Schwerpunkt Strafrecht

Diese Seite wird bereit gestellt vom Max-Planck-Institut für ausländisches und inter­natio­nales Strafrecht in Zusammenarbeit mit der Juristischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.

Schwerpunktbereich 3: strafrecht-online.org/lehre/schwerpunkt/ – Institut für Kriminologie und Wirt­schafts­straf­recht an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg.

Schwerpunktbereich 3: Strafrechtliche Rechtspflege


Zielgruppe

Der strafrechtliche Schwerpunktbereich wendet sich an Studierende mit besonderem Interesse am Strafrecht und an der strafrechtlichen Rechtspflege. Er bietet ein breites und in seinen einzelnen Teilmaterien aufeinander abgestimmtes Spektrum von Lehrveranstaltungen an, die für den strafrechtlich orientierten Juristen auch ein solides Fundament im Hinblick auf eine entsprechende spätere berufspraktische Tätigkeit legen. Zu denken ist dabei zunächst natürlich an die Berufsfelder im Bereich von Polizei und Strafjustiz (bis hin zum Strafvollzug). Aber auch wer eine anwaltliche Tätigkeit ins Auge fasst, wird sich mit der Frage befassen müssen, ob sich diese (zusätzlich) auf die Strafverteidigung erstrecken soll. Darüber hinaus sind auf vielen Gebieten der Rechtsberatung strafrechtliche Aspekte mitzuberücksichtigen, z. B. gerade auch in den höchst bedeutsamen Bereichen Wirtschaft und Umwelt.


Strukturierung und Gegenstände des Lehrveranstaltungsangebots

Der Schwerpunktbereich gliedert sich in einen für alle Teilnehmer obligatorischen Kernbereich und zwei von den Teilnehmern alternativ wählbare Teilbereiche (Wahlbereiche).

→ 1. Kernbereich

Der Kernbereich stellt zwei Materien in den Vordergrund, die im Pflichtfachstudium zu kurz zu kommen pflegen. Es gibt darin ein verfahrensrechtliches und ein sanktionenrechtliches Zentrum. Das verfahrensrechtliche Zentrum umfasst das Strafprozessrecht und das formelle Ordnungswidrigkeitenrecht sowie die grundlegenden Verfahrensprinzipien in historischer Sicht. Das sanktionenrechtliche Zentrum wird gebildet durch das Recht der strafrechtlichen Sanktionen (einschließlich Strafzumessung) und die Sanktionen des Ordnungswidrigkeitenrechts. Abgerundet wird das Kernbereichsprogramm mit einem Einblick in die philosophischen und historischen Grundlagen des Strafrechts, durch welchen die Hintergründe des geltenden Rechts exemplarisch beleuchtet werden.
Der Kernbereich ist Gegenstand der Aufsichtsarbeit des zweiten Prüfungsabschnitts.

→ 2. Empirisch-pönologischer Wahlbereich

Dieser Wahlbereich ergänzt die Schwerpunktausbildung um Materien, die vorwiegend einen anderen methodischen Zugang zum Strafrecht eröffnen als die dogmatischen Fächer. Demgemäß stehen hier nicht primär Verständnis und Anwendung von Rechtsnormen im Brennpunkt des Interesses, sondern erfahrungswissenschaftliche Fragestellungen (z. B. gesellschaftliche und individualpsychologische Bedingungen der Entstehung von Kriminalität; Dunkelfeldforschung; strukturelle Charakteristika der Organisierten Kriminalität), deren Behandlung u. a. ein an der empirischen Sozialforschung orientiertes methodisches Instrumentarium (Befragungen, Statistik usw.) erfordert. Dies gilt in erster Linie für die Kriminologie, welche das eine Zentrum dieses Wahlbereichs bildet. Aber auch Strafvollzug und Jugendstrafrecht (das andere Zentrum), obwohl gesetzlich geregelt, erschließen sich nicht in demselben Maße durch die theoretische Aneignung der Norminhalte wie die allgemeinen Materien des Strafrechts. Hinzu treten die sanktionenrechtlichen Aspekte des Jugendstrafrechts (eigenständiges Rechtsfolgensystem) und des Strafvollzugsrechts (Ausgestaltung der Freiheitsstrafe), wodurch eine besondere Verzahnung mit dem Kernbereich erfolgt.

→ 3. Wahlbereich Internationales Strafrecht und moderne Materien des Strafrechts

Dieser zum vorstehend beschriebenen alternativ wählbare Teilbereich ergänzt die Schwerpunktausbildung um besonders wichtige aktuelle und zukunftsträchtige Themenfelder des Strafrechts. Auch insoweit sind zwei Zentren vorgesehen: Einmal geht es um die internationalen Bezüge des Strafrechts, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dabei gehört die Strafrechtsvergleichung als ein in Freiburg traditionell besonders gepflegtes Gebiet inzwischen zu den etablierten Fächern. Mit ihr wird im Detailvergleich bestimmter Regelungen (z. B. der Notwehr) oder im Strukturvergleich ganzer Regelungssysteme in verschiedenen Rechtsordnungen sowohl eine kritische Distanz zur eigenen Rechtsordnung hergestellt als auch der Sinn für übergreifende Lösungen geschärft, die sich in unterschiedlichen Rechtsordnungen (teils unabhängig voneinander ausgebildet) finden. Hingegen befindet sich eine auf gewissen Feldern international Geltung beanspruchende Strafrechtsordnung noch stärker in der Entwicklung. Völkerstrafrecht und EU-Strafrecht ziehen jedoch wachsende Aufmerksamkeit auf sich. Das andere Zentrum bilden mit dem Wirtschafts-, Umwelt- und Informationsstrafrecht drei für neue Aufgabenfelder des Strafrechts repräsentative Spezialmaterien, die erst in den letzten Jahrzehnten entstanden bzw. (im Falle des Wirtschaftsstrafrechts) zu überragender Bedeutung aufgestiegen sind. Einer der beiden Wahlbereiche ist Gegenstand der mündlichen Bereichsprüfung des dritten Prüfungsabschnitts.

Das Studium im Schwerpunktbereich

Die Teilnehmer des SPB 3 erwartet ein anspruchsvolles und facettenreiches Programm. Der Kanon reicht von historisch-philosophischen über dogmatische bis zu empirischen und rechtsvergleichenden Fächern. Er bietet zudem eine ausgewogene Mischung eher wissenschaftlich-theoretischer und eher praxisnaher Gebiete. In Anbetracht der Reichhaltigkeit dieses Angebots haben die Teilnehmer die Wahl zwischen einer stärker empirisch-pönologischen und einer stärker die modernen Materien des Strafrechts sowie Rechtsvergleichung und Internationales Strafrecht betonenden Ausrichtung ihrer Schwerpunktausbildung. Durch die Kombinierbarkeit des Kernbereichs mit zwei verschiedenen Wahlbereichen werden unter einem gemeinsamen Dach der Sache nach gewissermaßen anderthalb strafrechtliche Schwerpunktbereiche präsentiert. Deshalb sind die Teilnehmer gehalten, ihre Wahl der gewünschten Kombination innerhalb des SPB 3 bereits bei der Meldung zum Schwerpunktstudium auf dem betreffenden Formular zu vermerken. Dies liegt mit Rücksicht auf die spätere (Teil-)Bereichsprüfung, die sich stets auf einen der beiden Wahlbereiche en bloc erstreckt, im eigenen Interesse der Teilnehmer.

Die strafrechtlichen Seminare, in deren Rahmen die Studienarbeiten als schriftliche Referate anzufertigen sind, stehen den Teilnehmern ab dem 2. Semester der Schwerpunktausbildung offen. Für die Teilnahme an der Kernbereichsklausur und die mündliche Wahlbereichsprüfung wird vorausgesetzt, dass alle im Studienplan dafür jeweils vorgesehenen Lehrveranstaltungen besucht worden sind.

  • Geändert am: 01.12.2015
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