Retaliation-Mediation-Punishment (Vergeltung-Mediation-Bestrafung)

Methoden der Prävention und der Lösung von gewalttätigen Sozialkonflikten in Lateinamerika

Untersucht werden die Grenzen des Strafrechts, hinsichtlich seiner identitätsstiftenden Funktion und seiner Steuerungsfähigkeit von Gesellschaft. Feststellungen zur Funktion von Strafe im Allgemeinen sind bereits bei Emile Durkheim zu finden. Mit Blick auf die Rolle staatlichen Strafrechts fehlte es jedoch an Untersuchungen. Vor allem auch angesichts einer zusammenrückenden Welt, in der unterschiedliche Kulturen in einem staatlichen Raum zusammentreffen, ist diese Forschungslücke zu schließen.
Projektkategorie: Forschungsprojekt
Organisatorischer Status: Institutsprojekt
Projektlaufzeit: Projektbeginn: 2006
Projektende: 2013
Projektstatus: abgeschlossen
Projektsprache(n): Spanisch
Rechtsordnung(en): 10 lateinamerikanische Rechtsordnungen

Leitung

  • Jan-Michael Simon [Email]
  • Dr. Pablo Galain Palermo (bis/until 03/2013)

Mitarbeit

  • Verschiedene Bearbeiterinnen und Bearbeiter

Vergeltung, Mediation und Strafe (span. Retaliación, Mediación, Punición = REMEP) sind drei grundlegende Arten staatlicher und sozialer Intervention, um auf gesellschaftlich missbilligtes Verhalten zu reagieren. Forschungsgegenstand des Projekts REMEP-Lateinamerika ist der Einsatz dieser drei Interventionsarten in Lateinamerika am Beispiel von Konflikten, die auf der rechtlichen bzw. sozialen Ausgrenzung wegen einer Gruppenzugehörigkeit beruhen. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen dabei drei Konflikttypen: (1) Konflikte, die durch die ethnische Herkunft geprägt sind; (2) Konflikte, die einen Migrationshintergrund haben; (3) Konflikte, die auf der Zugehörigkeit einer als krimineller Gegenentwurf zur staatlichen bzw. sozialen Ordnung definierten Unternehmung beruhen (Jugendbanden, Aufständische, "Staatskriminalität").

Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Rolle von REMEP bei der Entstehung bzw. der Intervention gesellschaftlicher Konflikte in Lateinamerika zu erklären, die auf der Herstellung eigener Identität durch Ausgrenzung anderer beruhen. Forschungsleitend dafür sind die folgenden vier Hypothesen: (1) Der Einsatz von REMEP beruht im Wesentlichen auf den Machtverhältnissen; (2) unter horizontalen Machtverhältnissen überwiegen Vergeltung und Mediation; (3) unter vertikalen Machtverhältnissen überwiegt Bestrafung; (4) Die dritte Hypothese trifft auch dann zu, wenn es um die Reaktion auf einen Konflikt geht, der unter horizontalen Machtverhältnissen entstanden ist.

Methodisch wird in drei Schritten vorgegangen. In einem ersten Schritt wird der Konflikt anhand seiner Entstehungsbedingungen, seiner spezifischen identitätsstiftenden Merkmale und Machtkonstellationen erklärt. Insbesondere ist herauszustellen, wieweit der Konflikt wertbezogen ist bzw. auf ein Problem der Ressourcenverteilung zurückzuführen ist. In einem zweiten Schritt ist zu erklären, wie REMEP zur Konfliktintervention von den Akteuren eingesetzt wird und welche der Interventionsarten dabei überwiegt. In einem dritten und letzten Schritt ist abschließend das gewählte Interventionsmodell zu Herstellung und Aufrechterhaltung von Identität zu bewerten. Dieses Forschungskonzept wird anhand von Fallstudien aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, El Salvador, Kolumbien, Mexiko, Peru und Uruguay von einer interdisziplinären Forschungsgruppe bestehend aus lateinamerikanischen Strafrechtlern, Kriminologen, Verfassungsrechtlern, Soziologen, Rechtshistorikern und Anthropologen umgesetzt. Die Projektsprache ist Spanisch.

Unter strafrechtlichen Gesichtspunkten leistet das Forschungsprojekt einen Beitrag zum Verständnis, unter welchen Bedingungen die staatliche Intervention auch und vor allem mit den Mitteln des Strafrechts gesellschaftliche Identität bestätigt (G. Jakobs) und wo die Grenzen dieser Funktion liegen. Unter kriminologischen Gesichtspunkten wird die relative Rolle von staatlicher Strafe bei der Herstellung sozialer Ordnung durch den Schwerpunkt auf Konflikte gegenüber anderen verdeutlicht. Unter beiden Gesichtspunkten wird durch die Konzentration auf den lateinamerikanischen Raum die Grundlage dafür gelegt, in komparativen Studien die Reichweite der Erklärungen zu untersuchen.

  • Geändert am: 14.12.2017
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