MPI-Wissenschaftlerin als Wahlbeobachterin bei den Präsidentschaftswahlen in Georgien

Dr. Eli­ko Ci­klau­ri-Lam­mich, Wis­sen­schaft­le­rin am Max-Planck-In­sti­tut für aus­län­di­sches und in­ter­na­tio­na­les Straf­recht, hat die En­de No­vem­ber 2018 statt­ge­fun­de­nen Prä­si­dent­schafts­wah­len in Ge­or­gi­en be­ob­ach­tet. Die For­sche­rin war vom Ver­ein der in Deutsch­land le­ben­den Ge­or­gier und dem Frei­bur­ger Ver­ein An­wäl­tin­nen oh­ne Gren­zen (AOG) in das Land im Kau­ka­sus ge­be­ten wor­den, um als Ju­ris­tin und Ex­per­tin die Wahl­vor­gän­ge zu be­ob­ach­ten und ob­jek­tiv dar­über zu be­rich­ten.


Die Wahlen sei­en „nicht ganz ma­kel­los, aber al­les in al­lem po­si­tiv ver­lau­fen“, er­klärt Ci­klau­ri-Lam­mich, die in Ge­or­gi­en ge­bo­ren ist, aber schon seit 29 Jah­ren in Deutsch­land lebt und forscht. Al­lein, dass es einen zwei­ten Wahl­gang mit ei­ner Stich­wahl ge­ge­ben ha­be, sei – ge­ra­de im Ver­gleich zu an­de­ren ehe­ma­li­gen UDSSR-Staa­ten – kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. „Ge­or­gi­en hat den rich­ti­gen Weg ein­ge­schla­gen, aber es gibt noch Luft nach oben“, so die Wis­sen­schaft­le­rin.

Seit dem 28. No­vem­ber 2018 ist die frü­he­re Au­ßen­mi­nis­te­rin Sa­lo­me Su­ra­bischwi­li Prä­si­den­tin in Ge­or­gi­en. Sie ist da­mit die ers­te Frau, die an die Spit­ze des Lan­des rückt. Beim ers­ten Wahl­gang hat­te kei­ner der Kan­di­da­ten die nö­ti­ge Mehr­heit er­hal­ten. Bei der Stich­wahl einen Mo­nat spä­ter setz­te sich Su­ra­bis­h­vi­li ge­gen Gri­gol Waschad­se durch, der in der Ver­gan­gen­heit eben­falls das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um ge­lei­tet hat­te. Gut 3,5 Mil­lio­nen Ge­or­gier wa­ren auf­ge­ru­fen, über die Nach­fol­ge von Gior­gi Marg­we­la­schwi­li zu ent­schei­den, der auf ei­ne er­neu­te Kan­di­da­tur ver­zich­tet hat­te. Dass nun ei­ne Frau das Prä­si­dent­schaft­samt in­ne­hat, ist ein No­vum in der Re­gi­on und laut Ci­klau­ri-Lam­mich ein „Ge­winn für die Viel­falt und die Dis­kus­si­on in ei­ner pa­tri­ar­cha­lisch ge­präg­ten Ge­sell­schaft wie der ge­or­gi­schen.“  

Vie­le hoch­ge­bil­de­te und po­li­tisch ak­ti­ve Frau­en ha­ben es nicht ein­fach

In der ge­or­gi­schen Jus­tiz und Po­li­tik hät­ten Frau­en es zwar im­mer wie­der in ho­he Po­si­tio­nen ge­schafft. So zum Bei­spiel Prof. Ni­no Gwe­ne­tad­ze, die als ers­te Frau im gan­zen Ost­block Prä­si­den­tin des Obers­ten Ge­richts wur­de. Gwe­ne­tad­ze ist als ehe­ma­li­ge Sti­pen­dia­tin des Max-Planck-In­sti­tuts und als ex­ter­ne Mit­ar­bei­te­rin noch im­mer an ei­ni­gen ge­mein­sa­men Pro­jek­ten be­tei­ligt.

 Vie­le die­ser Frau­en be­kämen aber in den eta­blier­ten Macht­struk­tu­ren kei­ne wirk­li­che Chan­ce, sich zu be­haup­ten, er­klärt Ci­klau­ri-Lam­mich. So trat Gwe­ne­tad­ze im Mai 2018 auf­grund er­heb­li­chen Ge­gen­winds frei­wil­lig von ih­rem Amt als Obers­te Rich­te­rin des Lan­des zu­rück. Trotz großen Rich­ter­man­gels im OG hat­te sie kei­nen ein­zi­gen Rich­ter er­nen­nen kön­nen, da al­le ih­re Vor­schlä­ge vom Jus­tiz­rat ab­ge­wie­sen wur­den. In die­sem Jus­tiz­rat sit­zen vor­wie­gend Män­ner, die sich selbst zu Rich­ter­kan­di­da­ten des OG auf Leb­zei­ten auf­ge­stellt ha­ben, er­klärt Ci­klau­ri-Lam­mich. Das Ge­ba­ren die­ser Be­am­ten aus der Ära des frü­he­ren Jus­tiz­mi­nis­ters und Staats­prä­si­den­ten Mich­eil Saa­kaschwi­li sei von eu­ro­päi­schen Wert­vor­stel­lun­gen noch weit ent­fernt.

Pro­test ge­gen die Vor­gän­ge bei der Be­set­zung von ho­hen Richter­stel­len sei auch der Grund, dass die Vor­sit­zen­de des Rechts­aus­schus­ses des ge­or­gi­schen Par­la­ments, Prof. Eka Bes­se­lia, kürz­lich ih­ren Pos­ten nie­der­leg­te. Ihr Rück­zug ist ein Pro­test ge­gen die Vor­gän­ge bei der Er­nen­nung und der Be­set­zung von ho­hen Richter­stel­len oh­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung.

Gwe­ne­tad­ze und Bes­se­lia sei­en nur zwei Bei­spie­le von vie­len hoch­ge­bil­de­ten und po­li­tisch ak­ti­ven Frau­en, die sich im Kampf ge­gen eta­blier­te Män­ner­seil­schaf­ten und Vet­tern­wirt­schaft in ih­ren Äm­tern auf­rei­ben. Große Hoff­nung ste­cke man nun in die Jus­tiz­mi­nis­te­rin Thea Zu­lu­kia­ni.

Wis­sen­schaft­le­rin, Men­schen­rechts­ak­ti­vis­tin und „Er­folg­rei­che im Aus­land le­ben­de Ge­or­gie­rin"

Eli­ko Ci­klau­ri-Lam­mich forscht seit Jahr­zehn­ten am Max-Planck-In­sti­tut für aus­län­di­sches und in­ter­na­tio­na­les Straf­recht. Als Lei­te­rin des For­schungs­pro­jekts „Über­gän­ge vom to­ta­li­tär­em zu rechts­staat­li­chen Straf­recht - Kri­mi­nal­po­li­ti­sche Ten­den­zen in den Nach­fol­ge­staa­ten der ehe­ma­li­gen So­wje­tu­ni­on“, be­ob­ach­tet sie so­wohl die Recht­s­ent­wick­lung als auch die De­mo­kra­ti­sie­rung und be­fasst sie sich vor al­lem mit dem Auf­bau ei­nes wis­sen­schaft­li­chen Netz­werks in un­ter­schied­li­chen Re­gio­nen der ehe­ma­li­gen So­wje­tu­ni­on (heu­ti­ge GUS-Staa­ten, Russ­land, Ge­or­gi­en, Ukrai­ne u. a.).

Meh­re­re Jah­re war sie Vor­sit­zen­de der Frau­en­kom­mis­si­on des Mi­gran­ten­bei­ra­tes von Frei­burg und Vor­sit­zen­de des Ver­eins „Frau­en­ring Breis­gau“.

Zu­sam­men mit Jas­mi­na Prpić und an­de­ren Frei­bur­ger Ju­ris­tin­nen grün­de­te sie vor 10 Jah­ren den Frei­bur­ger Ver­ein An­wäl­tin­nen oh­ne Gren­zen (AOG), in des­sen Vor­stand sie sitzt. Im Ver­ein sind Ju­ris­tin­nen aus 25 Län­dern der Welt or­ga­ni­siert. Der­zeit be­rei­tet der Ver­ein die Grün­dung meh­re­rer Aus­lands­grup­pen vor, u.a. in Ge­or­gi­en. Im April ver­gan­ge­nen Jah­res war Ci­klau­ri-Lam­mich in Tif­lis we­gen ih­rer lang­jäh­ri­gen Ar­beit in der in­ter­na­tio­na­len recht­li­chen Zu­sam­men­ar­beit vom ge­or­gi­schen Par­la­ment als „Er­folg­rei­che im Aus­land le­ben­de Ge­or­gie­rin des Jah­res" aus­ge­zeich­net wor­den.