Das interdisziplinäre Verbundprojekt untersucht rechtsvergleichend, welches Maß an (straf-)rechtlichem Schutz Rechtsordnungen mit unterschiedlichem soziokulturellem Hintergrund den In-vitro-Embryonen gewähren bzw. welche (kontrollierten?) Freiräume sie der fortpflanzungsmedizinischen Praxis und der embryobasierten Forschung einräumen. Es werden Möglichkeiten und Grenzen internationaler Konsensfindung aufgezeigt und Ansätze zum legislativen Umgang mit verbleibenden Divergenzen entwickelt.

Wel­ches Maß bzw. wel­che Art recht­li­chen Schut­zes ex­tra­kor­po­ra­len Em­bryo­nen zu­kom­men soll­te, ge­hört zu den ge­gen­wär­tig rechts­po­li­tisch um­strit­tens­ten Fra­gen des Me­di­zin­rechts. Wäh­rend et­wa Stamm­zell­for­scher mit Hin­weis auf er­hoff­te Zu­kunfts­per­spek­ti­ven bei der Be­hand­lung bis­lang in­ku­ra­bler Krank­hei­ten Em­bryo­nen für ih­re Ak­ti­vi­tä­ten nut­zen oder Me­di­zi­ner wie Wunsch­el­tern in be­stimm­ten Fäl­len Präim­plan­ta­ti­ons­dia­gno­s­tik am frü­hen Em­bryo be­trei­ben wol­len, ver­wei­sen an­de­re auf Le­bens­recht und Men­schen­wür­de und hal­ten der­ar­ti­ge Maß­nah­men des­halb für nicht le­gi­ti­mier­bar. Zur Dis­kus­si­on steht je­doch auch der Em­bryo­be­griff selbst und da­mit die ge­gen­ständ­li­che Reich­wei­te des Schut­zes.

Im Rah­men des in­ter­dis­zi­pli­när (un­ter Be­tei­li­gung von Ver­tre­tern aus Ethik, Me­di­zin, Bio­lo­gie, Psy­cho­lo­gie, So­zio­lo­gie, Phi­lo­so­phie und Rechts­wis­sen­schaf­ten) an­ge­leg­ten Ge­samt­pro­jekts zum Sta­tus des ex­tra­kor­po­ra­len Em­bryos wid­me­te sich das rechts­ver­glei­chen­de Teil­pro­jekt mit be­son­de­rem Fo­kus auf den Stel­len­wert des Straf­rechts den in­ter­na­tio­nal be­mer­kens­wert un­ter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven in Be­zug auf Schutz­wür­dig­keit, Schutz­um­fang und Schutz­mo­dus. Durch Be­rück­sich­ti­gung der mit For­schungs- bzw. Fort­pflan­zungs­me­di­zin­tou­ris­mus ver­bun­de­nen Fra­gen wa­ren ne­ben den funk­tio­na­len auch die ter­ri­to­ria­len Gren­zen des Straf­rechts For­schungs­ge­gen­stand.

Mit dem Pro­jekt soll­te zum einen durch einen Blick über Län­der­gren­zen hin­weg ei­ne neue in­ter­na­tio­na­le Per­spek­ti­ve auf den Sta­tus des ex­tra­kor­po­ra­len Em­bryos ge­ne­riert wer­den. Die Ko­ope­ra­ti­on von rechts­ver­glei­chend in­ter­es­sier­ten For­schern aus 16 Län­dern bzw. Rechts­kul­tu­ren, die mit Be­dacht auf ih­re Va­ri­anz hin aus­ge­wählt wur­den (Bel­gi­en, Chi­na, Dä­ne­mark, Deutsch­land, Frank­reich, Grie­chen­land, Groß­bri­tan­ni­en, Is­rael, Ita­li­en, Ja­pan, Ös­ter­reich, Po­len, Schweiz, Spa­ni­en, USA so­wie Is­lam), diente dem Ziel, wech­sel­sei­tig für die je­wei­li­ge na­tio­na­le Dis­kus­si­on Er­kennt­nis­se und An­re­gun­gen zum Schutz frü­hen mensch­li­chen Le­bens zu ver­mit­teln. Mit­tels Her­aus­ar­bei­tung der Hin­ter­grün­de von Ge­mein­sam­kei­ten und Un­ter­schie­den soll­te das je­wei­li­ge Ver­ständ­nis di­ver­gie­ren­der Stand­punk­te ver­tieft und auf de­ren all­mäh­li­che An­nä­he­rung hin­ge­ar­bei­tet, aber auch ein Kon­zept für den na­tio­na­len wie zwi­schen­staat­li­chen Um­gang mit je­den­falls ak­tu­ell nicht auf­lös­ba­ren Dif­fe­ren­zen ent­wi­ckelt wer­den.

Ba­sie­rend auf ei­nem ein­heit­li­chen, mit de­tail­lier­ten Er­läu­te­run­gen ver­se­he­nen Glie­de­rungs­sche­ma wur­den zu­nächst für je­des Land bzw. je­den Kul­tur­kreis Ein­zel­be­rich­te er­ar­bei­tet. De­ren vor­läu­fi­ge Fas­sung diente der Vor­be­rei­tung ei­nes pro­jek­tin­ter­nen Kol­lo­qui­ums, an dem auch wei­te­re Ver­tre­ter der ver­schie­de­nen Pro­jekt­dis­zi­pli­nen mit­wirk­ten und das fol­gen­den the­ma­ti­schen Schwer­punk­ten ge­wid­met war: Re­geln über die Er­zeu­gung von In-vi­tro-Em­bryo­nen, Re­geln über de­ren Ver­wen­dung so­wohl im Rah­men wie auch au­ßer­halb me­di­zi­nisch un­ter­stütz­ter Fort­pflan­zung; Mög­lich­kei­ten und Gren­zen ge­mein­sa­mer Po­si­tio­nen/Um­gang mit Dis­sens so­wie In­ter­na­tio­na­le Re­ge­lungs­ebe­ne. Auf der Grund­la­ge der nach dem Kol­lo­qui­um über­ar­bei­te­ten Lan­des­be­rich­te wur­den rechts­ver­glei­chen­de und rechts­po­li­ti­sche Ana­ly­sen er­stellt. Auf re­gel­mä­ßig statt­fin­den­den Ta­gun­gen wur­de zu­dem wäh­rend der ge­sam­ten Lauf­zeit über den Gang des Pro­jekts be­rich­tet und dis­ku­tiert.

Als ein we­sent­li­ches Er­geb­nis lässt sich fest­hal­ten, dass al­le Rechts­ord­nun­gen dem ex­tra­kor­po­ra­len Em­bryo einen ge­wis­sen Schutz vor will­kür­li­cher un­kon­trol­lier­ter Be­hand­lung bie­ten. Um­fang, rechts­po­li­ti­sche In­ten­ti­on, rechts­tech­ni­sche Aus­ge­stal­tung und funk­tio­na­le Be­deu­tung des Straf­rechts va­ri­ie­ren frei­lich be­trächt­lich. Im Hin­blick auf die ter­ri­to­ria­len Gren­zen des Straf­rechts springt die Zu­rück­hal­tung selbst re­strik­ti­ver Län­der ge­gen­über der Pö­na­li­sie­rung von Aus­land­staten ins Au­ge. Die straf­rechts­ver­glei­chen­den Er­geb­nis­se des Pro­jekts wur­den 2007 in zwei Bän­den ver­öf­fent­licht (Eser/Koch/Seith, In­ter­na­tio­na­le Per­spek­ti­ven zu Sta­tuts und Schutz des ex­tra­kor­po­ra­len Em­bryos; Seith, Sta­tus und Schutz des ex­tra­kor­po­ra­len Em­bryos).

Lis­te der Lan­des­be­richt­er­stat­ter/-in­nen:

Dr. Bart Han­sen, MA und Prof. Dr. Her­man Nys (Bel­gi­en), Prof. Søren Holm (Dä­ne­mark), Prof. Ti­mo­thy S. Jost B.A., J.D. (USA), Prof. Dr. iur. Hi­ro­ka­zu Ka­wa­gu­chi für ei­ne Ein­füh­rung in die ja­pa­ni­schen Rechts­la­ge, Iri­ni Ki­ria­ka­ki, LL.M. (Grie­chen­land), Prof. Dr. iur. Dr. med. Chris­ti­an Ko­petz­ki (Ös­ter­reich), Dr. iur. So­phie Mon­nier und Prof. Dr. Be­trand Ma­thieu (Frank­reich, Lan­des­be­richt in fran­zö­si­scher Spra­che), Prof. Dr. Sal­va­to­re Pat­ti (Ita­li­en), Dr. iur. Shaun D. Pat­tin­son und Prof. Dr. De­ryck Bey­le­veld (Groß­bri­tan­ni­en), Prof. Dr. iur. Dr. med. Car­los M. Ro­meo-Ca­sa­bo­na (Spa­ni­en), Prof. Dr. iur. Rai­ner Schwei­zer (Schweiz), Prof. Dr. iur. Amos Sha­pi­ra (Is­rael), Prof. Dr. iur. Eleo­no­ra Zie­lińs­ka (Po­len) so­wie Dr. phil. Ole Dö­ring (Chi­na) und Dr. phil. Tho­mas Eich (Is­lam)