Die von Prof. Dr. Walter Perron (Universität Freiburg) betreute Arbeit soll einen Beitrag für die strafrechtliche Erfassung des Phänomens des Verschwindenlassens leisten, welche in zweierlei Hinsicht von aktueller Bedeutung ist: Zunächst stellt sich für viele Mitgliedsstaaten des Römischen Statuts, die auch auf nationaler Ebene den strafrechtlichen Schutz des Statuts garantieren wollen, die Frage nach der Schaffung und Anwendung eines solchen Straftatbestandes. In Deutschland etwa wurde der Tatbestand des Verschwindenlassens ins Völkerstrafgesetzbuch aufgenommen. Außerdem gewinnt das Problem Relevanz im Rahmen der Erarbeitung der UN-Konvention über den Schutz aller Personen vor dem zwangsweisen Verschwindenlassen, die eine entsprechende Definition und Bestrafungspflicht enthalten soll. Die Arbeit entwickelt deshalb auf der Basis einer grundlegenden Untersuchung ein Modell für den Straftatbestand des Verschwindenlassens einer Person.

Der Gang der Un­ter­su­chung glie­dert sich in drei Schrit­te. An ers­ter Stel­le wird die tat­säch­li­che Er­schei­nungs­form des Ver­schwin­den­las­sens an­hand der Vor­komm­nis­se in La­tein­ame­ri­ka un­ter­sucht. Er­kennt­nis­ziel ist hier­bei, einen ty­pi­schen Fall bzw. ty­pi­sche Fall­va­ri­an­ten her­aus­zu­ar­bei­ten, die als tat­säch­li­cher Aus­gangs­punkt für einen Tat­be­stand her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen.

Dem folgt ei­ne Recht­spre­chungs­ana­ly­se. Da­bei wird zu­nächst be­son­de­res Au­gen­merk auf die Kon­zep­ti­on des In­ter­a­me­ri­ka­ni­schen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te ge­legt, um dann im Rah­men der Un­ter­su­chung des Strafro­zes­ses ge­gen die ehe­ma­li­gen, ar­gen­ti­ni­schen Mi­li­tär­macht­ha­ber die Un­ter­schie­de bei der straf­recht­li­chen Be­hand­lung her­aus­zu­ar­bei­ten.

Im drit­ten Teil wird die Exis­tenz­be­rech­ti­gung ei­nes ei­gen­stän­di­gen Tat­be­stan­des ge­klärt, be­vor zum Ab­schluss der Ar­beit auf die Aus­ge­stal­tung des Tat­be­stan­des, ins­be­son­de­re die Fra­ge der Zu­rech­nung der straf­recht­li­chen Ver­ant­wort­lich­keit ein­ge­gan­gen wird.