Lehre und Wissenstransfer

C. Sommerkurse in Pécs, Ungarn

Seit dem Jahr 2006 führt das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht regelmäßig einmal im Jahr einen Sommerkurs in Zusammenarbeit mit der Universität Pécs in Ungarn durch. Die Kurse werden in Ungarn abgehalten und finden in deutscher Sprache statt. Sie richten sich an Studierende, Staatsanwälte, Richter und andere Interessierte, die sich über aktuelle Forschungsfragen des Instituts informieren möchten. Die Organisation wird abwechselnd von der kriminologischen und der strafrechtlichen Abteilung übernommen; als Vortragende kommen etablierte Forscher und wissenschaftlicher Nachwuchs gleichermaßen zum Einsatz.

Die erste Sommerschule, die 2006 unter Leitung der kriminologischen Abteilung durchgeführt wurde, stand unter dem Thema „Neuere Entwicklungen in der kriminologischen Theorie und kriminologischen Forschung“. Es wurden sowohl theoretische als auch empirische Fragestellungen, mit denen sich die kriminologische Abteilung gegenwärtig befasst, präsentiert und diskutiert. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Ergebnissen der Institutsprojekte, wie z.B. der Freiburger Kohortenstudie. Jeder Tag stand unter einer anderen Thematik, die zunächst jeweils im Rahmen von Präsentationen vorgestellt und anschließend in Arbeitsgruppen intensiv bearbeitet wurde. Am Ende jeden Tages wurden die Ergebnisse in einer Diskussionsrunde im Plenum abschließend bewertet.

Die nächste Sommerschule im Jahr 2007 wurde von der strafrechtlichen Abteilung organisiert. Sie stand unter dem Motto „Aktuelle Kriminalitätsentwicklung, Internationales Strafrecht und Strafrechtsvergleichung – Forschungsfragen an den Grenzen des Strafrechts“. Im Mittelpunkt standen die durch das Forschungsprogramm der
strafrechtlichen Abteilung aufgeworfenen neuen Herausforderungen des Strafrechts, insbesondere transnationale und komplexe Kriminalität, wie z.B. Internet-Kriminalität, organisierte Kriminalität und Terrorismus. Die einschlägigen rechtlichen Fragen wurden rechtsvergleichend behandelt und mit Einführungen in ausländische Rechtsordnungen
verbunden. Die zunehmende Internationalisierung des Strafrechts wurde zudem auch am Europäischen und am internationalen Strafrecht deutlich gemacht.

Die Veranstaltungen werden sehr gut angenommen und fördern eine langjährige europäische Zusammenarbeit zwischen Strafrechtlern und Kriminologen verschiedener Nationen. Dies zeigt sich nicht zuletzt an der Tatsache, dass die Veranstaltung im Jahr 2008, die wieder von der kriminologischen Abteilung durchgeführt wurde und unter dem Motto „Technik, Überwachung, Strafverfahren“ stand, von Teilnehmern aus insgesamt 10 Nationen besucht wurde.

Der strafrechtliche Sommerkurs im Juni 2009 behandelte „Die aktuellen Entwicklungen und die strafrechtliche Erfassung komplexer Kriminalität“. Die Veranstaltung begann mit einem Überblick der gegenwärtigen Strafrechtsentwicklung unter besonderer Berücksichtigung der Rechtslage in Mittel- und Osteuropa. Anschließend wurden zentrale Fragestellungen der Wirtschaftskriminalität, des Terrorismus und der organisierten Kriminalität behandelt. Am letzten Tag standen die europäische und die internationale Dimension komplexer Kriminalität auf dem Programm.
Die Themenstellungen wurden jeweils in einem Vertiefungsvortrag und erstmals auch in Panels von Kurzvorträgen behandelt. Darin präsentierten Teilnehmer aus 13 Ländern rechtsvergleichende Analysen von insgesamt 16 Rechtssystemen, was den zunehmend internationalen Charakter der Veranstaltung unterstreicht.

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