Strafrechtlicher Strukturvergleich

In dem Projekt werden verschiedene Rechtsordnungen des materiellen Strafrechts im Hinblick auf Übereinstimmungen und Abweichungen, unter der besonderen Berücksichtigung des spezifischen Zusammenspiels von normativer Regelung und praktischer Anwendung, erforscht. Zunächst wurden zu dem Thema des Haustyrannenmordes Fallgruppen gebildet, die daraufhin zu untersuchen waren, nach welchen Kategorien sie erfasst werden und wie sie in der Praxis das Strafverfolgungssystem durchlaufen.

Projektkategorie: Forschungsprojekt
Organisatorischer Status: Institutsprojekt
Projektlaufzeit: Projektbeginn: 1995
Projektende: 2015
Projektstatus: abgeschlossen
Projektsprache(n): Deutsch
Rechtsordnung(en): 8 europäische Rechtsordnungen

Leitung

Mitarbeit

  • Holger Barth
  • Dr. Dr. h.c. mult. Karin Cornils
  • Dr. Helmut Gropengießer
  • Susanne Hein
  • Dr. Barbara Huber
  • Dr. Peter Hünerfeld
  • Dr. Konstanze Jarvers [Email]
  • Prof. Dr. Ursula Medigovic (Universität Wien)
  • Prof. Dr. Hans Vest (Universitäten Basel & St. Gallen)

Innerhalb der strafrechtlichen Grundlagenforschung ist die Strafrechtsvergleichung sowohl eine wichtige Forschungsmethode als auch ein zentraler Forschungsgegenstand. Dabei erschließt sie neues Wissen über das ausländische Recht sowie Ähnlichkeiten und Abweichungen verschiedener Rechtsordnungen. Neben der Grundlagenforschung ist die Strafrechtsvergleichung anwendungsorientierte Forschung, die de lege lata entweder der Ausfüllung des geltenden Rechts dient oder der Bestimmung seiner Anwendungsvoraussetzungen. In ihrer anwendungsorientierten Funktion unterstützt sie de lege ferenda die Gewinnung von neuen rechtspolitischen Lösungen und deren Bewertung mit Hilfe von ausländischen oder internationalen Erfahrungen.

Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des Projekts "Strafrechtlicher Strukturvergleich" Regelmäßigkeiten (Übereinstimmungen wie auch Abweichungen) herauszufinden, nach denen die zu untersuchenden Rechtsordnungen im Bereich des materiellen Strafrechts organisiert sind.

Die Untersuchungsmethode trägt sowohl der rechtstatsächlichen als auch der normativ-dogmatischen Seite Rechnung. Zu einem konkreten Thema wurde jeweils ein Satz von praktischen Fällen zunächst vorrangig aus dem Bereich der Tötungen des tyrannischen Ehegatten durch die Ehefrau gebildet, für die in jedem Land untersucht wurde, mit welchen materiell-rechtlichen Kategorien die Fälle erfasst und wie sie in der Praxis durch das Strafverfolgungssystem transportiert werden. Das geschieht unter Zugrundelegen der Hypothese, dass die Differenzierungen des materiellen Rechts nicht ausschließlich aus sich bzw. aus normativ-dogmatischen Erwägungen heraus verstanden werden können, sondern maßgeblich auch von den praktischen Konsequenzen der Rechtsanwendung bestimmt werden. Um diese rechtstatsächliche Seite zu erfassen, wurden für jedes Land Juristen aus verschiedenen Berufsgruppen (Richter, Staatsanwälte, Verteidiger, Hochschullehrer) zu der materiellrechtlichen Lösung, prozessualen Behandlung und konkreten Sanktionierung der einzelnen Fälle befragt.

Publikationen (Auswahl)

  • Eser, A. / Perron, W. (Hrsg.): Strukturvergleich strafrechtlicher Verantwortlichkeit und Sanktionierung in Europa. Zugleich ein Beitrag zur Theorie der Strafrechtsvergleichung. Strafrechtliche Forschungsberichte, Berlin 2015, Duncker & Humblot, 1147 S.

  • Gropengießer, H.: Der Haustyrannenmord. Eine Untersuchung zur rechtlichen Behandlung von Tötungskriminalität in normativer und tatsächlicher Hinsicht. Strafrechtliche Forschungsberichte, Berlin 2008, Duncker & Humblot, 214 S.

    • ESER, A. (2002): Von der Konkurrenz zur Kongruenz nationaler Strafrechtsordnungen: Wege zur Rechtsangleichung in Europa. Poinikos Logos 5, 2158-2170.
    • ESER, A. (1995): Eröffnungsansprache. In: Rechtfertigung und Entschuldigung IV. Hrsg. A. Eser & H. Nishihara. edition iuscrim, Freiburg i. Br., 3-7.
    • ESER, A. (1987): Einführung aus deutscher Sicht, sowie Justification and Excuse: A Key Issue in the Concept of Crime. In: Rechtfertigung und Entschuldigung. Rechtsvergleichende Perspektiven - Justification and Excuse. Comparative Perspectives. Eds. A. Eser & G. P. Fletcher. edition iuscrim, Freiburg i. Br., 1-8 resp. 17-65.
    • PERRON, W. (2001): Strukturen der strafrechtlichen Verantwortlichmachung und Tatbewertung im europäischen Vergleich. Waseda Proceedings of Comparative Law, Vol. 4, 233-247.
    • PERRON, W. (1998): Hat die deutsche Straftatsystematik eine europäische Zukunft? In: Festschrift für Theodor Lenckner. Hrsg. A. Eser, U. Schittenhelm & H. Schumann. München, 227-247.
    • PERRON, W. (1997): Sind die nationalen Grenzen des Strafrechts überwindbar? Überlegungen zu den strukturellen Voraussetzungen der Angleichung und Vereinheitlichung unterschiedlicher Strafrechtssysteme. Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft 109, 281-301.
      Japanische Übersetzung in: The Journal of the Faculty of Law, Universität Aichi, Japan, Nr. 145, 1-25 (1997).
    • PERRON, W. (1997): Strafrechtsvereinheitlichung in Europa. In: Europa als Rechtsgemeinschaft. Hrsg. D. Dörr & M. Dreher. Baden-Baden, 135-154.
    • PERRON, W. (1996): Überlegungen zum Erkenntnisziel und Untersuchungsgegenstand des Forschungsprojektes “Allgemeiner Strafrechtlicher Strukturvergleich”. In: Grenzüberschreitungen. Beiträge zum 60. Geburtstag von Albin Eser. Hrsg. J. Arnold, B. Burkhardt, W. Gropp & H.-G. Koch. edition iuscrim, Freiburg i. Br., 127-136.
    • PERRON, W. (1988): Rechtfertigung und Entschuldigung im deutschen und spanischen Recht. Ein Strukturvergleich strafrechtlicher Zurechnungssysteme, Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden, 251 S.
      Veröffentlichung in japanischer Sprache (Übersetzung: Norio Takahashi) im Seibundo-Verlag, Tokyo 1992.
  • Geändert am: 14.12.2017
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