Im Mittelpunkt der ethnografischen Studie über Türsteher steht die Frage, wie Grenzen im Nachtleben ausgehandelt werden. Dies geschieht (1) in Form eines Grenzübergangs am Eingang und eines Wandels vom Neueingetroffenen zum Gast. Es bedeutet (2) die Einhegung der Party und der Entgrenzung mittels (Spiel-)Regeln. Dabei bildet Ärger einen konstanten Bezugspunkt, der es erfordert, (3) (weiteren) Schaden zu begrenzen.

Nacht­le­ben kann als ein Zeit/Raum der Grenzaus­tes­tun­gen und -über­schrei­tun­gen ge­fasst wer­den, der Ex­pe­ri­men­tier­mög­lich­kei­ten bie­tet. Nicht sel­ten wer­den Tei­la­spek­te da­von un­ter der Per­spek­ti­ve de­vi­an­ten Ver­hal­tens be­ar­bei­tet (et­wa Rausch­ver­hal­ten, Ge­walt, Se­xua­li­tät). Ei­ne der of­fen­kun­di­gen Gren­zen – der Über­gang in den Club als ei­nem Ver­gnü­gungs­ort der Nacht – ist mit eben­so of­fen­kun­di­gen Wäch­tern aus­ge­stat­tet: Tür­ste­hern. Die Rol­le von Tür­ste­hern ist vor al­lem im an­gel­säch­si­schen Be­reich um­fang­rei­cher er­forscht wor­den, in Deutsch­land hin­ge­gen bis da­to rand­stän­dig ge­blie­ben. In die­sem Pro­mo­ti­ons­pro­jekt wur­den Tür­ste­her erst­ma­lig in Deutsch­land um­fas­send in den Fo­kus ge­rückt und eth­no­gra­fisch er­forscht. Kern­stück sind ins­ge­samt rund 60 Näch­te mit of­fe­nen teil­neh­men­den Be­ob­ach­tun­gen im Ar­beit­sall­tag von Tür­ste­hern in drei Clubs in zwei deut­schen Groß­städ­ten. Die For­schungs­fra­ge lau­te­te: Wie han­deln Tür­ste­her mit wem wel­che Gren­zen aus und wie ge­stal­ten sie da­mit den Club als je­wei­li­ges Ter­ri­to­ri­um mit?

Da­zu wird zu­nächst nach­ge­zeich­net, wie Per­so­nen über meist in­for­mel­le Netz­wer­ke als po­ten­zi­el­le neue Tür­ste­her re­kru­tiert wer­den und einen Pro­zess der Ein­ver­lei­bung durch­lau­fen, über den sie sich ver­schie­de­ne Wis­sens­for­men und Kör­per­tech­ni­ken an­eig­nen und Teil ei­ner Ge­mein­schaft wer­den. Im An­schluss wer­den ver­schie­de­ne Pro­zes­se des Gren­zen­aus­han­delns ana­ly­siert: (1) Es wird ge­zeigt, wie Tür­ste­her den Clu­bein­ang als Grenz­über­gang bau­lich (mit-)ge­stal­ten und wel­che Über­gangs­pro­zes­se Neu­ein­tref­fen­de durch­lau­fen, um ent­we­der zu Gäs­ten oder zu Ab­ge­wie­se­nen zu wer­den. Hier wer­den ers­te Grund­prin­zi­pi­en ver­mit­telt, die auch im Club wei­ter­wir­ken. (2) Die Par­ty ver­spricht ein ge­wis­ses Maß an Ent­gren­zung und folgt ei­ge­nen (Spiel-)Re­geln, die von Tür­ste­hern maß­geb­lich mit­de­fi­niert wer­den. Hier geht es um die Aus­hand­lung des Er­laub­ten/Un­er­laub­ten und die Wei­ter­be­ar­bei­tung von de­vi­an­ten Gäs­ten, die auch den Club als Ter­ri­to­ri­um in ver­schie­de­ne Zo­nen un­ter­schied­li­cher Re­geln struk­tu­riert und ins Ver­hält­nis zur Nacht­stadt setzt. (3)  Flucht­punkt der Ar­beit von Tür­ste­hern ist Är­ger, des­sen Be­ar­bei­tung maß­geb­lich bein­hal­tet, (wei­te­ren) Scha­den in Gren­zen zu hal­ten und ei­ne si­tua­ti­ve Aus­wei­tung zu un­ter­bin­den. Dies fin­det in ver­schie­de­nen Stu­fen von Är­ger sei­nen Aus­druck, der sich von ei­ner un­be­stimm­ten ers­ten Wahr­neh­mung bis hin zu ei­nem hoch­dy­na­mi­schen "Wust" mit vie­len Be­tei­lig­ten in wech­seln­den Kon­stel­la­tio­nen stei­gern kann. Je­de Stei­ge­rung bringt po­ten­zi­el­len Scha­den mit sich, der neue Tech­ni­ken er­for­dert.