Die Sanktionspraxis in der BRD

In diesem Projekt soll eine empirische Bestandsaufnahme der Sanktionspraxis in der Bundesrepublik Deutsch­land unternommen werden. Hierbei sollen beispielsweise folgende Fragen beantwortet werden: ● Welche Sanktion folgt auf ein bestimmtes Delikt? Wie lang ist die durchschnittliche Strafdauer und in wel­chen Grenzen variiert sie? In welchem Verhältnis steht das zu den vorgesehenen Strafrahmen? Welche Strafart wird gewählt? Wie häufig wird auf einen minderschweren Fall entschieden? ● Welche Rolle spielen die im allgemeinen Teil des StGB festgehaltenen Tatumstände? ● Welchen Einfluss auf die Sanktion hat die Legalbiographie, das Geschlecht, das Alter und die Nationalität des Täters? Sind diese Einflüsse bei allen Delikten gleich? ● Gibt es in der Bundesrepublik hinsichtlich der Strafdauer oder der Strafart regional differierende Sank­tions­stile?

Die­se Fra­gen an den jus­ti­zi­el­len Teil der straf­recht­li­chen So­zi­al­kon­trol­le wer­den so­weit mög­lich an Hand der Da­ten der Le­gal­be­wäh­rungs­stu­die be­ant­wor­tet. Die­se In­di­vi­dual­da­ten er­lau­ben we­gen des zu Grun­de lie­gen­den Längs­schnitts­de­si­gns auch einen zeit­li­chen Wan­del fest­zu­stel­len. Vor­läu­fig wur­den die Jahr 2004, 2007 und 2010 un­ter­sucht, wei­te­re Jah­re kön­nen vor­aus­sicht­lich noch hin­zu­ge­nom­men wer­den. We­gen des großen Um­fangs der vor­han­de­nen Da­ten las­sen sich auch sel­te­ne De­lik­te ana­ly­sie­ren.

Aus den bis­he­ri­gen Ana­ly­sen wur­den Er­geb­nis­se zu zwei The­menschwer­punk­ten ver­öf­fent­licht:

Noch vor dem star­ken Zu­strom von Mi­gran­ten im Jahr 2015 wur­de die Sank­tio­nie­rung der "An­de­ren" in der Bun­des­re­pu­blik un­ter­sucht. Hin­ter­grund die­ser Un­ter­su­chung war, dass im Zu­ge der vor­an­schrei­ten­den Glo­ba­li­sie­rung die meist tra­di­tio­nell na­tio­nal­staat­lich for­mu­lier­ten Gren­zen und Zu­ge­hö­rig­kei­ten, de­ren Ge­gen­be­griff die "An­de­ren" sind, ver­wi­schen. Zwar ist der "An­de­re" nur be­dingt mit Aus­län­dern und Mi­gran­ten gleich­zu­set­zen, sind es doch auch "ein­hei­mi­sche" Min­der­hei­ten, die die­se Rand­po­si­ti­on in ähn­li­che Wei­se hal­ten. Gleich­wohl sind an­hand der Na­tio­na­li­tät die Dif­fe­ren­zen zwi­schen der Mehr­heits­ge­sell­schaft und den "An­de­ren" am leich­tes­ten em­pi­risch zu grei­fen. Es wur­den de­likts- und na­tio­na­li­täts­s­pe­zi­fi­sche Un­ter­schie­de ge­fun­den. Auf­grund der Ent­wick­lung in den letz­ten Jah­ren ist ge­plant, das The­ma er­neut auf­zu­grei­fen.

In ei­nem zwei­ten Schwer­punkt wur­den die re­gio­na­len Un­ter­schie­de in der ge­richt­li­chen Sank­ti­ons­pra­xis in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land be­han­delt. Hier­bei wur­de fest­ge­stellt, dass deut­lich re­gio­na­le Un­ter­schie­de nicht nur hin­sicht­lich der Straf­dau­er son­dern auch hin­sicht­lich der Art der Stra­fe exis­tie­ren. Die­se sys­te­ma­ti­schen Un­ter­schie­de kön­nen wohl am ehe­s­ten durch ei­ne lo­ka­le Tra­die­rung be­stimm­ter Sank­ti­ons­pra­xen er­klärt wer­den.