Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 tauchte die Rasterfahndung, als Schlagwort, immer wieder in den Medien auf. Vor dem Hintergrund der daraufhin einsetzenden rechtspolitischen Diskussion, befasst sich diese Forschungsprojekt mit der Anwendung und Umsetzung der gesetzlichen Regelungen der Rasterfahndung. Dabei steht die Auswertung von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsakten im Mittelpunkt. Anhand dieser sollen Fragen nach Wirkmächtigkeit und Rechtswirklichkeit untersucht werden. Auch die Durchführung von Interviews mit Sachkundigen/Experten aus den Bereich der Strafverfolgung, zu den aufgeworfenen Fragestellungen, ist geplant.

Pro­blem­stel­lung und Zie­le des For­schungs­pro­jekts:

Das For­schungs­pro­jekt be­fasst sich mit der An­wen­dung und Um­set­zung der ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen der Ras­ter­fahn­dung. Es steht in ei­nem in­halt­li­chen Zu­sam­men­hang mit der em­pi­ri­schen Straf­ver­fah­rens­for­schung, die auf die Im­ple­men­ta­ti­on und Eva­lua­ti­on neu­er, proak­ti­ver Er­mitt­lungs­me­tho­den zielt. Im Mit­tel­punkt steht die Aus­wer­tung von staats­an­walt­schaft­li­chen Er­mitt­lungs­ak­ten. An­hand der Ak­ten­da­ten sol­len Fra­gen nach den Wir­kun­gen und der Rechts­wirk­lich­keit der Ras­ter­fahn­dung un­ter­sucht wer­den. Fer­ner ist die Durch­füh­rung von In­ter­views mit Ex­per­ten aus dem Be­reich der Po­li­zei und der Jus­tiz ge­plant.

For­schungs­ge­gen­stän­de sind die Im­ple­men­ta­ti­on und Eva­lua­ti­on der Ras­ter­fahn­dung. Nach den Ter­ror­an­schlä­gen des 11. Sep­tem­ber 2001 hat vor al­lem die Ras­ter­fahn­dung prak­ti­sche Auf­merk­sam­keit er­fah­ren und rechts­po­li­ti­sche Kon­tro­ver­sen aus­ge­löst. Die­se Fahn­dungs­me­tho­de wur­de An­fang der 1970er Jah­re ent­wi­ckelt und vor­nehm­lich in der Straf­ver­fol­gung des RAF-Ter­ro­ris­mus ein­ge­setzt. Die Ras­ter­fahn­dung nutzt die Mög­lich­kei­ten der mo­der­nen Da­ten­ver­ar­bei­tung zur Straf­ver­fol­gung und zur Ge­fah­ren­ab­wehr. Da im Rah­men ei­ner Ras­ter­fahn­dung grund­sätz­lich al­le re­gis­trier­ba­ren Ei­gen­schaf­ten und Ver­hält­nis­se ei­ner Per­son da­zu ge­eig­net sind, in einen merk­mals­be­zo­ge­nen au­to­ma­ti­schen Sor­tier­vor­gang ein­be­zo­gen und mit­ein­an­der ver­knüpft zu wer­den, wird sie als ein uni­ver­sell ein­setz­ba­res kri­mi­na­lis­ti­sches Auf­klä­rungs­mit­tel be­zeich­net. In der Li­te­ra­tur wird die Ras­ter­fahn­dung teils als ein schwer­fäl­li­ges In­stru­ment mit we­nig prak­ti­scher Re­le­vanz, teils als ei­ne Pres­ti­gean­ge­le­gen­heit be­trach­tet. Vor al­lem bei Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten stößt sie im Hin­blick auf die Fra­ge der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit auf er­heb­li­che Be­den­ken.

Dem steht je­doch die zu­neh­men­de An­er­ken­nung der Fahn­dungs­me­tho­de in der Ge­setz­ge­bung ge­gen­über. Ih­re Auf­nah­me in die Straf­pro­zess­ord­nung (§§ 98a, b StPO) fand sie durch das Ge­setz zur Be­kämp­fung des il­le­ga­len Rausch­gift­han­dels und an­de­rer Er­schei­nungs­for­men der Or­ga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät (OrgKG) vom 15. 7. 1992. In den Po­li­zei­ge­set­zen der Län­der hat die Ras­ter­fahn­dung in ver­schie­de­nen Aus­ge­stal­tun­gen eben­falls Ein­zug ge­fun­den. Mitt­ler­wei­le ent­hal­ten al­le Po­li­zei­ge­set­ze Vor­schrif­ten zum Da­ten­ab­gleich, die teil­wei­se erst nach den An­schlä­gen vom 11. Sep­tem­ber 2001 ein­ge­fügt wur­den.

Das For­schungs­pro­jekt be­fasst sich mit der An­wen­dung und Um­set­zung der ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen zur Ras­ter­fahn­dung. Die Er­mitt­lungs­me­tho­de soll, ge­ra­de vor dem Hin­ter­grund der rechts­po­li­ti­schen Dis­kus­si­on, auf ih­re An­wen­dungs­struk­tu­ren und Wirk­sam­keit hin un­ter­sucht wer­den. Dies setzt ei­ne Eva­lua­ti­on der An­wen­dung von §§ 98a, b StPO, fer­ner der ent­spre­chen­den Vor­schrif­ten der Po­li­zei­ge­set­ze der Län­der vor­aus.

Im Mit­tel­punkt der Un­ter­su­chung steht die Ana­ly­se von Ak­ten be­reits ab­ge­schlos­se­ner Er­mitt­lungs­ver­fah­ren, in de­nen ei­ne Ras­ter­fahn­dung durch­ge­führt wur­de. Auf­grund der ge­rin­gen An­zahl von vor al­lem im re­pres­si­ven Be­reich durch­ge­führ­ten Ras­ter­fahn­dun­gen, ist die Ana­ly­se als Vol­ler­he­bung an­ge­legt. Den zeit­li­chen Aus­gangs­punkt für die Vol­ler­he­bung der Da­ten zur re­pres­si­ven Ras­ter­fahn­dung bil­det die Ein­stel­lung der Er­mitt­lungs­me­tho­de in die StPO im Jah­re 1992. Da­ge­gen wird der zeit­li­che An­satz­punkt für die Da­te­ner­he­bung zur prä­ven­ti­ven Ras­ter­fahn­dung durch de­ren je­wei­li­ge Auf­nah­me in die Po­li­zei­ge­set­ze der Län­der ge­bil­det. Dar­über hin­aus sol­len In­ter­views mit Ex­per­ten aus dem Be­reich der Po­li­zei, Staats­an­walt­schaft und der Ge­rich­te durch­ge­führt wer­den. Vor­aus­set­zung für die Aus­wahl der Ex­per­ten ist, dass die­se be­reits über kon­kre­te Er­fah­run­gen mit Ras­ter­fahn­dun­gen ver­fü­gen.

An­hand der ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se und sta­tis­ti­schen Da­ten soll ins­be­son­de­re zu fol­gen­den Fra­gen Stel­lung ge­nom­men wer­den:
  • Wie häu­fig wer­den Ras­ter­fahn­dun­gen durch­ge­führt?
  • Wie ef­fi­zi­ent ist Ras­ter­fahn­dung? Füh­ren Ras­ter­fahn­dun­gen zu wei­te­ren Er­mitt­lungs­maß­nah­men oder zu neu­en Er­mitt­lungs­ver­fah­ren?
  • Wie un­ter­schei­den sich die er­lang­ten Er­geb­nis­se aus re­pres­si­ven und prä­ven­ti­ven Ras­ter­fahn­dun­gen?
  • Wie sieht ein Tä­ter­pro­fil aus, das ei­ner Ras­ter­fahn­dung zu­grun­de liegt?
  • Wel­che Be­ach­tung fin­det das Ver­wer­tungs­ver­bot für Über­hang­da­ten in der Pra­xis?
  • Ist die Ras­ter­fahn­dung in ih­rer der­zei­ti­gen Aus­ge­stal­tung in den Po­li­zei­ge­set­zen ein ge­eig­ne­tes In­stru­ment zur Ge­fah­ren­ab­wehr?
  • Sorgt die Im­ple­men­tie­rung der Ras­ter­fahn­dung in die Po­li­zei­ge­set­ze da­für, daß die Po­li­zei bei ih­rer Tä­tig­keit von der Kon­trol­le durch die Staats­an­walt­schaf­ten, der sie bei der Straf­ver­fol­gung un­ter­liegt, be­freit wird?
  • Wel­che Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en sind für die An­ord­nung ei­ner Ras­ter­fahn­dung er­heb­lich und von Be­deu­tung? Die­ser Fra­ge­stel­lung soll vor al­lem im Rah­men der qua­li­fi­zier­ten Ex­per­ten­in­ter­views nach­ge­gan­gen wer­den.
  • Ge­nießt die Ras­ter­fahn­dung Ak­zep­tanz bei den sie durch­füh­ren­den Be­hör­den?
  • In ei­nem letz­ten Schritt soll an­hand der ge­won­nen Er­kennt­nis­se ge­klärt wer­den, in wel­chem Ver­hält­nis die prak­ti­sche Re­le­vanz der Ras­ter­fahn­dung zu ih­rem Stel­len­wert in der rechts­po­li­ti­schen Dis­kus­si­on steht.

Ar­beits­plan 2005-2007:

In ei­nem ers­ten Ar­beits­schritt wur­de der (em­pi­ri­sche und nor­ma­ti­ve) For­schungs­stand auf­be­rei­tet. Sys­te­ma­tisch er­mit­tel­te em­pi­ri­sche Be­fun­de zur An­wen­dung und zur Wir­kung der Ras­ter­fahn­dung lie­gen bis­lang noch nicht vor. Im An­schluss wur­den auf der Grund­la­ge der er­lang­ten Er­kennt­nis­se ein Fra­ge­bo­gen er­stellt, die Iden­ti­fi­zie­rung von Ver­fah­ren mit Ras­ter­fahn­dung ein­ge­lei­tet und die ent­spre­chen­den Ver­fah­rens­ak­ten an­ge­for­dert. Die Ak­ten­ana­ly­se hat im Herbst 2005 be­gon­nen und wur­de im No­vem­ber 2006 ab­ge­schlos­sen. Es konn­ten 27 Ver­fah­ren mit Maß­nah­men nach den §§ 98a, b StPO iden­ti­fi­ziert und aus­ge­wer­tet wer­den.

Die Ex­per­ten­in­ter­views wur­den im No­vem­ber und De­zem­ber 2006 durch­ge­führt. Ins­ge­samt konn­ten 24 Ex­per­ten in die Ge­sprä­che ein­be­zo­gen wer­den.


Zu­sam­men­fas­sung der Er­geb­nis­se und Schluss­fol­ge­run­gen:

→ Ei­ne pdf-Ver­si­on steht im Dow­n­load­be­reich zur Ver­fü­gung.


A. Zu­sam­men­fas­sung

I. Aus­gangs­punkt und Fra­ge­stel­lun­gen

Die Ras­ter­fahn­dung be­fin­det sich seit vie­len Jah­ren im Blick­punkt rechts­po­li­ti­scher Dis­kus­sio­nen ... [mehr]

II. Die Er­kennt­nis­se der recht­stat­säch­li­chen Un­ter­su­chung

Ins­ge­samt konn­ten 30 Ver­fah­ren mit Maß­nah­men nach den §§ 98a, b StPO iden­ti­fi­ziert ... [mehr]

III. Die Er­geb­nis­se der Eva­lua­ti­on von Er­folg und Ef­fi­zi­enz

Im Rah­men der Un­ter­su­chung wur­den die Be­grif­fe Er­folg und Ef­fi­zi­enz ... [mehr]

B. Schluss­fol­ge­run­gen:

Als Schluss­fol­ge­run­gen kön­nen fol­gen­de Punk­te fest­ge­hal­ten wer­den ... [mehr]