Das Pro­jekt be­fasst sich mit der Ent­ste­hung und der Ent­wick­lung kri­mi­nel­ler Kar­rie­ren vor dem Hin­ter­grund der staat­li­chen straf­recht­li­chen Re­ak­ti­on auf kri­mi­nel­les Ver­hal­ten. Kern­punkt des For­schungs­in­ter­es­ses war da­bei die Ana­ly­se der Aus­wir­kun­gen der for­mel­len Re­ak­ti­on in Form ei­ner Frei­heits­s­tra­fe auf den Ver­lauf ei­ner kri­mi­nel­len Kar­rie­re.

Die Aus­wir­kun­gen des straf­recht­li­chen Sys­tems Chinas wer­den am Bei­spiel von Ge­fäng­nis­in­sas­sen em­pi­risch er­fasst und mit den be­ste­hen­den theo­re­ti­schen Hy­po­the­sen und an­de­ren em­pi­ri­schen For­schun­gen ver­gli­chen. Die Ziel­set­zung des Pro­jekts ver­spricht so­mit einen wich­ti­gen Bei­trag zur in­ter­na­tio­na­len Kar­rie­re­for­schung, da die­se in der west­li­chen Mo­der­ne ent­wi­ckel­ten Hy­po­the­sen vor der po­li­ti­schen, öko­no­mi­schen, so­zia­len und kul­tu­rel­len Ent­wick­lung Chinas aus ei­ner neu­en Per­spek­ti­ve be­trach­tet und in ei­ner an­ders­ar­ti­gen Um­welt an­ge­wandt wer­den.

Kern­stück des Pro­jekts bil­det die ei­ge­ne em­pi­ri­sche Un­ter­su­chung, in der Quer­schnitts­da­ten von ei­ner Stich­pro­be Ge­fan­ge­ner in 12 chi­ne­si­schen Ge­fäng­nis­sen er­ho­ben und ana­ly­siert wur­den. Ins­ge­samt wur­den im Früh­jahr 2006 in sie­ben Män­ner- und fünf Frau­en­ge­fäng­nis­sen 1164 Ge­fan­ge­ne be­fragt. Die Be­fra­gung der Pro­ban­den er­folg­te mit­tels ei­nes stan­dar­di­sier­ten Fra­ge­bo­gens, wel­cher für die Rück­fäl­li­gen um einen Zu­satz­teil zu wei­te­ren Ver­ur­tei­lun­gen er­gänzt wur­de. Die Da­ten wur­den so­dann im Hin­blick auf die Rück­fäl­lig­keit meist in bi­va­ria­ter Form ana­ly­siert und teil­wei­se ei­ner mul­ti­va­ria­ten Aus­wer­tung in Form ei­ner lo­gis­ti­schen Re­gres­si­on zu­ge­führt. Um die in­di­vi­du­el­len Be­son­der­hei­ten und Pro­zes­se er­fas­sen zu kön­nen, wur­den zu­dem In­ter­views mit Be­trof­fe­nen durch­ge­führt. Hin­sicht­lich der Aus­sa­ge­kraft der Un­ter­su­chung wird auf die Be­schrän­kung auf die ge­richt­lich er­fass­te Kri­mi­na­li­tät so­wie die re­tro­spek­ti­ve Er­he­bung hin­ge­wie­sen.