In dieser Längsschnittstudie wird die Legalbewährung von allen in Deutschland justiziell registrierten Personen untersucht. 2016 lagen die Ergebnisse von drei Erhebungswellen vor. Die Legalbewährung von Personen, die 2004, 2007 oder 2010 verurteilt oder aus der Haft entlassen wurden, wurde bestimmt. Das Projekt wird aktuell um eine vierte Welle ergänzt. Grundlage der Analysen, die auch spezielle Deliktsfelder betreffen, sind die Sanktion, die Legalbiografie, sowie Alter und Geschlecht.

In die­ser Stu­die wird die Le­gal­be­wäh­rung von al­len in Deutsch­land jus­ti­zi­ell re­gis­trier­ten Per­so­nen in Ab­hän­gig­keit von De­likt, Sank­ti­ons­art und -hö­he, so­wie mög­li­chen Vor­ein­tra­gun­gen, der Re­gi­on und so­zio­demo­gra­fi­schen Merk­ma­len wie Al­ter und Ge­schlecht un­ter­sucht. So kann zum Bei­spiel er­mit­telt wer­den, wie häu­fig es bei we­gen Ge­walt­de­lik­ten oder Se­xual­de­lik­ten be­straf­ten Tä­tern zu Rück­fäl­len kommt. Auch häu­fig ge­äu­ßer­te kri­mi­nal­po­li­ti­sche Auf­fas­sun­gen zu un­ter­schied­li­chen Rück­fall­ra­ten bei ver­schie­de­nen Sank­ti­ons­ty­pen kön­nen mit die­ser Un­ter­su­chung auf ei­ner ge­si­cher­ten Grund­la­ge über­prüft wer­den. Da­bei muss al­ler­dings be­ach­tet wer­den, dass zu­nächst ein­mal le­dig­lich die Häu­fig­keit des Rück­falls be­nannt wer­den kann, oh­ne dass da­mit Aus­sa­gen über Kau­sal­zu­sam­men­hän­ge ge­trof­fen wer­den kön­nen. Geld­stra­fen wer­den von den Ge­rich­ten von vor­ne­he­rein bei we­ni­ger schwe­ren Straf­ta­ten und bei Tä­tern mit güns­ti­ge­rer So­zi­al­pro­gno­se ver­hängt, so dass es sich bei den im Voll­zug be­find­li­chen Ver­ur­teil­ten um ei­ne Art „Ne­ga­ti­vaus­le­se“ han­delt, de­ren häu­fi­ge­res Ver­sa­gen bei der Le­gal­be­wäh­rung nicht über­ra­schend ist. Über­ra­schend ist hier viel­leicht eher, dass es den­noch ver­gleichs­wei­se sel­ten zu Rück­fäl­len kommt. Kon­trol­liert man die­sen Se­lek­ti­ons­ef­fekt, so ist kein Un­ter­schied des Rück­fall­ri­si­kos zwi­schen den Sank­ti­ons­ar­ten fest­zu­stel­len.

In der drit­ten Er­he­bungs­wel­le wur­den Per­so­nen, ge­gen die im Jahr 2004, 2007 oder 2010 ent­we­der ei­ne nicht frei­heits­ent­zie­hen­de Sank­ti­on ver­hängt wur­de oder die aus dem Voll­zug ei­ner frei­heits­ent­zie­hen­den Sank­ti­on ent­las­sen wur­den, in­ner­halb ei­nes drei­jäh­ri­gen bzw. neun­jäh­ri­gen Rück­fall­zeit­raums dar­auf­hin un­ter­sucht, ob sie er­neut we­gen ei­ner wei­te­ren Straf­tat ver­ur­teilt wur­den.

Die Er­geb­nis­se der drit­ten Er­he­bungs­wel­le wur­den 2016 ver­öf­fent­licht. Das Pro­jekt wird in Zu­sam­men­ar­beit mit dem In­sti­tut für Kri­mi­nal­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen durch­ge­führt. Auf­trag­ge­ber des Pro­jekts war das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz.

Im Fol­gen­den wer­den ei­ni­ge Er­geb­nis­se der Stu­die zu­sam­men­ge­fasst:

  • Et­was mehr als ein Drit­tel der straf­recht­li­chen Sank­tio­nier­ten bzw. aus der Haft Ent­las­se­nen wur­de in­ner­halb des Ri­si­ko­zeit­raums von drei Jah­ren er­neut straf­fäl­lig.
  • Ei­ne er­neu­te straf­recht­li­che Re­ak­ti­on führ­te über­wie­gend nicht zu ei­ner voll­streck­ten Frei­heits­ent­zie­hung, son­dern meist zu mil­de­ren Sank­tio­nen.
  • Ent­las­se­ne Straf­ge­fan­ge­ne wer­den am häu­figs­ten rück­fäl­lig, aber nur ein Vier­tel, der zu ei­ner Frei­heits­s­tra­fe Ver­ur­teil­ten kehrt in­ner­halb von drei Jah­ren wie­der in den Voll­zug zu­rück.
  • Die Rück­fall­ra­ten von zu Be­wäh­rungs­stra­fen Ver­ur­teil­ten lie­gen deut­lich nied­ri­ger als die Rück­fall­ra­ten von Straf­ent­las­se­nen.
  • Die Rück­fall­häu­fig­keit va­ri­iert stark je nach Al­ter und Ge­schlecht. Ju­gend­li­che wei­sen mit über 40 % die höchs­te Rück­fall­ra­te auf, die über 60-Jäh­ri­gen mit 15 % die ge­rings­te. Frau­en wer­den deut­lich sel­te­ner rück­fäl­lig als Män­ner.
  • Je schwe­rer die Vor­stra­fen­be­las­tung, de­sto hö­her ist das Rück­fall­ri­si­ko.
  • Die all­ge­mei­ne Rück­fäl­lig­keit – gleich­gül­tig we­gen wel­cher Straf­tat – un­ter­schei­det sich stark bei ver­schie­de­nen De­likts­grup­pen. Die nied­rigs­te Rück­fall­ra­te mit un­ter 20 % wei­sen we­gen Tö­tungs­de­lik­ten Ver­ur­teil­te auf. Von den Tä­tern, die we­gen ei­nes Raub­de­likts oder we­gen ei­ner schwe­ren Form des Dieb­stahls ver­ur­teilt wa­ren, wur­de et­wa je­der zwei­te rück­fäl­lig.
  • Ein­schlä­gi­ge Rück­fäl­le, d.h. er­neu­te Ver­ur­tei­lun­gen we­gen ei­ner Tat aus der­sel­ben De­likt­grup­pe, sind deut­lich sel­te­ner als all­ge­mei­ne Rück­fäl­le. Et­was we­ni­ger als 1 % der se­xu­el­len Ge­walt­straf­tä­ter wur­den in­ner­halb von drei Jah­ren ein­schlä­gig rück­fäl­lig, knapp 3 % in­ner­halb von sechs Jah­ren und et­was mehr als 3 % in­ner­halb von neun Jah­ren.

Ak­tu­ell wird das Pro­jekt um ei­ne vier­te Er­he­bungs­wel­le er­gänzt, die von der DFG fi­nan­ziert wird. Die Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­se sol­len 2020 ver­öf­fent­licht wer­den.