Mit der voranschreitenden Entwicklung der Internetgesellschaft spielen die Internet-Service-Provider (ISP) eine immer wichtigere Rolle. Umstritten ist, inwieweit ein ISP für die rechtswidrigen Inhalte oder die illegalen Handlungen seiner Nutzer verantwortlich sein soll. In einer vergleichenden Untersuchung werden die wichtigsten Ansätze zur Lösung des Problems in Deutschland und China erarbeitet und bewertet.

Mit der vor­an­schrei­ten­den Ent­wick­lung der In­ter­net­ge­sell­schaft sind In­ter­net-Ser­vice-Pro­vi­der (ISP) zu ei­nem wich­ti­gen Rechts­sub­jekt ge­wor­den. Um­strit­ten ist al­ler­dings, in­wie­weit die­se für rechts­wid­ri­ge In­hal­te oder il­le­ga­le Hand­lun­gen von Drit­ten (die meist schwer zu iden­ti­fi­zie­ren sind) ver­ant­wort­lich sein sol­len. In Deutsch­land wur­den die ent­spre­chen­den Re­ge­lun­gen im An­schluss an den be­kann­ten Com­pu­Ser­ve-Fall und ei­ne EU-Richt­li­nie ge­setz­lich ge­klärt. Ein ähn­li­cher Fall führ­te in Chi­na zu ei­ner gleich­ge­la­ger­ten Dis­kus­si­on.

Das For­schungs­pro­jekt un­ter­sucht und sys­te­ma­ti­siert die straf­recht­li­che Ver­ant­wort­lich­keit der ISP in ei­nem Rechts­ver­gleich zwi­schen Deutsch­land und Chi­na. In der Ein­lei­tung wird die Pro­ble­ma­tik im All­ge­mei­nen kurz be­schrie­ben. Der zwei­te Teil be­han­delt die tech­ni­schen Hin­ter­grün­de als Ba­sis der Un­ter­su­chung. Im drit­ten und vier­ten Teil wird die Re­ge­lung der Ver­ant­wort­lich­keit der ISP in der deut­schen und der chi­ne­si­schen Rechts­ord­nung er­läu­tert. Im Ein­zel­nen wer­den die De­fi­ni­ti­on und die Ty­pen der ISP, de­ren recht­li­che Pri­vi­le­gie­run­gen, die all­ge­mei­nen Pro­ble­me der straf­recht­li­chen Ver­ant­wort­lich­keit der ISP und der ge­setz­lich nicht ge­re­gel­ten ISP de­tail­liert un­ter­sucht. Im fünf­ten Teil wer­den die Er­geb­nis­se der bei­den Rechts­sys­te­me ver­glei­chend ge­gen­über­ge­stellt.

Be­züg­lich der Ver­ant­wort­lich­keit der ISP be­ste­hen so­wohl in Deutsch­land als auch in Chi­na ei­ne Rei­he von Rechts­nor­men. Die­se Re­ge­lun­gen mit ih­ren un­ter­schied­li­chen recht­li­chen Kon­se­quen­zen wer­den zu­nächst im We­ge ei­ner dog­ma­ti­schen Ana­ly­se aus­führ­lich ana­ly­siert. Rechts­ver­glei­chend wer­den im An­schluss die un­ter­schied­li­chen Rechts­quel­len der Län­der und die Ver­bind­lich­keit die­ser Rechts­quel­len be­trach­tet. Die ver­schie­de­nen Sys­te­me der Rechts­quel­len und ih­re recht­li­che Gel­tung ha­ben zu un­ter­schied­li­chen Re­gu­lie­rungs­mo­del­len ge­führt. Die Rechts­ver­glei­chung legt die Vor- und Nach­tei­le bei­der Mo­del­le of­fen. An­schlie­ßend wer­den die Rechts­nor­men und die Le­gi­ti­mi­tät der Ver­ant­wor­tung von ISP be­wer­tet.

Das For­schungs­pro­jekt hat ge­zeigt, dass der ge­setz­li­che Rah­men für die Ver­ant­wort­lich­keit der ISP in Deutsch­land ei­ne ver­gleichs­wei­se mo­de­ra­te Ten­denz auf­weist. Ob­wohl es vie­le ge­gen­sätz­li­che Auf­fas­sun­gen in der theo­re­ti­schen Dis­kus­si­on über die­ses The­ma gibt, wird von der herr­schen­den Mei­nung ei­ne die Haf­tung der ISP be­schrän­ken­de An­sicht ver­tre­ten. Dies führt al­ler­dings da­zu, dass kri­mi­nel­le Ver­hal­tens­wei­sen in be­stimm­ten Kon­stel­la­tio­nen recht­lich nicht wirk­sam ver­hin­dert und ver­folgt wer­den kön­nen. Ein Bei­spiel da­für ist die zu­neh­men­de Ver­brei­tung von Hass­kri­mi­na­li­tät im Netz. Um die­se ef­fek­ti­ver zu kon­trol­lie­ren, wur­de vom Ge­setz­ge­ber im Jahr 2017 zu­sätz­lich noch das Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz ver­ab­schie­det. Al­ler­dings wird die­ses so­wohl von Ju­ris­ten als auch von In­ter­n­et­nut­zern stark kri­ti­siert, weil es für die An­bie­ter der so­zia­len Netz­wer­ke ei­ne Rei­he neu­er Ver­pflich­tun­gen mit sich ge­bracht hat und die Ge­fahr ei­ner Be­ein­träch­ti­gung der Mei­nungs­frei­heit in sich trägt.

Im Ge­gen­satz zu Deutsch­land gibt es in Chi­na kein ein­schlä­gi­ges Ge­setz wie das Te­le­me­dien­ge­setz das sich spe­zi­ell mit der Ver­ant­wort­lich­keit der ISP be­fasst und einen um­fas­sen­den Gel­tungs­be­reich hat. Die Pri­vi­le­gie­rungs­re­ge­lun­gen der ISP fin­den sich haupt­säch­lich in den zi­vil­recht­li­chen Nor­men. Bis­lang wird in der Li­te­ra­tur nicht aus­rei­chend dis­ku­tiert, ob und wie die­se Re­ge­lun­gen im straf­recht­li­chen Be­reich an­ge­wen­det wer­den kön­nen. Es ist zu­dem auf­fäl­lig, dass an­ders als im deut­schen StGB im chi­ne­si­schen Recht spe­zi­el­le straf­be­grün­den­de Re­ge­lun­gen für die Ver­ant­wort­lich­keit der ISP ge­schaf­fen wur­den. Wie ef­fek­tiv die­se Pa­ra­gra­fen sind und wel­che Aus­wir­kun­gen sie in Zu­kunft ha­ben wer­den, bleibt ab­zu­war­ten. Es darf nicht ver­ges­sen wer­den, dass ein er­wei­ter­ter straf­recht­li­cher Rechts­rah­men im ein­zel­nen Fall nicht un­be­dingt zu stren­ge­rer Ver­ant­wort­lich­keit führt, da die Recht­spra­xis ei­ne wich­ti­ge Rol­le spielt.