Wegbereiter in der Wissenschaftsethik

Der dies­jäh­ri­ge Com­mu­ni­tas-Preis für be­son­de­re Ver­diens­te um die Max-Planck-Ge­sell­schaft (MPG) geht in die­sem Jahr an den Di­rek­tor am Max-Planck-In­sti­tut (MPI) für aus­län­di­sches und in­ter­na­tio­na­les Straf­recht in Frei­burg, Ul­rich Sie­ber, und an Rü­di­ger Wolfrum, eme­ri­tier­ter Di­rek­tor am MPI für aus­län­di­sches öf­fent­li­ches Recht und Völ­ker­recht in Hei­del­berg. Die bei­den Ju­ris­ten wer­den für ihr En­ga­ge­ment für die zwei zen­tra­len Ethik­gre­mi­en der MPG ge­ehrt: die Kom­mis­si­on für Ethik si­cher­heits­re­le­van­ter For­schung (KEF) und der Ethi­krat.


Im­mer wenn sich Wis­sen­schaft­ler der MPG selbst hin­ter­fra­gen müs­sen, sei es bei The­men wie Stamm­zell­for­schung, ei­nem po­ten­zi­el­len Du­al-Use-Pro­blem oder bei ver­mut­li­chem Ver­stoß ge­gen die Stan­dards gu­ter wis­sen­schaft­li­cher Pra­xis ste­hen ih­nen zwei Gre­mi­en zur Kon­sul­ta­ti­on zur Ver­fü­gung. Ein­mal der Ethi­krat und zum zwei­ten die Kom­mis­si­on für Ethik si­cher­heits­re­le­van­ter For­schung (KEF). „Für mich sind der Ethi­krat und die KEF als In­stan­zen der Selbs­t­re­fle­xi­on und der mo­ra­li­schen Ver­or­tung un­se­res Tuns als Wis­sen­schaft­ler ex­trem wich­ti­ge Gre­mi­en“, sag­te Max-Planck-Prä­si­dent Mar­tin Strat­mann En­de Fe­bru­ar bei der Ver­lei­hung des Com­mu­ni­tas-Prei­ses in der Sit­zung des Wis­sen­schaft­li­chen Ra­tes in Ber­lin. In sei­ner Re­de wür­dig­te er den „jah­re­lan­gen, en­ga­gier­ten und tat­säch­lich un­er­setz­ba­ren Ein­satz“ von Rü­di­ger Wolfrum, eme­ri­tier­ter Di­rek­tor am MPI für aus­län­di­sches öf­fent­li­ches Recht und Völ­ker­recht, und von Ul­rich Sie­ber, Di­rek­tor am MPI für aus­län­di­sches und in­ter­na­tio­na­les Straf­recht.

So lei­tet Wolfrum seit der Ein­rich­tung 2006 den Ethi­krat, dem seit Be­ginn auch Sie­ber an­ge­hört. Das Gre­mi­um berät den Prä­si­den­ten zu­dem bei ethi­schen Fra­gen großer Trag­wei­te und ver­öf­fent­licht Grund­satz­pa­pie­re, die heu­te zu „Gold­stan­dards in der deut­schen Wis­sen­schafts­land­schaft“ ge­zählt wer­den, so zum Bei­spiel die „Re­geln zur Si­che­rung gu­ter wis­sen­schaft­li­cher Pra­xis“, führ­te Strat­mann wei­ter aus.

Hil­fe­stel­lung und dif­fe­ren­zier­te Be­ra­tung gibt auch die KEF, die von Sie­ber ge­lei­tet wird. Hier steht die Du­al-Use-Pro­ble­ma­tik im Zen­trum; al­so et­wa tech­no­lo­gi­sche oder bio­lo­gi­sche Er­kennt­nis­se, die po­ten­zi­ell Mensch und Um­welt scha­den – bei­spiels­wei­se durch mi­li­tä­ri­schen oder ter­ro­ris­ti­schen Miss­brauch. Sei­ne Wur­zeln hat die KEF in ei­ner Ar­beits­grup­pe des Wis­sen­schaft­li­chen Ra­tes. Als Mit­glied die­ser Ar­beits­grup­pe hat­te Ul­rich Sie­ber be­reits die viel­be­ach­te­ten „Hin­wei­se und Re­geln zum Ver­ant­wor­tungs­vol­len Um­gang mit For­schungs­frei­heit und For­schungs­ri­si­ken“ ver­fasst. Mit dem Pa­pier ha­be Sie­ber, so der Prä­si­dent, einen Stan­dard ge­setzt, der an­de­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen als Grund­la­ge ge­dient ha­be.