Betrug bei Online-Auktionen

Neue Deliktsformen und klassisches Strafrecht

Der Wandel von herkömmlichen Auktionen zu Online Auktionen zeigt prototypisch die Veränderungen von klassischen Deliktsformen unter den Bedingungen der globalen Vernetzung. Das Dissertationsprojekt analysiert die neu entstandene Kriminalität und die insb. in der Anonymität des Internet liegenden Gründe von Risikoveränderungen und Risikosteigerungen. Die Arbeit macht weiter deutlich, dass die neuen Deliktsformen im Wesentlichen vom klassischen Betrugsstrafrecht erfasst werden.
Projektkategorie: Dissertation
Organisatorischer Status: Einzelprojekt
Projektlaufzeit: Projektbeginn: 2003
Projektende: 2007
Projektstatus: abgeschlossen
Projektsprache(n): Deutsch
Rechtsordnung(en): Deutschland

Leitung

  • Dr. Andreas Dingler

Das Internet führt nicht nur zu völlig neuen Kriminalitätsformen und Schutzbedürfnissen wie Hacking oder anderen Angriffen gegen die Integrität von Computersystemen. Es verändert auch klassische Deliktsformen und deren Risiken. Dies zeigt sich anschaulich im Bereich der Online-Auktionen. Bei eBay Deutschland waren bereits im Jahre 2003 über elf Millionen Nutzer registriert. Nach einer Marktforschungsstudie generierten deutsche Verbraucher im Jahr 2004 beim Online-Einkauf einen Umsatz von ca. elf Mio. Euro, von dem etwa ein Viertel auf Online-Auktionen entfiel. Mit dieser Entwicklung gingen neue Formen des Betrugs einher.

Das Dissertationsprojekt untersucht, zu welchen neuen Deliktsformen und Risiken Online-Auktionen geführt haben und inwieweit diese Deliktsformen vom geltenden deutschen Strafrecht erfasst werden. Bei der Untersuchung der empirischen Grundlagen identifiziert die Arbeit neben den relevanten Umfelddaten zunächst die spezifischen kriminogenen Faktoren bei Online-Auktionen: Die Täter können im Internet anonym und weltweit agieren, Online-Auktionen sind Teil eines neuen und durch die Vorleistung des Käufers geprägten Wachstumsmarkts, der Kreis der möglichen Opfer im Internet ist groß, die Opfer zeichnen sich häufig durch Gewinnsucht und Unerfahrenheit aus und fallen leicht dem spielerischen Charakter von Online-Auktionen zum Opfer. Die Täter setzen darüber hinaus Strategien zur Identitätsverschleierung ein und nutzen gezielt den Zeitfaktor. Bei der Strafverfolgung stellen sich dadurch neue Herausforderungen sowohl auf der nationalen als auch auf der internationalen Ebene.

Bei den Deliktsformen lassen sich Handlungen auf der Verkäufer- und der Käuferseite unterscheiden. Beim modus operandi dominieren der Bilder- und der Verpackungskauf (bei dem der Käufer nicht bemerkt, dass er nur einen Vetrag über das Verpackungsmaterial abschließt), die Täuschung über die Identität des Vertragspartners (insb. durch "ID-Theft" und Account-Take-Over), Bewertungsmanipulationen, die künstliche Beeinflussung der Preisentwicklung, die Nichtlieferung der Ware, der Gebührenbetrug ("fee-stacking"), die Täuschung über die Zahlungsbereitschaft, das "Bid-Shielding" durch die Käufer (mit dem Abschirmen des günstigsten Gebots durch Selbstüberbieten und dem anschließenden Zurückziehen des Höchstangebots) sowie der "Dreieckskaufbetrug". Die Bandbreite der modi operandi umfasst den Einsatz von hohem technischem Aufwand und know-how ebenso wie simpelste Täuschungsmanöver, die nicht wegen ihrer Rafinesse Erfolg haben, sondern allein wegen der Vielzahl ihrer Adressaten im Internet, unter denen sich auch besonders unerfahrene und leichtsinnige Opfer befinden.  Der Wandel von herkömmlichen Auktionen zu Online Auktionen zeigt damit prototypisch die Veränderungen von klassischen Deliktsformen unter den Bedingungen der globalen Vernetzung.

Die Erfassung der verschiedenen Fälle durch das geltende Strafrecht und insbesondere den Betrugstatbestand ist teilweise schwierig. In vielen Fällen ist der Vorwurf des Betrugs nicht gerechtfertigt. Im Ergebnis bestehen jedoch keine internetspezifischen Stafbarkeitslücken, die durch Reformgesetze geschlossen werden müssten. Maßnahmen der Auktionshäuser zur Betrugsprävention haben sich bewährt. Die wirksamsten Präventionsmaßnahmen liegen jedoch in der Hand der Opfer.

Bei dem Projekt handelt es sich um eine Dissertation, die an der Ludwig-Maximilians-Universität München 2003 begonnen und die von Prof. Sieber nach dessen Wechsel an das Freiburger MPI dort weiterbetreut wurde. Die Arbeit wurde 2007 abgeschlossen. Vgl. dazu Andreas Dingler, Betrug bei Online-Auktionen, 2008.

Publikationen (Auswahl)

  • Dingler, Andreas: Betrug bei Online-Auktionen. Aachen, Shaker, 2008. Zusätzl.: Diss.
  • Geändert am: 14.12.2017
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