Forschungskooperationen

I. Internationale Kooperationen

Das Institut pflegt weltweit enge Verbindungen zu ausländischen Forschungseinrichtungen und Wissenschaftlern sowie Akteuren und Institutionen aus Politik und Praxis. Der Schwerpunkt der internationalen Kooperationen beruht dabei auf fünf forschungsstrategischen Zielen:

  1. Systematische Erweiterung und Konzentration von Informationen zu den Schwerpunkten beider Forschungsprogramme durch Kooperationsprojekte weltweit.
  2. Aufbau und nachhaltige Pflege eines internationalen Netzwerks exzellenter Forschungseinrichtungen und Forscher.
  3. Förderung des kritischen Diskurses zu den Schwerpunkten der Forschungsprogramme durch internationalen Austausch mit Wissenschaft, Politik und Praxis.
  4. Förderung der Synergien zwischen Grundlagenforschung und der Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern aus der ganzen Welt.
  5. Unterstützung von Entwicklungsländern und Übergangsgesellschaften beim Aufbau eines modernen, rechtsstaatlichen Strafrechts und Justizsystems.

Geographisch decken die Kooperationen alle wichtigen Regionen ab. Ein europäischer Schwerpunkt ergibt sich dabei sowohl aus der gewachsenen Zuständigkeit der Europäischen Union in den Bereichen Kriminalitätsprävention und Strafrechtsharmonisierung als auch aus der zunehmenden Bedeutung der europäischen Forschungsförderung. Weitere Schwerpunktbildungen betreffen den Nahen und Mittleren Osten, die Volksrepublik China sowie Lateinamerika.

Gegenwärtig lässt sich die internationale Zusammenarbeit wie folgt darstellen:

Das Institut arbeitet zur Zeit an einer umfassenden und thematisch breit angelegten rechtsvergleichenden Untersuchung über die allgemeinen Grundsätze und Fragen des Strafrechts, wobei das Pilotprojekt zu zwölf Rechtsordnungen ab 2008 auf weitere Staaten ausgedehnt werden soll. Eine spezielle Projektgruppe untersuchte normative Fragen der „Participation in Crime: Criminal Liability of Leaders of Criminal Groups and Networks“ mit einem internationalen Netzwerk von ca. 40 Partnern, wobei auch das Internationale Straftribunal für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) beteiligt war. Ein in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission durchgeführte Projekt über die Grundlagen und die Reform des europäischen Strafrechts, mit dem die Strukturmodelle zur Strafverfolgung transnationaler Kriminalität in der EU analysiert werden, beruht auf der Rechtsvergleichung von 19 Rechtsordnungen und bezieht auch die USA ein.

Im rechtsvergleichenden Projekt „Les chemins de l’harmonisation pénale“ (Universität Basel, Collège de France, Universidad de Castilla-La Mancha) werden die Akteure, Wirkkräfte und Modelle der internationalen Strafrechtsharmonisierung in Zusammenarbeit von Forschern aus verschiedenen europäischen Staaten untersucht.

Mit dem Drug Policy Research Center/RAND wird eine Wirkungsstudie zu „Effekten der Cannabis Depönalisierung in westlichen Industriestaaten“ umgesetzt. In Zusammenarbeit mit der Universität Mailand und der EU-Bebachtungsstelle für Drogen werden die Strukturen der Drogenmärkte in Frankfurt und Mailand analysiert. Aus dem bis 2009 laufenden Laboratoire Européen Associé (LEA, MPI, CESDIP Paris, Universität Lille) wird eine Studie zu „Diskriminierung und Polizei“ in Großstädten Deutschlands und Frankreichs (Paris, Berlin) durchgeführt. Zusammen mit französischen Forschungsinstituten wird eine Untersuchung zur Rolle der Polizei in ethnisierten Konflikten vorbereitet.

Auf der Zusammenarbeit mit der Berliner Humboldt-Universität und einem Netzwerk von Forschungseinrichtungen aus verschiedenen Weltregionen beruht eine Forschungsinitiative zu „Retaliation, Mediation and Punishment“. Die Initiative untersucht die Funktion von Vergeltung, Mediation und staatlicher Strafe in der Herstellung von sozialer Ordnung unter verschiedenen kulturellen und ökonomischen Bedingungen. Eine im Jahr 2007 begonnene und durch die Europäische Union geförderte vergleichende Untersuchung zum erweiterten Suizid schließt Forschungseinrichtungen aus mehreren europäischen Ländern ein.

In einer Anfang 2006 begonnenen und unter Beteiligung des Great Britain China Center (London) und der Universität Essex durchgeführten Untersuchung zur Implementation der Anti-Folter-Konvention der Vereinten Nationen ist auf chinesischer Seite die Renmin University eingebunden. Unter Beteiligung des Great Britain China Center (London), der Beijing Normal University, der Wuhan University und der Oxford University (Centre of Criminology) wird seit 2006 ein Projekt zum Thema „Todesstrafe und öffentliche Meinung in China“ durchgeführt.

In einer Zusammenarbeit mit der Universität Tilburg begann eine empirische Untersuchung zur „Radikalisierung junger Menschen in Europa“. Aus der im Jahr 2006 zwischen dem Institut, dem Niederländischen Zentrum für Forschungen zu Kriminalität und Strafjustiz, der University of Cambridge sowie der Universität Tübingen vereinbarten dauerhaften wissenschaftlichen Kooperation (European Network of Research Institutes of Criminology – ENRIC) gingen im Jahr 2007 zwei Workshops hervor.

Internationale Partnerinstitutionen

Es bestehen Kooperationsabkommen mit den folgenden auswärtigen Einrichtungen, die den wissenschaftlichen Austausch durch gemeinsame Vorlesungen, Kolloquien und Forschungsaktivitäten sowie durch gegenseitige Gastaufenthalte zum Ziel haben.

  • Allameh Tabataba'i University, Faculty of Law and Political Sciences, Tehran / Iran [mehr]
  • Association Internationale de Droit Pénal (AIDP), Paris / Frankreich
  • Bahçeşehir University, Istanbul / Türkei
  • Berner Graduiertenschule für Strafrechtswissenschaft (BGS) an der School of Criminology, International Criminal Law and Psychology of Law (SCIP), Universität Bern / Schweiz
  • Le Centre International de Criminologie Comparée (CICC), Université de Montréal / Kanada
  • Chinese Academy of Social Sciences (CASS), Beijing
  • Chinese People's Public Security University, Beijing
  • College of Criminal Justice, Sam Houston State University, Huntsville, Texas / USA
  • El Colegio de México / Mexiko
  • Getulio Vargas Foundation Law School and Brazilian Center of Analysis and Planning, São Paulo / Brasilien
  • Grigol Robakidze University, Tbilissi / Georgien
  • Hainan University, Law Faculty, Haikou, Hainan
  • Hungarian Academy of Sciences, Centre for Social Sciences, Institute for Legal Studies, Budapest
  • Institute for Muslims Legal Discourse, Tehran / Iran
  • Instituto de Investigaciones Jurídicas de la UNAM, Ciudad de México / Mexiko
  • Institutul de cercetări juridice "Acad. Andrei Rădulescu", Rumänische Akademie der Wissenschaften, Bukarest
  • Islamic Azad University, Bandar-Anzali International Branch, Bandar-Anzali, Gilan / Iran
  • Junta Nacional de Drogas, Presidencia de la República Oriental del Uruguay, Montevideo [mehr]
  • Korean Institute of Criminal Justice Policy (former Korean Institute of Criminology), Seoul
  • National Academy of Legal Sciences of Ukraine, Southern Regional Center, Odessa
  • Polytechnic of Namibia, Windhoek
  • Pontificia Universidad Javeriana, Bogotá / Kolumbien
  • Renmin University of China, Law Faculty, Beijing
  • Sichuan University, College of Law, Chengdu
  • Sungkyunkwan University, Seoul / Korea
  • Tajik National University, Dushanbe / Tajikistan
  • UNESCO Chair & Center for Human Rights, Peace and Democracy, Shahid Beheshti University, Tehran / Iran
  • Universidad Externado de Colombia
  • Universidad Libre, Bogotá / Kolumbien
  • Universidad Rafael Landívar de Guatemala, Ciudad de Guatemala / Guatemala
  • Universidad Nacional Mayor de San Marcos, Lima / Peru
  • Università Cattolica del Sacro Cuore, Centro Studi "Federico Stella" sulla giustizia penale e la politica criminale, Mailand / Italien
  • Università degli Studi di Modena e Reggio Emilia, Modena / Italien
  • Universitat de València-Estudi General / Spanien
  • University of Belgrade, Law School, Belgrad / Serbien
  • University of Mongolia; National Legal Institute of Mongolia, Ulaanbaatar / Mongolei
  • West University of Timişoara / Rumänien
  • Wuhan University, International Law Institute, Wuhan / P.R. China
  • Yerevan State University, Faculty of Law, Eriwan / Armenien
  • Kooperation mit der Juristischen Fakultät der Universität Zagreb / Kroatien: Max-Planck-Partnergruppe für Balkan-Kriminologie

II. Nationale Kooperationen

Im Mittelpunkt nationaler Kooperationen steht die Zusammenarbeit mit Universitäten.

Prof. Dr. Hans-Jörg Albrecht und Prof. Dr. Ulrich Sieber haben an der Juristischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg den Status eines „qualifizierten Honorarprofessors“ mit vollen Mitwirkungsrechten in der Fakultät. Herr Albrecht ist ferner Mitglied der Philosophischen Fakultät. Herr Sieber ist auch Honorarprofessor und Mitglied der Juristischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Prof. Dr. Wolfgang Frisch und Prof. Dr. Walter Perron, beide Universität Freiburg, wurden 2005 zu Auswärtigen Wissenschaftlichen Mitgliedern des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht berufen. Dabei steht die Berufung von Herrn Perron auch in Zusammenhang mit der im Jahr 2000 getroffenen Kooperationsvereinbarung zwischen der Freiburger Universität und der Max-Planck-Gesellschaft. Diese sieht für den Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht und Strafrechtsvergleichung den Status eines Auswärtigen Wissenschaftlichen Mitglieds am MPI vor. Umgekehrt ist geregelt, dass der am Max-Planck-Institut für die strafrechtliche Abteilung zuständige Direktor zum qualifizierten Honorarprofessor an der Juristischen Fakultät der Universität Freiburg berufen wird.

Prof. Dr. Jörg Arnold ist Honorarprofessor an der Universität Münster und lehrt dort auch über die Themen seiner Forschung am Max-Planck-Institut.

Das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht ist in Zusammenarbeit mit der Juristischen Fakultät Freiburg, den Universitäten München, Frankfurt, Köln und Hamburg am Aufbau des Instituts für Deutsches Recht an der China Universität für Politische Wissenschaften und Recht in Peking beteiligt. Im Übrigen ist das Max-Planck-Institut in das Konsortium zum Aufbau eines „Instituts für Europäisches Recht“ in Peking eingebunden (Leitung: Universität Hamburg).

Das Institut führt ein interdisziplinäres und die Fachbereiche der Philosophie und der Anglistik an der Universität Freiburg einschließendes DFG-Verbundprojekt zu „Recht, Norm, Kriminalisierung“ durch und nimmt seit Ende 2007 an einem Verbund zur Sicherheitsforschung (Fraunhofer Institut Karlsruhe, Institut für Soziologie an der Universität Freiburg) teil. Zusammen mit der Universität Göttingen wird eine Rückfallstatistik auf der Grundlage des Bundeszentralregisters erstellt. Das Institut kooperiert außerdem mit der technischen Universität Dresden in einer Untersuchung über die technische Sperrung von illegalen Inhalten im Internet.

III. Informationen zu Kooperationsprojekten

Nachfolgend finden Sie Informationen zu einzelnen Kooperationsprojekten. Eine Gesamtübersicht aller aktuellen Forschungsprojekte des Instituts finden Sie auf einer eigenen Seite.

Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen

In dieser empirischen Studie wird die Legalbewährung, im Sinne einer erneuten strafrechtlichen Sanktionierung, in Abhängigkeit von Delikt, Sanktion und soziodemografischen Merkmalen wie Alter und Geschlecht, untersucht. Das Projekt mit der Laufzeit 2007 bis 2009 wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kriminalwissenschaften der Juristischen Fakultät der Universität Göttingen durchgeführt. Auftraggeber des Projekts ist das Bundesministerium der Justiz.

Verbundprojekt "Recht – Norm – Kriminalisierung"

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert im Zeitraum von 2004 bis 2007 das Verbundprojekt "Recht – Norm – Kriminalisierung", das sich aus den folgenden Einzelprojekten zusammensetzt:

  • Max-Planck-Institut: "Hasskriminalität: Normbildung und Identitätsvorstellungen bei Strafgefangenen"
  • Englisches Seminar: "Kriminalisierungsprozesse und Gefängniserfahrungen: Räume, Körper, Identitäten, Topoi, Metaphern"
  • Husserl-Archiv: "Rechts- und Moralnormen als Sinnstrukturen gesellschaftlichen Zusammenlebens in seinem Wandel"

Laboratoire Européen Associé (LEA)

Das Laboratoire Européen Associé (LEA) zur Kriminalität und Sicherheits- bzw. Präventionspolitik in Europa ist eine im Jahre 1998 von der Max-Planck-Gesellschaft (Deutschland) und dem Centre National de Recherche Scientifique (Frankreich) gegründete deutsch-französische Forschungseinrichtung. Die derzeitigen gemeinsamen Forschungsprojekte sind entlang dreier übergeordneter Themengebiete strukturiert:

  1. Polizei, Justiz, Immigration
  2. Drogenkonsum, Drogenhandel und Drogenökonomie unter den Bedingungen strafrechtlicher Prohibition
  3. Politik der Inneren Sicherheit

Forschungsvorhaben in Zusammenarbeit mit Universitäten in China

Die Projekte "Die Implementation der Antifolterkonvention der Vereinten Nationen in China" (Anfang 2006 bis 2009) und "Moving the Debate Forward – China’s Use of the Death Penalty" (März 2007 bis Anfang 2010) werden von der Europäischen Kommission gefördert. Von chinesischer Seite sind das Research Center of Procedural System and Judicial Reform, Renmin University (Beijing) bzw. die Beijing Normal University sowie die Wuhan University beteiligt.

Die Implementation der Antifolterkonvention der Vereinten Nationen in China
Projektpartner des Max-Planck-Instituts: Great Britain China Centre (London) – Human Rights Centre, University of Essex (UK) – Research Center of Procedural System and Judicial Reform, Renmin University (Beijing)

Moving the Debate Forward – China’s Use of the Death Penalty
Projektpartner des Max-Planck-Instituts: Great Britain China Centre (London) – Beijing Normal University – Wuhan University – Centre for Criminology, University of Oxford – The Irish Centre for Human Rights (Galway) – Death Penalty Project (London)

Eine Broschüre über die wissenschaftliche Zusammenarbeit des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht mit Forschungseinrichtungen und Universitäten der Volksrepublik China können Sie hier herunterladen.

Modellgesetzbücher für Post-Konflikt-Gesellschaften

Ein weiteres Kooperationsprojekt mit der Laufzeit 2001 bis 2011 hat die Entwicklung von Modellgesetzbüchern für Post-Konflikt-Gesellschaften zum Gegenstand. Das Projekt wird gemeinsam mit dem United States Institute of Peace (Washington), dem Irish Centre for Human Rights (Galway) und unter Mitarbeit des United Nations High Commissioner for Human Rights und dem United Nations Office on Drugs and Crime durchgeführt.

Forschungskooperation mit dem Iran: "Deutsch-Iranischer Dialog zu Kriminalität, Strafjustiz und Kriminologie"

Im Jahre 2004 wurde mit der Universität Teheran (Qom Pardis) ein Kooperationsabkommen abgeschlossen, das den Austausch mit Wissenschaftlern aus Teheran, Qom, Isfahan und Freiburg i. Br. und die Zusammenarbeit mit staatlichen und nichtstaatlichen iranischen Institutionen, wie z. B. der Iranian Sociology Association (ISA) fördern soll. An der Universität Qom findet in diesem Zusammenhang jedes Jahr die sog. "Frühjahrsakademie" statt. Am Max-Planck-Institut erfolgen die Betreuung des Projekts über "Strafzumessung und Sanktionssystem im Iran und Deutschland im Vergleich" von Dr. Hassan Rezaei und des Promotionsvorhabens "Eine Untersuchung zur iranischen Strafrechtspolitik seit der Revolution von 1979 - die Straf- bzw. Sanktionensysteme im Iran und Deutschland im Vergleich" von Ghassem Ghassemi.
  • Geändert am: 06.12.2016
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