Das Forschungsprojekt befasst sich mit der Umsetzung der Empfehlungen des Europäischen Komitees zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe im deutschen Strafvollzug. Mit Methoden der Implementationsforschung wird sowohl die Effektivität der CPT-Empfehlungen und des Verfahrens überprüft, als auch die Kooperations- und Umsetzungsbereitschaft des Staates im Bereich des Menschenrechtsschutzes. Ziel ist es, Vorschläge zur Optimierung des Verfahrens zu geben.

For­schungs­ge­gen­stand

Die­se Un­ter­su­chung be­schäf­tigt sich mit dem Eu­ro­päi­schen Ko­mi­tee zur Ver­hü­tung von Fol­ter und un­mensch­li­cher oder er­nied­ri­gen­der Be­hand­lung oder Stra­fe (CPT). Die Kon­ven­ti­on des CPT aus dem Jah­re 1989 sieht vor, dass das Ko­mi­tee durch Be­su­che die Be­hand­lung von Per­so­nen prüft, de­nen die Frei­heit ent­zo­gen ist, um er­for­der­li­chen­falls den Schutz die­ser Per­so­nen vor Fol­ter und un­mensch­li­cher Be­hand­lung oder Stra­fe zu ver­stär­ken (Art. 1 ECPT). Deutsch­land wur­de im Rah­men die­ses Pro­gramms be­reits vier­mal re­gu­lär be­sucht (zu­züg­lich ei­nes Ad-hoc-Be­su­ches am Frank­fur­ter Flug­ha­fen), wo­bei ver­schie­dens­te In­sti­tu­tio­nen, wie Straf­voll­zugs­an­stal­ten, Po­li­zei­sta­tio­nen, Ab­schie­be­haft­an­stal­ten, Psych­ia­tri­en und an­de­re Ein­rich­tun­gen über­prüft wur­den. Die vor­lie­gen­de Un­ter­su­chung grenzt den For­schungs­be­reich da­bei auf die CPT-Be­su­che in den deut­schen Straf­voll­zugs­an­stal­ten ein.

For­schungs­be­darf

Die Bun­des­re­pu­blik wird in­ter­na­tio­nal an­er­kannt für ih­ren Kampf um die Durch­set­zung der Men­schen­rech­te, so­wohl im In­ne­ren, als auch in der Au­ßen­po­li­tik. Frag­lich ist, ob sich die­ses Be­kennt­nis Deutsch­lands zu Men­schen­rech­ten auch im Um­gang mit dem CPT wi­der­spie­gelt. Aus der Ana­ly­se der bis­he­ri­gen For­schungs­li­te­ra­tur er­gibt sich, dass Deutsch­land von den meis­ten Wis­sen­schaft­lern nicht als vor­bild­li­cher Kon­ven­ti­ons­part­ner be­schrie­ben wird. Hier­bei ist je­doch zu be­rück­sich­ti­gen, dass die­se Ar­bei­ten zu­meist in der An­fangs­zeit des CPT an­ge­fer­tigt wur­den. Mit stei­gen­dem Ein­fluss des CPT könn­te sich das Ver­hält­nis in­zwi­schen je­doch ent­schie­den ge­än­dert ha­ben. Es be­steht so­mit ein For­schungs­be­darf für ei­ne ak­tu­el­le Un­ter­su­chung über die Im­ple­men­ta­ti­on der CPT-Emp­feh­lun­gen in Deutsch­land.

Me­tho­dik

Me­tho­disch ori­en­tiert sich das Pro­jekt an der Im­ple­men­ta­ti­ons­for­schung. Die­ser liegt die Er­kennt­nis zu­grun­de, dass die Um­set­zung po­li­ti­scher Pro­gram­me, wie die Emp­feh­lun­gen des CPT als Aus­druck der Men­schen­rechts­po­li­tik des Eu­ro­pa­rats, we­ni­ger von dem In­itia­tor als vom ad­mi­nis­tra­ti­ven Durch­füh­rungs­trä­ger und vom Adres­sa­ten­kreis ab­hängt. Dement­spre­chend wer­den die Um­set­zungs­pro­zes­se un­ter­sucht um zu de­ren Ver­bes­se­rung bei­zu­tra­gen. Im Fall der Im­ple­men­ta­ti­ons­un­ter­su­chung der CPT-Emp­feh­lun­gen bie­tet sich ei­ne Ana­ly­se mit­hil­fe der qua­li­ta­ti­ven In­halts­ana­ly­se der CPT-Be­rich­te an. Ziel ist es, ein Ka­te­go­ri­en­sys­tem der ver­schie­de­nen Emp­feh­lung zu ent­wer­fen. Da­bei sol­len Art, In­halt und über­ge­ord­ne­ter Zu­sam­men­hang der ein­zel­nen Emp­feh­lun­gen un­ter­sucht wer­den. In die­ses Ka­te­go­ri­en­sys­tem wer­den dann die mit ei­ner Do­ku­men­ten­ana­ly­se aus­ge­ar­bei­te­ten Stel­lung­nah­men der Bun­des­re­gie­rung ein­ge­bet­tet, um die of­fi­zi­el­le Re­ak­ti­on des Staa­tes auf die CPT-Emp­feh­lun­gen zu un­ter­su­chen. Zur Ex­pli­ka­ti­on wer­den die­sen of­fi­zi­el­len Un­ter­la­gen wei­te­re Do­ku­men­te aus dem Be­reich der wis­sen­schaft­li­chen For­schung hin­zu­ge­fügt. Als wei­te­re In­for­ma­ti­ons­quel­le wer­den Ex­per­ten­in­ter­views mit Re­prä­sen­tan­ten der deut­schen Straf­voll­zugs­ver­wal­tung ge­führt. Sie die­nen der Va­li­die­rung und Ver­tie­fung der Er­kennt­nis­se aus den schrift­li­chen Ma­te­ria­li­en. Dar­über hin­aus soll der Ab­lauf des Im­ple­men­ta­ti­ons­pro­zes­ses hier­durch nä­her ana­ly­sie­ren wer­den.

Un­ter­su­chungs­ziel

Ziel der Un­ter­su­chung ist es, durch die Über­prü­fung der Ef­fek­ti­vi­tät der CPT-Emp­feh­lun­gen so­wie der Ko­ope­ra­ti­ons- und Um­set­zungs­be­reit­schaft des Staa­tes Vor­schlä­ge zur Op­ti­mie­rung des CPT-Ver­fah­rens ge­ben zu kön­nen. Das CPT-Ver­fah­ren weist Mo­dell­cha­rak­ter für ei­ne Viel­zahl ähn­li­cher Men­schen­rechts­schutz­me­cha­nis­men auf. Die For­schungs­ar­beit kann so­mit als blue­print für an­de­re Ar­bei­ten über ähn­li­che In­sti­tu­tio­nen wie dem UN­CAT, Om­buds­per­so­nen und den ver­schie­de­nen NPM, als auch für Ar­bei­ten in an­de­ren Län­dern die­nen. Gleich­zei­tig wird auch die Straf­voll­zugs­po­li­tik Deutsch­lands im Lich­te der Stan­dards des CPT un­ter­sucht.