EuroNeedsMit Blick auf die aktuelle Entwicklung und v.a. auf die vom Vertrag von Lissabon vorgesehene Rechtsgrundlage für eine Europäische Staatsanwaltschaft wird der tatsächliche Bedarf an Praktikern bei dem Verfolgen von Straftaten gegen europäische Rechtsgüter sowie die durch die EU begünstigte trans-nationale Kriminalität in 18 EU-Mitglieds- bzw. Anwärterstaaten untersucht. Die Studie zielt ferner daraufhin festzustellen, inwiefern die vorhandenen Mittel, v.a. der dritten Säule, die aktuellen Probleme lösen bzw. lösen werden. Abschließen sollen die weiteren notwendigen Schritte identifiziert werden. |
| Projektkategorie: | Forschungsprojekt |
| Organisatorischer Status: | Einzelprojekt |
| Projektlaufzeit: | Projektbeginn: 2009 Projektende: 2011 |
| Projektstatus: | abgeschlossen |
| Projektsprache(n): | Englisch |
| Rechtsordnung(en): | 18 europäische Rechtsordnungen, EU-Recht |
Leiter(in):
Mitarbeiter(innen):
- Ellen Weaver
- Sarah Schultz
- Klaus Krebs
Vor dem Hintergrund, dass der Vertrag von Lissabon in Artikel 86 die Möglichkeit vorsieht, eine Europäische Staatsanwaltschaft zu bilden, untersucht das Projekt EuroNEEDS, ob ein entsprechendes Bedürfnis für strafrechtliche Institutionen und Instrumente auf EU-Ebene besteht. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Mechanismen im Rahmen der intergouvermentalen dritten Säule entwickelt, um die nationalen strafrechtlichen Einrichtungen bei ihrer Strafrechtsverfolgung insbesondere im Schengen-Raum zu unterstützen. Die damit verbundene Freiheit der Menschen sowie der Waren- und Kapitalfluss stellen zugleich die nationalen Strafrechtssysteme vor neue Herausforderungen im Kampf gegen grenzüberschreitende Kriminalität. Außerdem scheint die EU aufgrund des Mangels an strafrechtlichen Einrichtungen gegenüber Verbrechen, insbesondere solchen im Bereich des Betrugs gegen die Finanzinteressen, verwundbar. Einerseits stehen den Strafverfolgungsagenturen zwar mittlerweile Instrumente wie der Europäische Haftbefehl als starke Werkzeuge im Kampf gegen das Verbrechen zur Verfügung, anderseits wird zugleich heftig kritisiert, dass für den mit dem Strafrecht gewöhnlich verbundenen Grundrechtsschutz nur unzulänglich gesorgt wird, weil einer Vielzahl von Problemen durch einzelne ad-hoc-Lösungen begegnet wird anstatt einen systematischen, ganzeinheitlichen Ansatz zu verfolgen.
Das EuroNEEDS-Projekt versucht ein klares Bild darüber zu erstellen, welche Herausforderungen der Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts an das Strafrechtssystem stellt. Dies soll v.a. durch Befragungen von Experten aus 18 Mitgliedstaaten und Einrichtungen der EU geschehen; das Projekt untersucht mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben, ob die im Rahmen der dritten Säule entwickelten Mechanismen effektiv sind, ob Vorschläge wie die Europäische Staatsanwaltschaft brauchbare Lösungen versprechen und verschiedene Mechanismen und/oder Einrichtungen notwendig sind. Indem die Studie zugleich verfahrensrechtliche Probleme und Fragen der Verteidigerbeteiligung untersucht, wird ein vergleichender Ansatz verfolgt um eine Bestandaufnahme über den gegenwärtigen Stand und die zukünftigen Anforderungen der Strafrechtsjustiz auf europäischer Ebene zu liefern.
Die Studie wird durch das Hercule Programm der Europäischen Kommission kofinanziert.
Liste der Partner
| COUNTRY | INSTITUTION | PARTNER |
| Austria | Institut für Strafrecht und Kriminologie,
Fakultät für Rechtswissenschaften,
Universität Wien | Dr. Robert Kert |
| Belgium | Substitut du Procureur général | Mr Patrick De Wolf |
| Croatia | Faculty of Law,
University of Zagreb | Prof. Dr. Zlata Durdevic |
| Czech Republik | Faculty of Law,
Masaryk University | Prof. Jaroslav Fenyk |
| Denmark | Department of Law
University of Southern Denmark | Lektor, Dr.jur. Birgit Feldtmann |
| Estonia | Faculty of Law,
University of Tartu | Prof. Jaan Ginter |
| Finland | University of Joensuu | Dr. Jussi Ohisalo,
Prof. Matti Tolvanen |
| Germany | Max-Planck-Institute for Foreign and International Criminal Law | Dr. Marianne Wade |
| Greece | Institute of Advanced Legal Studies, University of London | Dr. Helen Xanthaki |
| Hungary | Institute of Criminal Justice,
Faculty of Law,
University of Miskolc | Prof. Dr. Ákos Farkas |
| Italy | University of Catania | Prof. Dr. Rosaria Sicurella
Valeria Scalia |
| Luxemburg | Université du Luxembourg | Prof. Dr. Stefan Braum |
| Netherlands | Faculteit Recht, Economie, Bestuur en
Organisatie, University of Utrecht | Dr. Michiel Luchtman |
| Poland | Jagiellonian University of Krakow | Dr. Adam Gorski |
| Slovakia | General Prosecutor’s Office of the Slovak Republic | Anna Ondrejova |
| Spain | Universidad Complutense de Madrid | Prof. Dr. Lorena Bachmeier-Winter |
| Sweden | Faculty of Law,
University of Örebro | Prof. Dr. Josef Zila |
| United Kingdom | President of the Association to Combat Fraud in Europe | Tricia Howse |
Publikationen (Auswahl):
- Wade, Marianne: The Constitution says yes [but...] to the Lisbon Treaty - The Judgment of the Second Senate of the Federal Constitutional Court of 30 June 2009. In: eucrim, 2009, Heft⁄Band 1-2, S. 57 - 60.
- Wade, Marianne: OLAF and the Push and Pull Factors of a European Criminal Justice System. In: eucrim, 2008, Heft⁄Band 3-4, S. 128 - 132.
- Wade, Marianne: The Januses of Justice – How Prosecutors Define the Kind of Justice Done Across Europe. In: European Journal of Crime, Criminal Law and Criminal Justice, 2008, Heft⁄Band 16/4, S. 433 - 455.
Downloads und Links:
-
EuroNEEDs – Evaluating the need for and the needs of a European Criminal Justice System
by Dr. Marianne Wade
– preliminary report / January 2011 –