Die Ar­beit er­ör­tert zu­nächst den der­zei­ti­gen Kennt­nis­stand über die Aus­wir­kung des Straf­ver­fah­rens auf kind­li­che Op­fer­zeu­gen. Dar­an an­schlie­ßend wird der ak­tu­el­le ge­setz­li­che Rah­men für den Um­gang mit Kin­dern als Op­fer­zeu­gen dar­ge­stellt so­wie der heu­ti­ge Stand der Im­ple­men­ta­ti­ons­for­schung be­han­delt.
Der em­pi­ri­sche Teil der Ar­beit ba­siert auf zwei un­ter­schied­li­chen Me­tho­den. Den einen Haupt­teil der Un­ter­su­chung bil­det ei­ne Ak­ten­stu­die, die im Bun­des­land Hes­sen durch­ge­führt wur­de. Da­bei wird die Im­ple­men­ta­ti­on von Nor­men mit op­fer­zeu­gen­schüt­zen­dem Cha­rak­ter an­hand von 607 Strafak­ten über­prüft. Erst­ma­lig wer­den da­bei ne­ben der Un­ter­su­chungs­grup­pe, die sich aus kind­li­chen Op­fer­zeu­gen von Se­xual­de­lik­ten re­kru­tiert, noch zwei Kon­troll­grup­pen in die Stu­die mit­ein­be­zo­gen. Der zwei­te Haupt­teil der Un­ter­su­chung wid­met sich den Er­geb­nis­sen ei­ner stan­dar­di­sier­ten schrift­li­chen Be­fra­gung an al­len deut­schen Amts- und Land­ge­rich­ten dar­über, wel­che Maß­nah­men ge­trof­fen wer­den, wenn Kin­der an die­sen Ge­rich­ten als Zeu­gen aus­sa­gen sol­len. Die aus bei­den Un­ter­su­chun­gen ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se wer­den im Hin­blick auf die Zie­le der Ar­beit ana­ly­siert und un­ter rechts­po­li­ti­schen Ge­sichts­punk­ten be­wer­tet. Da­bei zeigt sich, dass der deut­sche Straf­pro­zess im Um­gang mit kind­li­chen Op­fer­zeu­gen ent­ge­gen der all­ge­mei­nen Mei­nung eher un­ter ei­nem Voll­zugs- als ei­nem Pro­gramm­de­fi­zit lei­det.