Die Zu­nah­me grenz­über­schrei­ten­der Kri­mi­na­li­tät hat in den letz­ten Jah­ren zu ei­ner stei­gen­den Not­wen­dig­keit der trans­na­tio­na­len Ko­ope­ra­ti­on von Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den ge­führt.  Auf­grund der zeit­gleich im­mer stär­ke­ren Nut­zung mo­der­ner Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons- und In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie auch durch Straf­tä­ter be­steht in die­sem Zu­sam­men­hang auch ein im­mer grö­ßer wer­den­der Be­darf an mög­lichst schnel­lem Aus­tausch von Da­ten aus der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung. Zwar ist in meh­re­ren Rechts­hil­fe­über­ein­kom­men ein sol­cher Be­weis­mit­tel­trans­fer mitt­ler­wei­le ex­pli­zit vor­ge­se­hen, die­se Form der „klei­nen Rechts­hil­fe“ ist je­doch nach wie vor mit ei­ner Viel­zahl von tech­ni­schen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen, aber vor al­lem auch recht­li­chen Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den.


Die in der Stu­die un­ter­such­ten Rechts­fra­gen be­tref­fen ins­be­son­de­re die Vor­gän­ge der Da­te­ner­he­bung, der Da­ten­wei­ter­ga­be ins Aus­land und der Ver­wer­tung der er­lang­ten In­for­ma­tio­nen vor Ge­richt. Den Un­ter­su­chungs­ge­gen­stand bil­den al­so das in­ter­na­tio­na­le und su­pra­na­tio­na­le (insb. eu­ro­päi­sche) Recht so­wie na­tio­na­les Recht. Ziel der Un­ter­su­chung ist es, die recht­li­chen Gren­zen bei der Aus­lei­tung von Da­ten aus der TKÜ dar­zu­stel­len. Ein be­son­de­rer Fo­kus soll da­bei auf der Zu­läs­sig­keit ei­ner un­mit­tel­ba­ren Wei­ter­lei­tung sol­cher Da­ten ins Aus­land lie­gen, wie sie et­wa im EU-Rechts­hil­fe­über­ein­kom­men aus dem Jahr 2000 vor­ge­se­hen ist, denn die­se Fra­ge ist nicht nur für die Pra­xis von großer Re­le­vanz, son­dern in ihr kul­mi­nie­ren zu­dem Grund­la­gen­fra­gen des Rechts­hil­fe­rechts und des Rechts der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung.

Ei­ne iso­lier­te Be­trach­tung nur ei­ner ein­zi­gen Rechts­ord­nung auf der na­tio­na­len Ebe­ne wä­re nicht ziel­füh­rend, da im Rah­men der Rechts­hil­fe so­wohl das Recht des er­su­chen­den als auch des er­such­ten Staa­tes ei­ne Rol­le spielt. Im We­ge der funk­tio­na­len Straf­rechts­ver­glei­chung wer­den da­her die Rechts­ord­nun­gen von zehn aus­ge­wähl­ten eu­ro­päi­schen so­wie zwei au­ßer­eu­ro­päi­schen Staa­ten ana­ly­siert. Als Grund­la­ge für die­sen Rechts­ver­gleich wer­den an­hand ei­nes ein­heit­li­chen Pro­jekt­de­si­gns zu­nächst von Rechts­wis­sen­schaft­lern aus den je­wei­li­gen Län­dern Be­rich­te mit ei­ner Ana­ly­se von ein­schlä­gi­ger Ge­setz­ge­bung, Li­te­ra­tur und Recht­spre­chung er­ar­bei­tet. Die The­ma­tik bringt es zu­dem mit sich, dass Spe­zi­al­fra­gen ei­ne Rol­le spie­len, die in ab­ge­le­ge­nen Quel­len (wie Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­ord­nun­gen oder Aus­füh­rungs­vor­schrif­ten) ko­di­fi­ziert oder von der Recht­spre­chung ent­wi­ckelt oder noch über­haupt nicht schrift­lich ge­klärt wur­den. Es wer­den da­her zu­sätz­lich in den ein­zel­nen Staa­ten In­ter­views mit Prak­ti­kern durch­ge­führt, die in den Be­rei­chen des Straf­pro­zess­rechts, des Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­rechts und/oder des Rechts­hil­fe­rechts tä­tig sind. Die­se Be­rich­te wer­den dann in ei­nem zwei­ten Schritt rechts­ver­glei­chend aus­ge­wer­tet.

Die Stu­die wird fi­nan­ziert durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des In­nern. Ein ers­ter Teil der Stu­die zu acht aus­ge­wähl­ten Rechts­ord­nun­gen ist 2016 un­ter dem Ti­tel "Ac­cess to Te­le­com­mu­ni­ca­ti­on Da­ta in Cri­mi­nal Ju­sti­ce" er­schie­nen. Der­zeit be­fin­den sich im Rah­men des seit 2017 durch­ge­führ­ten zwei­ten Teils der Stu­die Lan­des­be­rich­te zu zwölf wei­te­ren Staa­ten in Vor­be­rei­tung.