Das Promotionsprojekt geht der Frage nach, ob und inwieweit das Recht auf ein faires Verfahren in den in der Islamischen Republik Afghanistan rechtstatsächlich operierenden Rechtssystemen gewährleistet wird. Hierbei liegt der Schwerpunkt der Untersuchung auf dem Gesetzlichkeitsprinzip, dem Recht auf Gleichheit vor dem Gesetz und der Gleichbehandlung durch das Gesetz und dem Verbot von Folter und grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung oder Strafe.

Das Promotionsprojekt geht der Frage nach, ob und inwieweit das Recht auf ein faires Verfahren in den in der Islamischen Republik Afghanistan rechtstatsächlich operierenden Rechtssystemen gewährleistet wird. Hierbei liegt der Schwerpunkt der Untersuchung auf dem Gesetzlichkeitsprinzip, dem Recht auf Gleichheit vor dem Gesetz und der Gleichbehandlung durch das Gesetz und dem Verbot von Folter und grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung oder Strafe.

Afghanistan ist ein von Kriegen zerstörtes Land, in dem die Gewaltherrschaft der „Warlords“ in weiten Teilen des Landes fortbesteht und der Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen und Institutionen, insbesondere fern der Großstädte, schleppend voranschreitet. Das Vertrauen der Bevölkerung in den staatlichen Justizsektor ist durch Korruption und Machtmissbrauch stark geschwächt. Religiöse und traditionelle informelle Streitbeilegungsmechanismen sind daher in den ländlichen Regionen des Landes weit verbreitet. Zudem steht die verfassungsrechtliche und völkerrechtliche Verpflichtung zur Einhaltung der Bürger- und Menschenrechte in einem ungeklärten Verhältnis zu der Verpflichtung zur Anwendung und Befolgung des islamischen Rechts sowie des jeweiligen afghanischen lokalen Rechts. Das hieraus entstehende Spannungsfeld ist die Basis der vorliegenden Untersuchung. Um der in Afghanistan geltenden Rechtstatsächlichkeit zu entsprechen, werden daher nicht nur die Regelungen des Völkerrechts, der afghanischen Verfassung und des afghanischen nationalen Rechts in Bezug auf das Strafverfahren miteinander verglichen, sondern auch die nicht staatlich kodifizierten islamischen Rechtsregeln und das afghanische lokale/traditionelle Recht der wichtigsten Stammesgruppen in die Untersuchung mit einbezogen. Dieser Rechtsvergleich ist deshalb notwendig, da die Forschung sich bislang zwar mit den einzelnen Verfahren bereits befasst hat, jedoch eine umfassende Vergleichsstudie zu internationalen, nationalen und traditionellen Verfahren fehlt. Diese Lücke schließt die vorliegende Arbeit, indem sie auf der Grundlage des Vergleichs Spannungsverhältnisse offenlegt und potenzielle Lösungsansätze aufzeigt.

Das Forschungsprojekt fügt sich in den Forschungsplan der IMPRS REMEP und der kriminologischen Abteilung des MPI ein. Es sucht aus dem Blickwinkel der Rechtswissenschaften unter Berücksichtigung der Anthropologie, der Kriminologie und der Rechtsgeschichte nach Erklärungen für die Bedeutung von Vergeltung, Streitschlichtung und Strafe in Afghanistan.

Die Promotionsarbeit nimmt eine funktionale Untersuchung der unterschiedlichen in Afghanistan parallel operierenden Rechtssysteme vor und vergleicht somit anders als in der üblichen Rechtsvergleichung nicht die Rechtsordnungen bzw. Rechtsregime unterschiedlicher Staaten. Da alle untersuchten Rechtssysteme in einem sozialen Komplex – dem afghanischen Staat – parallel und zeitgleich gelten, muss in der Untersuchung dem rechtstatsächlichen Rechtspluralismus Rechnung getragen werden. Aus diesem Grund basiert die Forschungsarbeit auf dem analytischen Konzept der Pluralität rechtsförmiger Kontrolle abweichenden Verhaltens durch Sanktionierung. Anhand dieser Methode werden sowohl geschriebene als auch ungeschriebene verbindliche Regelungen und Gewohnheiten, rechtlich unverbindliche Regelungen und angewandte Verfahren zur Konfliktregulation im sozialen Gefüge Afghanistans identifiziert und bestimmt.