Die Dichotomie zwischen common law- und civil law-Strafverfahrenstypen betrifft unter anderem die unterschiedliche strukturelle Ausgestaltung des Beweisverfahrens. Den Kern der rechtsvergleichenden Forschungsarbeit bilden die heuristische Zusammenstellung von analytisch wertvollen extremen Prozesstypen und die rechtsvergleichende Modellanwendung mit Blick auf das nationale (englische und deutsche) sowie das internationale (EGMR, IStGH) Straf- und Beweisverfahrensrecht.

Mo­dell­theo­re­ti­sche An­sät­ze, eng­li­sches und deut­sches Be­weis­füh­rungs­sys­tem,
in­ter­na­tio­nal­recht­li­che Di­men­sio­nen

Zur Lö­sung von so­zia­len Kon­flik­ten müs­sen Leh­re, Jus­tiz­pra­xis und Rechts­po­li­tik fort­wäh­rend für die Be­reit­stel­lung von funk­ti­ons­fä­hi­gen straf­pro­zes­sua­len Me­cha­nis­men sor­gen. In die­sem Kon­text und im Hin­blick auf die Ent­wick­lung von Grund­la­gen für neue (al­ter­na­ti­ve) Pro­zess­for­men hat die rechts­ver­glei­chen­de For­schung einen be­son­de­ren ana­ly­ti­schen Wert. Die sinn­vol­le Im­ple­men­tie­rung von Ele­men­ten frem­der Rechts­sys­te­me auf na­tio­na­ler Ebe­ne und die rei­bungs­lo­se Ver­wirk­li­chung der Zie­le der in­ter­na­tio­na­len Straf­jus­tiz set­zen mit Blick auf das Nor­men­sys­tem ein wech­sel­sei­ti­ges Grund­ver­ständ­nis zwi­schen den Rechts­ord­nun­gen un­ter­schied­li­cher Recht­stra­di­tio­nen vor­aus. Dem­ge­mäß be­fasst sich auch die rechts­ver­glei­chen­de Grund­la­gen­for­schung mit di­ver­sen Dy­na­mi­ken in der Be­zie­hung zwi­schen Straf­rechts­sys­te­men und mit Fra­gen zur In­ter-, Trans- und Su­pra­na­tio­na­li­sie­rung des Straf­rechts. Da­bei wird auch die Fra­ge auf­ge­wor­fen, ob die jün­ge­ren Ent­wick­lun­gen in den Rechts­sys­te­men an­glo­ame­ri­ka­ni­scher und kon­ti­nen­tal­eu­ro­päi­scher Prä­gung die Kon­ver­genz, die Durch­mi­schung oder eher ei­ne Di­ver­genz der un­ter­schied­li­chen Straf­ver­fah­rens­for­men und Jus­ti­z­in­sti­tu­tio­nen an­deu­ten.

Im Vor­der­grund der vor­lie­gen­den rechts­ver­glei­chen­den For­schung stan­den die un­ter­schied­li­chen Be­weiss­truk­tu­ren, die in na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Straf­rechts­sys­te­men west­li­cher Prä­gung zur Auf­klä­rung ei­nes strei­ti­gen Sach­ver­halts be­ste­hen. Sach­li­cher Aus­gangs­punkt der Un­ter­su­chung war die Un­ter­schei­dung zwi­schen an­glo­ame­ri­ka­ni­schen und kon­ti­nen­tal­eu­ro­päi­schen Ver­fah­renstra­di­tio­nen so­wie die in Pra­xis und Leh­re weit­ver­brei­te­te Ge­gen­über­stel­lung der Be­grif­fe „ad­ver­sa­to­ri­sches“ und „in­qui­si­to­ri­sches“ Straf- bzw. Be­weis­ver­fah­ren, de­ren ein­zel­ne Be­stand­tei­le bis­her nicht in kla­rer und all­ge­mein an­er­kann­ter Wei­se be­stimmt wor­den wa­ren. Die ge­ne­rel­len Ide­en hin­ter der­ar­ti­gen sche­ma­ti­schen Ge­gen­über­stel­lun­gen wur­den in der Ar­beit in lo­gisch-sys­te­ma­ti­scher Wei­se auf­ge­ar­bei­tet. Da­bei wur­den die de­ter­mi­nie­ren­den Ele­men­te der Un­ter­schei­dung zwi­schen Ide­al­ty­pen des Straf­ver­fah­rens iden­ti­fi­ziert. Die­se Vor­ge­hens­wei­se diente zu­gleich der funk­tio­na­len Rechts­ver­glei­chung als For­schungs­me­tho­de.

Die her­kömm­li­chen Ab­gren­zun­gen zwi­schen zen­tra­len „Mo­del­len“ und ih­re es­sen­zi­el­len Ele­men­te wur­den ins­be­son­de­re in Be­zug auf das ge­richt­li­che Be­weis­ver­fah­ren erst ab­strakt und dann kon­kret an­hand der eng­li­schen und der deut­schen Rechts­ord­nung so­wie im Hin­blick auf in­ter­na­tio­nal­recht­li­che Ent­wick­lun­gen (EGMR, ISt­GH) nä­her un­ter­sucht. Zen­tra­ler Aus­gangs­punkt für die ab­strakt-theo­re­ti­schen Un­ter­su­chun­gen und die dar­an an­schlie­ßen­den kon­kre­ten rechts­ver­glei­chen­den und klas­si­fi­zie­ren­den Ana­ly­sen war die Ent­wick­lung von rei­nen (Be­weis-)Ver­fah­rens­mo­del­len. Für die Aus­ein­an­der­set­zung mit den ge­gen­wär­ti­gen west­li­chen Sys­te­men mit ih­ren viel­fäl­ti­gen kul­tu­rel­len, po­li­ti­schen und recht­li­chen Kon­ver­gen­zen und Wech­sel­wir­kun­gen wur­de so­mit ein zweck­mä­ßi­ger Ana­ly­serah­men auf der Ba­sis be­stimm­ter pro­zes­sua­ler Idea­le ge­währ­leis­tet. Die­ser trägt ins­be­son­de­re zur ver­tief­ten Un­ter­su­chung der Un­ter­schie­de zwi­schen be­stimm­ten be­weiss­truk­tu­rel­len Aspek­ten des Straf­pro­zes­ses und ih­rer Zie­le, zur Er­mitt­lung der Ef­fek­ti­vi­tät der di­ver­sen zur Fest­stel­lung der Schuld an­ge­wand­ten Me­tho­den so­wie zur Be­stim­mung von Leit­sät­zen für die An­nä­he­rung der Rechts­sys­te­me bei.