Die rechtlichen Rahmenbedingungen des Einsatzes tödlicher Waffengewalt, zu dem deutsche Soldaten in Auslandseinsätzen immer häufiger gezwungen sind, sind insbesondere aus Sicht des deutschen Verfassungsrechts unzureichend untersucht. Die dabei maßgeblichen Fragen nach der Anwendbarkeit und Übertragbarkeit geltenden Rechts auf extraterritoriale Sachverhalte sind insbesondere für das Vorgehen gegen den internationalen Terrorismus relevant.

Un­ter­su­chungs­ge­gen­stand der Ar­beit ist der Ein­satz töd­li­cher Waf­fen­ge­walt durch An­ge­hö­ri­ge der Bun­des­wehr und Bun­des­po­li­zei im Aus­land, der ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund töd­li­cher Kampf­hand­lun­gen deut­scher Sol­da­ten in Af­gha­nis­tan kon­kre­ti­siert wird. Im Mit­tel­punkt steht die Fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der Ein­satz töd­li­cher Waf­fen­ge­walt durch An­ge­hö­ri­ge der deut­schen aus­wär­ti­gen Ge­walt recht­mä­ßig ist. Da­bei wird zu­nächst die Recht­mä­ßig­keit grenz­über­schrei­ten­der mi­li­tä­ri­scher und po­li­zei­li­cher Ope­ra­tio­nen der deut­schen aus­wär­ti­gen Ge­walt ei­ner­seits und des kon­kre­ten Waf­fen­ein­sat­zes an­de­rer­seits ge­trennt be­trach­tet, um die un­ter­schied­li­chen Be­zugs­punk­te des an­wend­ba­ren Rechts sach­ge­recht ab­zu­bil­den. An­schlie­ßend wer­den die bei­den Sach­fra­gen nach Maß­ga­be des Völ­ker­rechts so­wie nach Maß­ga­be des deut­schen Ver­fas­sungs­rechts un­ter­sucht.

Die Recht­mä­ßig­keit mi­li­tä­ri­scher und po­li­zei­li­cher Ope­ra­tio­nen der deut­schen aus­wär­ti­gen Ge­walt wird am Maß­stab des ein­schlä­gi­gen ius con­tra bel­lum so­wie des deut­schen Wehr­ver­fas­sungs­rechts er­ör­tert. Nach ei­nem knap­pen Über­blick über die Kon­tu­ren des Ge­walt­ver­bots gem. Art. 2 (4) UN-Char­ta und ei­ner zu­sam­men­fas­sen­den Dar­stel­lung der ak­tu­el­len völ­ker­recht­li­chen Ent­wick­lungs­li­ni­en er­folgt im ers­ten Teil der Ar­beit ei­ne Be­schrei­bung der An­for­de­run­gen des Ver­fas­sungs­rechts an Aus­land­se­in­sät­ze der Bun­des­wehr im Ver­tei­di­gungs­fall und un­ter­halb der Schwel­le des Ver­tei­di­gungs­falls so­wie an Aus­land­se­in­sät­ze der Bun­des­po­li­zei.

Im Zwei­ten Teil der Ar­beit wird die Recht­mä­ßig­keit des kon­kre­ten Ein­sat­zes töd­li­cher Waf­fen­ge­walt durch die deut­sche aus­wär­ti­ge Ge­walt un­ter­sucht. Hier liegt der Schwer­punkt der Ar­beit. Die The­ma­tik wird zu­nächst am Maß­stab der völ­ker­recht­li­chen Men­schen­rech­te so­wie des Rechts der be­waff­ne­ten Kon­flik­te er­ör­tert, und ak­tu­el­le Streit­fra­gen wer­den ein­ge­hend dis­ku­tiert, so z.B. zur ex­tra­ter­ri­to­ria­len An­wend­bar­keit der Men­schen­rechts­kon­ven­tio­nen so­wie zur un­mit­tel­ba­ren Teil­nah­me von Zi­vi­lis­ten an Kampf­hand­lun­gen in be­waff­ne­ten Kon­flik­ten. Im Wei­te­ren legt die Ab­hand­lung als Maß­stab die Grund­rech­te an. Nach Dar­le­gung der ge­ne­rel­len Grund­rechts­bin­dung der aus­wär­ti­gen Ge­walt wird ge­prüft, in­wie­weit das Grund­ge­setz die aus­wär­ti­ge Ge­walt im glei­chen Um­fang bin­det wie die deut­sche Ho­heits­ge­walt im In­land. Die zur Be­schrän­kung der Grund­rechts­bin­dung der aus­wär­ti­gen Ge­walt an­ge­führ­ten To­poi wer­den be­trach­tet und es wird ge­zeigt, dass die aus­wär­ti­ge Ge­walt in al­ler Re­gel der glei­chen Grund­rechts­bin­dung un­ter­liegt, die für In­landssach­ver­hal­te gilt. Die wich­tigs­te Aus­nah­me stel­len Si­tua­tio­nen dar, in de­nen we­sent­li­che Rechts­gü­ter ei­ner großen An­zahl von Rechts­guts­trä­gern mas­si­ven Be­dro­hun­gen aus­ge­setzt sind. Die ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se wer­den so­dann kon­kret auf die ein­schlä­gi­gen Grund­rech­te aus Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG (Recht auf Le­ben und kör­per­li­che Un­ver­sehrt­heit) und Art. 1 Abs. 1 GG (Men­schen­wür­de) an­ge­wandt. Dar­an an­schlie­ßend wird ge­prüft, ob der ver­fas­sungs­recht­li­che Vor­be­halt des Ge­set­zes auf das Han­deln der aus­wär­ti­gen Ge­walt an­wend­bar ist und wel­chen Vor­aus­set­zun­gen er die Er­mäch­ti­gung der aus­wär­ti­gen Ge­walt zum Ein­satz töd­li­cher Waf­fen­ge­walt un­ter­wirft. Zum Schluss wer­den exis­tie­ren­de Nor­men des Völ­ker- und Ver­fas­sungs­rechts so­wie des ein­fa­chen Rechts auf ih­re Eig­nung als Rechts­grund­la­gen für den Ein­satz töd­li­cher Waf­fen­ge­walt hin un­ter­sucht. Die Ar­beit kommt zu dem Er­geb­nis, dass ei­ne ver­fas­sungs­ge­mä­ße Er­mäch­ti­gung zum Ein­satz töd­li­cher Waf­fen­ge­walt durch die deut­sche aus­wär­ti­ge Ge­walt nur in en­gen Gren­zen exis­tiert.