Freiburg Proposal on Concurrent Jurisdictions and the Prohibition of Multiple Prosecutions in the European UnionDas ne bis in idem-Prinzip ist in der Europäischen Union als Menschenrecht anerkannt. Die effiziente Durchsetzung des Verbots der Mehrfachverfolgung ein und derselben Person wegen derselben kriminellen Handlung ist Voraussetzung für die Schaffung eines gemeinsamen Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts, was ein Ziel der Europäischen Union ist. Trotzdem macht die Umsetzung dieses Prinzips immer wieder Probleme. |
| Projektkategorie: | Forschungsprojekt |
| Organisatorischer Status: | Forschungsgruppenprojekt |
| Projektlaufzeit: | Projektbeginn: 2002 Projektende: 2005 |
| Projektstatus: | abgeschlossen |
Leiter(in):
- Dr. Anke Biehler
- Dr. Roland Kniebühler
- Dr. Juliette Lelieur-Fischer, LL.M. Köln/Paris, LL.M. European and comparative Law, University of Maastricht
- Dr. Sibyl Stein
Das ne bis in idem-Prinzip ist in der Europäischen Union als Menschenrecht anerkannt. Die effiziente Durchsetzung des Verbots der Mehrfachverfolgung ein und derselben Person wegen derselben kriminellen Handlung ist Voraussetzung für die Schaffung eines gemeinsamen Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts, was ein Ziel der Europäischen Union ist. Trotzdem macht die Umsetzung dieses Prinzips immer wieder Probleme.
Vor diesem Hintergrund hat eine Gruppe von Experten im Europäischen Strafprozessrecht unter Schirmherrschaft des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht und seines Direktor Emeritus Prof. Albin Eser das “Freiburg Proposal on Concurrent Jurisdictions and the Prohibition of Multiple Prosecutions in the European Union” entwickelt. Mitglieder der Expertengruppe waren: Anke Biehler (Deutschland), Thomas Elholm, Ph.D. (Dänemark), Prof. Christopher Gane (Vereinigtes Königreich), Roland Kniebühler (Deutschland), Prof. Otto Lagodny (Deutschland/Österreich), Juliette Lelieur-Fischer, LL.M. (Frankreich), A.H.J. Lensing (Niederlande), Tom Ongena (Belgien), Prof. Michał Płachta (Polen), Prof. Dionysios Spinellis (Griechenland), Sibyl Stein (Deutschland), Prof. Asbjörn Strandbakken (Norwegen) und Dr. Helge Elisabeth Zeitler (Deutschland).
Ziel des Vorschlags ist ein umfassendes Regelungsmodell zu geben wie Mehrfachverfolgungen und -bestrafungen für dieselbe Tat in verschiedenen Jurisdiktionen zu vermeiden sind. Dies schützt einerseits den Beschuldigten und die Rechtssicherheit, erlaubt aber andererseits effektive Strafverfolgung. Ergebnis der Beratungen war der Vorschlag einer dreistufigen Lösung: Auf der ersten Stufe sollen Mehrfachverfolgungen von vornherein durch gegenseitige Information und effektive Koordination zwischen Verfolgungsbehörden vermieden werden. Wenn - trotz allem - eine Mehrfachverfolgung nicht vermieden werden konnte, ist das ne bis in idem-Prinzip auf der zweiten Stufe anwendbar. Im Mittelpunkt der Freiburger Gruppe stand dabei das Bemühen die Anwendbarkeit einer ne bis in idem-Regelung auf alle repressiven Entscheidungen auszudehnen, anstatt sie auf strafrechtliche Urteile zu beschränken. Wenn dennoch mehrere Verfolgungen stattfinden, ist das Anrechnungsprinzip auf der dritten Stufe als letzter Rettungsanker anwendbar.
Publikationen (Auswahl):
-
Kniebühler, R. M.: Transnationales 'ne bis in idem'.
Zum Verbot der Mehrfachverfolgung in horizontaler und vertikaler Dimension. Strafrechtliche Forschungsberichte, Berlin 2005, 460 S. - Stein, S.: Zum europäischen ne bis in idem nach Artikel 54 des Schengener Durchführungsübereinkommens. Frankfurt a. M., Verlag Lang, 551 S., 2004. Zusätzl.: Diss.
- Biehler, A., Kniebühler, R., Lelieur-Fischer, J. & Stein, S. (2003): Keine Doppelbestrafung in Europa. MaxPlanckForschung, Das Wissenschaftsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft 3, S. 71.
- Eser, Albin: National Jurisdiction over Extraterritorial Crimes within the Framework of International Complementarity: A Comparative Survey on Transnational Prosecution of Genocide According to the Principle of Universality. In: Vohrah, L.C., et al. (Hrsg.): Man's Inhumanity to Man. Essays on International Law in Honour of Antonio Cassese. The Hague et al., Kluwer Law International, 2003, S. 279 - 296.
- Eser, Albin: Justizielle Rechte. In: Meyer, J. (Hrsg.): Kommentar zur Charta der Grundrechte der Europäischen Union. Baden-Baden, Nomos Verlagsgesellschaft, 2003, S. 501 - 555.
- Eser, Albin: Auf dem Weg zu einem internationalen Strafgerichtshof: Entstehung und Grundzüge des Rom-Statuts. In: Zeitschrift des Bernischen Juristenvereins, 2003, Heft⁄Band 139/1, S. 1 - 42.
- Eser, Albin: Harmonisierte Universalität nationaler Strafgewalt: ein Desiderat internationaler Komplementarität bei Verfolgung von Völkerrechtsverbrechen. In: Donatsch, A. / Forster, M. / Schwarzenegger, Ch. (Hrsg.): Strafrecht, Strafprozessrecht und Menschenrechte. Festschrift für Stefan Trechsel zum 65. Geburtstag. Zürich u.a., Verlag Schulthess, 2002, S. 219 - 236.
- Eser, Albin / de la Cuesta, J. L.: Les Compétences criminelles concurrentes nationales et internationales et le principe “ne bis in idem” (in französisch, englisch und spanisch). In: Revue Internationale de Droit Pénal, 2002, Heft⁄Band 72, S. 739 - 777.
Downloads und Links:
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Anke Biehler / Roland Kniebühler / Juliette Lelieur-Fischer / Sibyl Stein (eds.): Freiburg Proposal on Concurrent Jurisdictions and the Prohibition of Multiple Prosecutions in the European Union. With a Preface by Albin Eser. edition iuscrim, forschung aktuell - research in brief, Nr. 20. Freiburg i. Br. 2003, 40 S.