Nä­he­re In­for­ma­tio­nen zum Pro­jekt ste­hen nur auf eng­li­schen Sei­te zur Ver­fü­gung.


Vor­schlä­ge für ge­mein­sa­me straf­recht­li­che Nor­men in Eu­ro­pa

1. Straf­bar­keit der Be­tei­li­gung an ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on
(Text­fas­sung: Vin­cen­zo Mi­li­tel­lo)

  1. Die Be­tei­li­gung an ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on wird in je­dem Mit­glied­staat der Eu­ro­päi­schen Uni­on un­ter Stra­fe ge­stellt.
  2. Ei­ne Be­tei­li­gung an ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on liegt vor, wenn je­mand einen nicht nur ge­le­gent­li­chen Bei­trag zur Aus­füh­rung von Straf­ta­ten, de­ren Be­ge­hung zur Tä­tig­keit der Or­ga­ni­sa­ti­on ge­hört, oder zur Un­ter­stüt­zung der Or­ga­ni­sa­ti­onss­truk­tu­ren er­bringt, so­weit er sich da­bei be­wußt ist, daß er hier­durch die Fä­hig­keit der Or­ga­ni­sa­ti­on zur Be­ge­hung von Straf­ta­ten stärkt und da­mit die Ver­wirk­li­chung des kri­mi­nel­len Pro­gramms wahr­schein­li­cher macht, be­schleu­nigt oder des­sen Er­fol­ge stei­gert.
  3. Un­ter ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on ver­steht man ei­ne Per­so­nen­grup­pe von min­des­tens drei Mit­glie­dern, die im We­ge der Ar­beits­tei­lung zu­min­dest in ei­nem Mit­glied­staat als schwer ein­zu­stu­fen­de Straf­ta­ten be­geht. Die Rechts­ord­nun­gen der Mit­glied­staa­ten be­stim­men die in be­zug auf die­se eu­ro­päi­sche Norm re­le­van­te Schwe­re der Straf­ta­ten nach Sank­tio­nen, Be­ge­hungs­häu­fig­keit und den her­bei­ge­führ­ten Schä­den oder Ge­fah­ren. In je­dem Fall sind Mord, Ent­füh­rung, Be­täu­bungs­mit­tel­han­del, Geld­wä­sche, Schlep­per­straf­ta­ten und Kor­rup­ti­on als schwe­re Straf­ta­ten ein­zu­ord­nen. So­weit sich die Ak­ti­vi­tä­ten der Or­ga­ni­sa­ti­on auf meh­re­re Mit­glied­staa­ten er­stre­cken, ist das Jus­tiz­sys­tem des Staa­tes als zu­stän­dig an­zu­se­hen, in wel­chem die Or­ga­ni­sa­ti­on zu han­deln be­gon­nen hat. So­weit dies nicht er­mit­telt wer­den kann, ist das Jus­tiz­sys­tem des Lan­des zu­stän­dig, in dem zu­erst ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ge­gen die kri­mi­nel­le Or­ga­ni­sa­ti­on an­hän­gig ge­wor­den ist.
  4. Die Stra­fe für die blo­ße Be­tei­li­gung an ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on darf die Hälf­te der Stra­fe nicht über­stei­gen, die für das schwers­te De­likt des kri­mi­nel­len Pro­gramms vor­ge­se­hen ist. Die Stra­fen er­hö­hen sich um die Hälf­te für den­je­ni­gen, der sich an ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on be­tei­ligt, die sich in meh­re­ren Mit­glied­staa­ten be­tä­tigt oder die sys­te­ma­tisch mit Ein­schüch­te­rung ar­bei­tet.
  5. Für die­je­ni­gen Per­so­nen, wel­che die Or­ga­ni­sa­ti­on grün­den oder de­ren kri­mi­nel­le Ak­ti­vi­tä­ten lei­ten, darf die zu ver­hän­gen­de Stra­fe nicht un­ter dem Drei­fa­chen der für die ein­fa­che Be­tei­li­gung an der Or­ga­ni­sa­ti­on vor­ge­se­he­nen Stra­fe lie­gen. In stark struk­tu­rier­ten und hier­ar­chisch ge­führ­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen haf­ten die Füh­rungs­per­so­nen für die von den Mit­glie­dern be­gan­ge­nen Straf­ta­ten, es sei denn, daß die­se nicht zum kri­mi­nel­len Pro­gramm der Or­ga­ni­sa­ti­on ge­hö­ren und un­vor­her­seh­bar wa­ren.
  6. Bei ju­ris­ti­schen Per­so­nen kann sich die Straf­bar­keit we­gen Be­tei­li­gung an ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on auf den Um­stand stüt­zen, daß die Tä­tig­keit als Deck­man­tel be­nutzt wird, der die Aus­füh­rung des Pro­gramms der kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on ver­schlei­ern soll. In die­sem Fall kön­nen die be­tref­fen­den Sank­tio­nen, so­weit sie ver­mö­gens­be­zo­gen, rechts­be­schrän­kend oder rechts­aus­lö­schend sind, auch die ju­ris­ti­sche Per­son tref­fen. Die ju­ris­ti­sche Qua­li­fi­ka­ti­on sol­cher Maß­nah­men folgt den Prin­zi­pi­en der Rechts­sys­te­me der Mit­glied­staa­ten.
  7. Die an der Or­ga­ni­sa­ti­on Be­tei­lig­ten, die sich ernst­haft be­mü­hen, die kri­mi­nel­len Ak­ti­vi­tä­ten der Or­ga­ni­sa­ti­on zu ver­hin­dern, oder die den Be­hör­den re­le­van­te Mit­tei­lun­gen hin­sicht­lich der Grün­dung, der Exis­tenz oder der Ak­ti­vi­tät der kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on ma­chen, ha­ben An­spruch auf An­wen­dung ei­nes Straf­mil­de­rungs­grun­des, der ei­ne Stra­fe nicht un­ter der Hälf­te der für die Be­tei­li­gung an der Or­ga­ni­sa­ti­on fest­ge­leg­ten Stra­fe vor­sieht. Die Straf­bar­keit kann auch gänz­lich aus­ge­schlos­sen sein, wenn sich die er­brach­ten In­for­ma­tio­nen für die Ver­hin­de­rung der wei­te­ren Tä­tig­keit der kri­mi­nel­len Grup­pie­rung oder für die Zer­schla­gung der Or­ga­ni­sa­ti­on als ent­schei­dend er­wei­sen.

2. Ab­schöp­fung der Ge­win­ne kri­mi­nel­ler Ver­ei­ni­gun­gen
(Text­fas­sung: Gio­van­ni Fi­an­da­ca und Co­stan­ti­no Vis­con­ti)

  1. In den Fäl­len der Ver­ur­tei­lung we­gen ei­ner der or­ga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät zu­zu­ord­nen­den Straf­tat ge­mäß ei­ner in die­ser Vor­schrift auf­ge­führ­ten Be­stim­mung ge­gen­über ei­nem An­ge­klag­ten, der in ei­ner kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung ei­ne maß­geb­li­che Rol­le ge­spielt oder je­den­falls kri­mi­nel­le Ak­ti­vi­tä­ten mit ei­ner ge­wis­sen Kon­ti­nui­tät aus­ge­übt hat, ord­net der Rich­ter die Ein­zie­hung des Gel­des, der Gü­ter oder an­de­rer Vor­tei­le an, über wel­che der An­ge­klag­te ver­fü­gen kann und hin­sicht­lich de­ren un­recht­mä­ßi­ger Her­kunft er kei­ne zur Er­schüt­te­rung der von der An­kla­ge ge­sam­mel­ten In­di­zi­en ge­eig­ne­ten Recht­fer­ti­gun­gen ge­ge­ben hat, so­fern der Wert der be­sag­ten Gü­ter im Ver­hält­nis zu dem er­klär­ten Ein­kom­men und der aus­ge­üb­ten Tä­tig­keit un­ver­hält­nis­mä­ßig hoch er­scheint. So­weit Geld, Gü­ter und Vor­tei­le in ei­nem Zeit­raum er­wor­ben oder an­ge­fal­len sind, wel­cher dem der kri­mi­nel­len Tä­tig­keit des Be­schul­dig­ten vor­an­ging, sind die Gü­ter nicht ein­zugs­fä­hig, es sei denn, der Rich­ter kann auf­grund be­stimm­ter Fak­ten von ei­ner Ver­bin­dung zu der kri­mi­nel­len Tä­tig­keit aus­ge­hen.
  2. Im Hin­blick auf die Ein­zie­hung wer­den auch sol­che Ge­gen­stän­de be­rück­sich­tigt, die zum Schein auf Drit­te über­tra­gen sind oder für ei­ne zwi­schen­ge­schal­te­te na­tür­li­che oder ju­ris­ti­sche Per­son be­ses­sen wer­den.
  3. Die Ein­zie­hung prä­ju­di­ziert nicht die Rech­te gut­gläu­bi­ger Drit­ter.
  4. Ein­zugs­fä­hig sind auch Geld, Gü­ter und an­de­re Vor­tei­le, wel­che von ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son im An­schluß an ei­ne Straf­tat aus dem Be­reich der or­ga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät er­wor­ben wur­den, wenn die­se Straf­tat von ei­nem Or­gan, ei­nem Ver­tre­ter oder aber ei­ner na­tür­li­chen Per­son, von der auf­grund tat­säch­li­cher Um­stän­de an­zu­neh­men ist, daß sie zum Vor­teil oder im In­ter­es­se der Ver­ei­ni­gung ge­han­delt hat, be­gan­gen wur­de.
  5. So­weit ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son aus­schließ­lich oder vor­wie­gend zum Zweck der Durch­füh­rung kri­mi­nel­ler Ak­ti­vi­tä­ten tä­tig war, wird ih­re Auf­lö­sung an­ge­ord­net. Das nach Auf­lö­sung ver­blei­ben­de Ver­mö­gen wird ein­ge­zo­gen.

3. Kron­zeu­gen­re­ge­lung und ver­deck­ter Er­mitt­ler
(Text­fas­sung: Bar­ba­ra Hu­ber)

A) Ver­güns­ti­gung für ko­ope­ra­ti­ve Tat­be­tei­lig­te

  1. Zum Zweck der wirk­sa­men Be­kämp­fung der or­ga­ni­siert be­gan­ge­nen Kri­mi­na­li­tät so­wie zur Prä­ven­ti­on zu­künf­ti­ger Straf­ta­ten und zur Ent­zie­hung der fi­nan­zi­el­len Res­sour­cen kri­mi­nel­ler Ver­ei­ni­gun­gen kön­nen ver­däch­ti­gen (Mit-)Tä­tern oder Teil­neh­mern ei­ner kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung oder Or­ga­ni­sa­ti­on oder ei­ner or­ga­ni­siert be­gan­ge­nen Straf­tat, die ihr Wis­sen über
    - be­gan­ge­ne oder ge­plan­te schwe­re Straf­ta­ten ei­ner kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung oder
    - die Zu­sam­men­set­zung, Glie­de­rung oder die Tä­tig­kei­ten der kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung oder - de­ren na­tio­na­le und in­ter­na­tio­na­le Ver­bin­dun­gen oder
    - Tat­sa­chen, die ge­eig­net sein kön­nen, der Ver­ei­ni­gung ih­re un­recht­mä­ßig er­wor­be­nen fi­nan­zi­el­len Mit­tel oder die Er­trä­ge aus Straf­ta­ten zu ent­zie­hen,

    ei­ner zu­stän­di­gen Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de mit­tei­len und da­durch zur Ver­hin­de­rung wei­te­rer Straf­ta­ten bei­tra­gen oder den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den kon­kret hel­fen, ent­schei­den­de Kennt­nis­se für die Auf­klä­rung des Tather­gangs, die Er­mitt­lung oder Fest­nah­me der Tä­ter oder Teil­neh­mer der kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung oder der or­ga­ni­siert be­gan­ge­nen Straf­tat zu ge­win­nen, nach staats­an­walt­li­chem oder rich­ter­li­chem Er­mes­sen Ver­güns­ti­gun­gen, die in der Nicht­ver­fol­gung, Min­der­be­stra­fung oder Straf­frei­heit der ei­ge­nen Tat­bei­trä­ge be­ste­hen kön­nen, ein­ge­räumt wer­den.
  2. Hat ein Mit­glied­staat ei­nem Mit­tä­ter im Rah­men sei­ner Ju­ris­dik­ti­on und sei­ner na­tio­na­len Vor­schrif­ten der­ar­ti­ge Zu­sa­gen ge­macht, so kann dies auch vor den Ge­rich­ten an­de­rer Mit­glied­staa­ten gel­tend ge­macht wer­den.
  3. Die Aus­sa­gen ei­nes ko­ope­rie­ren­den tat­be­tei­lig­ten Zeu­gen wer­den nach den Be­weis­re­geln ge­wür­digt, die für das er­ken­nen­de na­tio­na­le Ge­richt gel­ten.
  4. Ei­ne Ver­ur­tei­lung der Mit­tä­ter we­gen der Mit­glied­schaft in ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on oder we­gen or­ga­ni­siert be­gan­ge­ner Straf­ta­ten soll nicht al­lein auf­grund der Aus­sa­gen ei­nes tat­be­tei­lig­ten Zeu­gen er­fol­gen, wenn die­sem für die Aus­sa­ge ei­ne Ver­güns­ti­gung ein­ge­räumt wur­de.

B) Schutz von ko­ope­ra­ti­ven Tat­be­tei­lig­ten

  1. Per­so­nen, die auf­grund ih­res für die Er­mitt­lung und Be­weis­füh­rung von or­ga­ni­siert be­gan­ge­nen Straf­ta­ten oder Straf­ta­ten kri­mi­nel­ler Ver­ei­ni­gun­gen von den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den als wich­tig an­ge­se­he­nen Wis­sens oder ih­rer Er­kennt­nis­se für den Fall der Wei­ter­ga­be ge­fähr­det sind, wer­den durch ef­fi­zi­en­te staat­li­che Maß­nah­men vor di­rek­ter oder in­di­rek­ter Form von Be­dro­hung, Druck oder Ein­schüch­te­rung vor, wäh­rend und nach dem Straf­ver­fah­ren ge­schützt.
  2. Falls Ge­fahr für das Le­ben oder die Ge­sund­heit von Ehe­gat­ten, El­tern, Kin­dern oder sons­ti­gen na­he­ste­hen­den Per­so­nen des Zeu­gen be­steht, ist die­ser Schutz auch die­sen Per­so­nen zu ge­wäh­ren, um je­de Form des in­di­rek­ten Drucks auf den Zeu­gen zu ver­hin­dern. An­schrift und al­le zur Iden­ti­fi­zie­rung des Zeu­gen ge­eig­ne­ten An­ga­ben sind auf An­trag des Zeu­gen oder von Amts we­gen von der zu­stän­di­gen Be­hör­de ge­heim­zu­hal­ten.
  3. Im Fall ex­tre­mer Ge­fähr­dung ist dem Zeu­gen und ge­ge­be­nen­falls auch sei­ner nä­he­ren Um­ge­bung die Mög­lich­keit ei­ner neu­en Iden­ti­tät zu ge­ben.
  4. Zu sei­nem Schutz ist dem Zeu­gen die Mög­lich­keit ein­zuräu­men, an ei­nem neu­tra­len Ort aus­zu­sa­gen. Falls zur Ver­mei­dung ei­ner be­son­de­ren Ge­fähr­dung er­for­der­lich, kann die Ver­neh­mung mit­tels au­dio-vi­su­el­len Ver­fah­rens un­ter Wah­rung des Fra­ge­rechts der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten er­fol­gen. Hier­bei sind die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten des er­su­chen­den Staa­tes so­weit als mög­lich zu be­rück­sich­ti­gen. Dem Zeu­gen ist die Bei­zie­hung ei­nes Rechts­bei­stands zu ge­stat­ten.

C) Ge­gen­sei­ti­ge in­ter­na­tio­na­le An­er­ken­nung der Straf­frei­heit ver­deck­ter Er­mitt­ler

  1. Hat ein Mit­glied­staat einen Be­am­ten oder ei­ne sonst ge­mäß sei­nen na­tio­na­len Vor­schrif­ten hier­zu be­son­ders le­gi­ti­mier­te Per­son er­mäch­tigt, sich ge­ge­be­nen­falls un­ter un­rich­ti­gen An­ga­ben über sei­ne Per­son oder sei­ne Le­ben­sum­stän­de zum Schein an ge­mein­schaft­lich oder ge­werbs­mä­ßig be­gan­ge­nen Straf­ta­ten zu be­tei­li­gen (ver­deck­ter Er­mitt­ler), so ge­währt je­der Mit­glied­staat für die durch die Er­mäch­ti­gung ge­deck­ten Straf­ta­ten Straf­frei­heit, so­weit dies nach sei­nen na­tio­na­len Vor­schrif­ten für von ei­ge­nen zu­stän­di­gen Be­hör­den er­mäch­tig­te Er­mitt­ler zu­läs­sig wä­re.
  2. Je­der Mit­glied­staat kann ver­lan­gen, daß die ge­plan­te Tä­tig­keit ver­deck­ter Er­mitt­ler an­de­rer Staa­ten auf sei­nem Staats­ge­biet den von ihm als zu­stän­dig be­zeich­ne­ten Be­hör­den un­ter Nen­nung der wah­ren Iden­ti­tät im vor­aus an­ge­zeigt wird.

4. Te­le­fon­über­wa­chung
(Text­fas­sung: En­ri­que Ba­ci­ga­lu­po)

  1. Die Über­wa­chung von Te­le­fon­ge­sprä­chen kann an­ge­ord­net wer­den, wenn schwer­wie­gen­de Hin­wei­se auf die Be­ge­hung oder die Vor­be­rei­tung ei­ner Straf­tat vor­lie­gen, die sich in ei­nem Ka­ta­log der Ta­ten fin­det, für de­ren Auf­klä­rung die Maß­nah­me zu­läs­sig ist. Die Te­le­fon­über­wa­chung soll grund­sätz­lich nicht an­ge­ord­net wer­den, wenn nicht nach­ge­wie­sen wird, daß sie zu Er­mitt­lungs­zwe­cken er­for­der­lich ist oder daß ei­ne Auf­klä­rung mit an­de­ren Mit­teln un­ver­hält­nis­mä­ßig auf­wen­dig wä­re.
  2. Die An­ord­nung der Maß­nah­me er­folgt auf An­trag der Staats­an­walt­schaft durch dem Er­mitt­lungs­rich­ter oder einen sonst zu­stän­di­gen Rich­ter (ent­spre­chend den Zu­stän­dig­keits­re­ge­lun­gen der Mit­glied­staa­ten). In drin­gen­den Fäl­len ist der Staats­an­walt zu­stän­dig, der dem Rich­ter un­ver­züg­lich (in­ner­halb von 24 Stun­den) Mit­tei­lung zu ma­chen hat. In die­sem Fall muß ei­ne Straf­kam­mer von min­des­tens drei Rich­tern die Maß­nah­me in­ner­halb von 48 Stun­den nach Ein­gang der Mit­tei­lung be­stä­ti­gen oder wi­der­ru­fen.
  3. Die Te­le­fon­über­wa­chung muß schrift­lich an­ge­ord­net wer­den und den Na­men, die An­schrift der be­trof­fe­nen Per­so­nen, die be­tref­fen­de Te­le­fon­num­mer so­wie die Dau­er der Über­wa­chung ent­hal­ten.
  4. Die Über­wa­chung kann längs­tens für ei­ne Dau­er von drei Mo­na­ten an­ge­ord­net und nur ein­mal um drei Mo­na­te ver­län­gert wer­den. Nur bei Vor­lie­gen be­son­de­rer Um­stän­de ist ei­ne wei­te­re Ver­län­ge­rung um drei Mo­na­te zu­läs­sig.
  5. Die Maß­nah­me kann so­wohl den Ver­däch­ti­gen als auch die­je­ni­gen be­tref­fen, die dem Ver­däch­ti­gen Nach­rich­ten über­mit­teln oder sol­che für ihn in Emp­fang neh­men oder die In­ha­ber ei­nes Te­le­fon­an­schlus­ses sind, der zum Teil von dem Ver­däch­ti­gen be­nutzt wird. Drit­te, de­nen ge­gen­über kei­ne Ver­dachts­mo­men­te be­ste­hen und de­ren Pri­vat­sphä­re ver­letzt wird, müs­sen ent­schä­digt wer­den.
  6. Die Ver­wer­tung des Be­weis­ma­te­ri­als, das durch die Te­le­fon­über­wa­chung er­langt wur­de, ist in an­de­ren Ver­fah­ren nur zu­läs­sig, wenn ei­ne An­ord­nung der Te­le­fon­über­wa­chung recht­lich zu­läs­sig ge­we­sen wä­re.
  7. Zu­fäl­lig durch ei­ne Te­le­fon­über­wa­chung er­lang­te In­for­ma­tio­nen kön­nen nur ver­wer­tet wer­den, wenn sie sich auf Straf­ta­ten be­zie­hen, für de­ren Auf­klä­rung ei­ne Te­le­fon­über­wa­chung hät­te an­ge­ord­net wer­den kön­nen.
  8. Die Auf­zeich­nun­gen der er­hal­te­nen In­for­ma­tio­nen müs­sen ver­nich­tet wer­den, so­bald sie nicht mehr be­nö­tigt wer­den, spä­tes­tens nach Ab­lauf von fünf Jah­ren nach Ver­kün­dung des Ur­teils oder Be­en­di­gung des Ver­fah­rens und, in je­dem Fall, wenn die Ver­jäh­rung der Straf­tat ein­ge­tre­ten ist.
  9. Ge­gen­über Rechts­an­wäl­ten, Geist­li­chen und an­de­ren Be­rufs­ge­heim­nis­trä­gern dür­fen Te­le­fon­über­wa­chun­gen nicht an­ge­ord­net wer­den. Die­se Re­gel fin­det kei­ne An­wen­dung, wenn Um­stän­de vor­lie­gen, die den Ver­dacht be­grün­den, daß der Be­rufs­ge­heim­nis­trä­ger ir­gend­ei­nen Bei­trag zur Be­ge­hung ei­ner Straf­tat leis­tet.
  10. Das Be­weis­ma­te­ri­al, das durch Te­le­fon­über­wa­chun­gen ge­won­nen wur­de, die un­ter Miß­ach­tung der ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen an­ge­ord­net wor­den sind, darf nicht ver­wer­tet wer­den. Auch die un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar aus un­zu­läs­si­gen Über­wa­chun­gen ge­won­ne­nen Be­weis­mit­tel dür­fen nicht ver­wer­tet wer­den. Die Auf­zeich­nun­gen aus Te­le­fon­über­wa­chun­gen, die auf un­recht­mä­ßi­ge Wei­se er­langt wur­den, so­wie die Be­wei­se, die auf­grund die­ser Auf­zeich­nun­gen er­langt wur­den, müs­sen un­ver­züg­lich aus den Ak­ten ent­fernt und ver­nich­tet wer­den. So­bald die Te­le­fon­über­wa­chung ab­ge­schlos­sen ist, muß der Er­mitt­lungs­rich­ter oder der­je­ni­ge, wel­cher die Maß­nah­me an­ge­ord­net hat, die Ver­tei­di­gung und den Staats­an­walt zu der Fra­ge der Recht­mä­ßig­keit der Maß­nah­me und der Ver­wer­tung hö­ren.