In dem Anfang 2006 begonnenen und unter Beteiligung des Great Britain China Centre (London), des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht und des Menschenrechtszentrums der Universität Essex durchgeführten sowie von der Europäischen Kommission finanzierten Projekt ist auf chinesischer Seite die Renmin University (Beijing, Research Center of Procedural System and Judicial Reform) eingebunden. Es ist auf drei Jahre angelegt.

Ziel des Pro­jek­tes ist es, die An­wen­dung von Fol­ter so­wie un­mensch­li­cher und ent­wür­di­gen­der Be­hand­lung durch und in Ein­rich­tun­gen der Straf­ver­fol­gung auf der Grund­la­ge in­ter­de­pen­den­ter Kom­po­nen­ten der For­schung, der Aus- und Fort­bil­dung, der Ge­set­zes­re­form und ex­ter­ner (aus der Zi­vil­ge­sell­schaft ent­wi­ckel­ter) Kon­troll­or­ga­ne in der Volks­re­pu­blik Chi­na zu re­du­zie­ren. Be­son­de­re Be­ach­tung fin­den da­bei die Im­ple­men­ta­ti­on der An­ti­fol­ter­kon­ven­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen so­wie das hier­zu vor­lie­gen­de Op­tio­na­le Zu­satz­pro­to­koll. Schwer­punk­te der For­schung und der Aus- und Fort­bil­dung bil­den die Be­rei­che staat­li­chen Han­delns, für die das Ri­si­ko von Fol­ter so­wie un­mensch­li­cher und ent­wür­di­gen­der Be­hand­lung als be­son­ders aus­ge­prägt gel­ten kann. Dies be­trifft den po­li­zei­li­chen Ge­wahr­sam und das po­li­zei­li­che Ver­hör, wo­bei so­wohl die Straf­ver­fol­gung als auch ad­mi­nis­tra­ti­ve bzw. prä­ven­tiv-po­li­zei­li­che Sys­te­me ein­be­zo­gen wer­den.

Im Ein­zel­nen wer­den rechts­ver­glei­chen­de, em­pi­ri­sche und se­kun­där-ana­ly­ti­sche Un­ter­su­chun­gen zur Im­ple­men­ta­ti­on der Prä­ven­ti­on von Fol­ter durch­ge­führt. Schu­lun­gen wer­den für Staats­an­wäl­te, Po­li­zis­ten so­wie für Leh­ren­de an Po­li­zei­schu­len und –uni­ver­si­tä­ten an­ge­bo­ten. Feld­be­ob­ach­tun­gen sol­len chi­ne­si­schen Wis­sen­schaft­lern, Par­la­men­ta­ri­ern und Jus­tiz- und Po­li­zei­prak­ti­kern kon­kre­te Ein­bli­cke in Folt­er­prä­ven­ti­ons­mo­del­le eu­ro­päi­scher Län­der er­lau­ben. Zu­sätz­lich sind Me­dien­kam­pa­gnen ge­plant, mit de­nen die Auf­merk­sam­keit ge­gen­über Fol­ter, Er­geb­nis­sen der wis­sen­schaft­li­chen For­schung und der Ein­füh­rung des Op­tio­na­len Pro­to­kolls zur An­ti­fol­ter­kon­ven­ti­on ge­stei­gert wer­den soll.

So­dann ist Ziel des Vor­ha­bens die Er­stel­lung ei­nes For­schungs­be­richts, der Vor­schlä­ge für Ge­set­zes­än­de­run­gen ent­hält, ins­be­son­de­re zur Ver­stär­kung von Schutz­maß­nah­men wäh­rend des Ver­hörs. Die­se Vor­schlä­ge sol­len Chinas höchs­tem Ge­setz­ge­bungs­or­gan, der Ge­setz­ge­bungs­kom­mis­si­on des Na­tio­na­len Volks­kon­gres­ses vor­ge­legt wer­den. Eben­so soll das Ver­ständ­nis um die Not­wen­dig­keit der Ver­hin­de­rung von Fol­ter bei Po­li­zei und an­de­ren In­sti­tu­tio­nen der Jus­tiz ge­schärft wer­den. Fer­ner ist dar­an ge­dacht, Pi­lot­pro­jek­te zur Ein­füh­rung von An­ti­fol­ter-Me­cha­nis­men in aus­ge­wähl­ten Po­li­zei­sta­tio­nen und Ge­fäng­nis­sen durch­zu­füh­ren. Schließ­lich ist ei­ne ge­mein­sa­me eng­lisch-chi­ne­si­sche Ver­öf­fent­li­chung zu in­ter­na­tio­na­len Men­schen­rechts­stan­dards und de­ren Im­ple­men­ta­ti­on ge­plant, die ei­ner­seits in die Aus­bil­dung und Fort­bil­dung ein­ge­hen soll, an­de­rer­seits rechts­po­li­ti­sche und öf­fent­li­che De­bat­ten über die Prä­ven­ti­on von Fol­ter in­iti­ie­ren soll.

Das Pro­jekt ent­spricht in­so­weit ei­nem vor­ran­gi­gen Ziel der Eu­ro­päi­schen Uni­on, näm­lich die Fol­ter auch durch die Er­hö­hung der po­li­ti­schen Ak­zep­tanz des Op­tio­na­len Pro­to­kolls so­wie die Sen­si­bi­li­sie­rung für For­schun­gen zu kon­tra­pro­duk­ti­ven Fol­gen von Folt­er­prak­ti­ken zu re­du­zie­ren.

Fi­nan­zie­rung:
Das Pro­jekt wur­de von der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on ge­för­dert.