisses zwischen Todesstrafe und öffentlicher Meinung in China. Sie konzentriert sich auf die folgenden Fragestellungen:- Was charakterisiert die öffentliche Meinung und wie ist sie nach dem gegenwärtigen Forschungsstand definierbar?
- Mit welchen Methoden wird öffentliche Meinung erhoben und durch welche methodologischen Probleme wird die Aussagekraft von Befragungsergebnissen beeinflusst?
- Welche konkreten Faktoren beeinflussen die Befürwortung der Todesstrafe?
- Wie soll der Gesetzgeber auf die öffentliche Meinung zur Todesstrafe reagieren?
- Wie stellt sich die öffentliche Meinung zur Todesstrafe in China dar?
- Welchen Einfluss hat die öffentliche Meinung zur Todesstrafe auf Gesetzgebung und Justizpraxis in China?
Die bisherige Projektarbeit konzentrierte sich auf die Aufarbeitung der relevanten juristischen Literatur zur Todesstrafe sowie auf die maßgebliche theoretische und methodische Literatur zur Umfrageforschung. Des weiteren wurden die Gesetze und die zugänglichen Informationen zur justiziellen Anwendungspraxis im Bereich der Todesstrafe in der Volksrepublik China zusammengestellt. Der Arbeitsplan für das Jahr 2006 sah die Auswahl der Fragen und die technische Vorbereitung der geplanten Befragung in China vor. Eine Internetbefragung mit 896 chinesischen, 213 US-amerikanischen, und 515 deutschen Studierenden aus acht deutschen Universitäten wurde im Sommer 2007 durchgeführt. Die Fertigstellung des Forschungsberichtes ist für 2010 vorgesehen.
Der Bericht möchte in seinem Fazit nicht nur Vorschläge zur Reform der Todesstrafe in der Volksrepublik China präsentieren, sondern auch Möglichkeiten zu ihrer Abschaffung und die möglichen Wege dorthin diskutieren.Publikationen (Auswahl):
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Oberwittler, Dietrich & Qi, Shenghui (2009). Public Opinion on the Death Penalty in China. Results from a General Population Survey Conducted in Three Provinces in 2007/08 (Forschung Aktuell/research in brief 41). Freiburg: Max Planck Institute for Foreign and International Criminal Law.
- Qi, Shenghui / Oberwittler, Dietrich: On the Road to the Rule of Law: Crime, Crime Control, and Public Opinion in China. In: European Journal of Criminal Policy & Research, 2009, Heft⁄Band 15/1.
- Qi, Shenghui: Sentencing for Capital Cases in China [Chinese]. In: Zexian, Chen (Hrsg.): Strengthening the Defence in Death Penalty Cases. Beijing, Forum of Criminal Law Department of CASS - Chinese Academy of Social Sciences, 2006, S. 204 - 210.
- Qi, Shenghui: Strike hard. In: China Review, London 2005, Heft⁄Band 33, S. 6 - 9.
- Qi, Shenghui: Analysis on the Internal Dynamics of Public Opinion in Support of Capital Punishment - the Fate of Capital Punishment [Chinese]. In: China Law Review [ed. CHEN Xingliang], 2004, Heft⁄Band 15, S. 1 - 39.
Downloads und Links:
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Projekt: "Moving the Debate Forward"
China’s Use of the Death Penalty -
Todesstrafe im Kreuzverhör
MaxPlanckForschung, 3/2008, S. 39-42