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Die­ser Fra­ge ging Ul­ri­ke Schultz, Aka­de­mi­sche Ober­rä­tin a.D. an der FernU­ni­ver­si­tät in Ha­gen, in ei­nem Vor­trag im Fe­bru­ar am Max-Planck-In­sti­tut für aus­län­di­sches und in­ter­na­tio­na­les Straf­recht nach.


Ob­wohl der An­teil der Frau­en, die an ei­ner ju­ris­ti­schen Fa­kul­tät stu­die­ren, seit Jahr­zehn­ten kon­ti­nu­ier­lich steigt -  von rd. 10 % in den frü­hen 1960er-Jah­ren bis hin zu knapp 56 % im Jahr 2017 -, sind sie als Pro­fes­so­rin­nen an deut­schen Hoch­schu­len noch im­mer stark un­ter­re­prä­sen­tiert. 2017 wa­ren nur 14 % der C4/W3-Pro­fes­su­ren in der Rechts­wis­sen­schaft mit ei­ner Frau be­setzt; bei den C3/W2-Pro­fes­su­ren wa­ren es 26 %. Meh­re­re ju­ris­ti­sche Fa­kul­tä­ten ha­ben nur ei­ne Jura­pro­fes­so­rin, Greifs­wald kommt ganz oh­ne aus. Doch warum ist das so?

Ul­ri­ke Schultz nennt u.a. struk­tu­rel­le Grün­de für die Un­ter­re­prä­sen­tanz von Frau­en als Jura­pro­fes­so­rin­nen. So wür­den die lan­ge Aus­bil­dungs­dau­er und die be­fris­te­ten Ver­trä­ge wäh­rend der Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se als Hemm­nis­se an­ge­se­hen. Teil­zeit­ar­beit, Teil­ver­trä­ge und die ho­he Mo­bi­li­tät und Fle­xi­bi­li­tät, die von Wis­sen­schaft­ler*in­nen in die­ser Le­ben­s­pha­se er­war­tet wür­den, schreck­ten zu­sätz­lich ab. Ei­ne Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf sei in die­sem „Wan­der­zir­kus der Wis­sen­schaft­ler*in­nen“ nur schwer mög­lich.

Da­ne­ben nennt Schultz auch fest­ge­fah­re­ne Tra­di­tio­nen, die die Kar­rierech­an­cen von Frau­en in den Rechts­wis­sen­schaf­ten aus­brem­sen kön­nen. Die­se reich­ten von ver­krus­te­ten Struk­tu­ren an der Uni­ver­si­tät (z.B. durch das Ta­bu der Haus­be­ru­fun­gen) bis hin zu ei­ner „so­zia­len Schlie­ßung“. So wür­den in Fest­schrif­ten, Mo­no­gra­fi­en, Bio­gra­fi­en oder Nach­ru­fen Män­ner als „idea­ler Jura­pro­fes­sor“ ge­ehrt und ge­wür­digt. Weib­li­che Vor­bil­der fehl­ten noch. Zu­dem wür­den die be­ste­hen­den Netz­wer­ke durch die Fach­ge­sell­schaf­ten und durch en­ge Meis­ter-Leh­rer-Be­zie­hun­gen wei­ter ge­fes­tigt.

Die Si­tua­ti­on für die Frau­en müs­se sich än­dern, for­dert Schultz. Die Rechts­wis­sen­schaft bö­te ei­ne Viel­zahl in­ter­essan­ter Be­rufs­chan­cen – von der An­walt­schaft über die Jus­tiz bis hin zur Ver­wal­tung und Po­li­tik. Auch Pro­fes­so­rin­nen an ju­ris­ti­schen Fa­kul­tä­ten sei­en ein „Ge­bot der Zeit“. Hier­für müs­se sich nicht nur die Fach-, son­dern auch die Lehr­kul­tur än­dern. Es müs­se Le­bens­fall be­zo­ge­ner un­ter­rich­tet wer­den; Gen­dert­he­men müss­ten Teil der Leh­re wer­den.

Wei­te­res Ma­te­ri­al zum The­ma fin­den Sie un­ter www.ul­rike­schultz.de.