"Participation in a Criminal Organisation" and "Conspiracy"

Die verschiedenen Erscheinungsformen krimineller Kollektive stellen das Strafrecht vor große Herausforderungen. Antworten darauf können in den traditionellen Modellen der Teilnahme an einer Vereinigung und "Conspiracy" gefunden werden. Das Forschungsvorhaben zeigt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden Modelle und erklärt, wie diese in internationalen Rechtsfiguren kombiniert und ihre Elemente in die Gesetzgebung von Schwellenländern transferiert worden sind.
Projektkategorie: Dissertation
Organisatorischer Status: Einzelprojekt
Projektlaufzeit: Projektbeginn: 2006
Projektende: 2009
Projektstatus: abgeschlossen
Projektsprache(n): Englisch
Rechtsordnung(en): 5 europäische Rechtsordnungen; Europäisches und UN-Strafrecht

Leitung

Das Strafrecht wurde ursprünglich entwickelt, um auf Straftaten von Individuen zu reagieren. Die Besonderheit heutiger Straftaten liegt jedoch gerade darin, dass Taten immer häufiger auch in einem Kollektiv ausgeführt werden. Die variierenden organisatorischen Strukturen dieser Kollektive sowie deren mannigfaltige Strategien, sich abzuschotten und dennoch effizient zu arbeiten, stellen das traditionelle Strafrecht vor neue, große Herausforderungen.

Die Herausforderungen liegen insbesondere darin, dass es sich bei denjenigen, die ein (gruppenspezifisches) Verbrechen unmittelbar begehen, nicht zwangsläufig um die eigentlich verantwortlichen Personen handeln muss. Dies bedeutet, dass die strafrechtliche Erfassung von verbrecherisch ausgerichteten Personenzusammenschlüssen vor allem den Begriff der Arbeitsteiligkeit enthalten muss: Einzelne Personen unterstützen die Arbeit der Gruppe etwa nur logistisch, andere steuern nur ihr besonderes Fachwissen bei oder werden auf sonstige spezifische Weise für die kriminelle Vereinigung oder eine kriminelle Verabredung/ Verschwörung (Conspiracy) tätig. Zudem wird gemeinhin angenommen, dass ein kollektiv begangenes (geplantes) Verbrechen gefährlicher ist als das Handeln von Einzeltätern. Diese Einschätzung ist durchaus zu hinterfragen; sie hat jedenfalls dazu geführt, dass die traditionellen Vorfelddelikte mittlerweile als unzureichend gelten, um diese erhöhte Gefährlichkeit zu erfassen.

Wegen ihrer signifikanten konzeptionellen  Unterschiede werden die Beteiligungsregeln und Organisationsdelikte sowohl auf europäischer (EU) als auch auf internationaler Ebene (UN) kombiniert. Auf diese Weise entstehen internationale Modelle der Teilnahme an einer kriminellen Vereinigung und der Verabredung/Verschwörung. Rechtspolitisches Ziel dieser Entwicklung ist die Implementation der internationalen Modelle in  Rechtsordnungen von Übergangsstaaten, die solche Instrumente selbst nicht herausgebildet haben (Bosnien und Herzegowina, Serbien und Kroatien). Hierdurch wird bezweckt, den Kampf gegen kriminelle Vereinigungen sowohl auf der nationalen als auch auf der internationalen Ebene zu erleichtern.

Die Untersuchung von zwei traditionellen, zwei internationalen und drei  transnationalen Modellen der Beteiligung an einer kriminellen Organisation und Verschwörung (conspiracy) verfolgt drei Forschungsziele. Erstens sollen die konstitutiven Elemente jedes Modells  herausgearbeitet werden. Zweitens soll die Übertragung dieser konstitutiven Elemente von den traditionellen auf die internationalen Modelle und von den internationalen auf die transnationalen  Modelle bewertet werden. Drittens strebt das Projekt einen Vergleich zweier traditioneller Mitwirkungsmodelle an, bei dem anhand der konstitutiven Elemente die Gemeinsamkeiten und Unterschiede erklärt werden sollen.

Die wesentliche Untersuchungsmethode, mit der die strafrechtliche Gesetzgebung von Deutschland, England, Wales, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien sowie der EU und der UN analysiert werden, ist die normative Analyse. Um ein besseres Verständnis sowohl der Entwicklung der verschiedenen Modelle als auch der Auswirkung des  Transfers von Elementen zwischen den Modellen zu erlangen, wird eine historisch orientierte Methode angewandt. Mit Hilfe der Rechtsvergleichung sollen Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den rechtlichen Lösungen der traditionellen, internationalen und transnationalen Modelle gefunden werden. Am Ende der Arbeit werden die Ergebnisse dieses abstrakten Vergleichs überprüft. Hierfür soll ein hypothetischer Fall entwickelt werden, an dem die rechtlichen Untersuchungen unter dem Blickwinkel der konstitutiven Elemente der einzelnen Modelle durchgeführt werden.

Publikationen (Auswahl)

  • Geändert am: 14.12.2017
  • Top