Weltweit wird das repressive Strafrecht im Hinblick auf seine funktionalen Grenzen verschoben. So wurden u.a. Verhaltensweisen im Vorfeld eines Terroranschlags in vielen Ländern unter Strafe gestellt. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Unrechtsbegründung bei Versuchs- und Vorbereitungshandlungen im deutschen und englischen Strafrecht. Die Ermittlung der Hintergründe der Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Problembehandlung soll zu rechtsstaatlichen Mindeststandards für das neue Sicherheitsrecht führen.

In der mo­der­nen Ri­si­ko­ge­sell­schaft wird die straf­recht­li­che Ver­ant­wort­lich­keit welt­weit zeit­lich vor­ver­la­gert. Im­mer frü­he­re Pha­sen der Ver­wirk­li­chung ei­nes de­lik­ti­schen Wil­lens wer­den aus dem ge­sam­ten Hand­lungs­ge­sche­hen her­aus­ge­löst und zu straf­ba­rem Ver­hal­ten er­klärt. Da­durch wird v.a. der mög­lichst früh­zei­ti­ge Ein­satz der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den bezweckt, so­dass Ge­fah­ren ef­fek­tiv be­sei­tigt wer­den kön­nen. Die­ses Pro­blem der funk­tio­na­len Gren­zen des Straf­rechts zeigt sich ins­be­son­de­re in Ge­stalt von straf­ba­ren Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen. Da­bei han­delt es sich meis­tens um die Pla­nung ei­nes De­likts, wel­che sich in bis­lang als so­zi­al­ad­äquat be­trach­te­ten Hand­lun­gen ma­ni­fes­tiert hat. So wur­den auf­grund in­ter­na­tio­na­ler Vor­ga­ben in vie­len na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen ver­schie­de­ne Hand­lungs­wei­sen im Vor­feld ei­nes Ter­ror­an­schlags un­ter Stra­fe ge­stellt, wenn sie in der Ab­sicht er­folg­ten, Ter­ror­ak­te zu be­ge­hen. Frag­lich bleibt al­ler­dings, ob und in­wie­weit durch der­ar­ti­ge Hand­lun­gen straf­ba­res Un­recht be­grün­det wird.

Ge­gen­stand des Dis­ser­ta­ti­ons­pro­jekts ist die Be­stim­mung der un­rechts­be­grün­den­den Mo­men­te von Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen – ins­be­son­de­re vor der Durch­füh­rung ter­ro­ris­ti­scher An­grif­fe – im deut­schen und eng­li­schen Straf­recht. Als Be­zugs­punkt dient da­bei der straf­ba­re Ver­such, ei­ne prä­ven­tiv ori­en­tier­te Fi­gur des All­ge­mei­nen Teils des Straf­rechts. Ziel ist es, die Kri­te­ri­en zur Be­grün­dung straf­ba­ren Un­rechts bei Ver­suchs- und Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen in bei­den Rechts­ord­nun­gen zu iden­ti­fi­zie­ren und be­wer­tend ge­gen­über­zu­stel­len. Da­durch wer­den so­wohl Be­son­der­hei­ten der na­tio­na­len Rechts­sys­te­me als auch ein in rechts­staat­li­cher Hin­sicht un­ver­zicht­ba­rer „Min­de­stun­rechts­ge­halt“ für das Ver­hal­ten des Ein­zel­tä­ters auf­ge­zeigt.

Die Un­ter­su­chung er­folgt im We­ge der funk­tio­na­len Rechts­ver­glei­chung. Mit Blick auf die Staats- und Rechts­theo­rie wer­den zu­nächst die Ker­n­ele­men­te der Auf­ga­ben­be­stim­mung des Straf­rechts so­wie die Kri­te­ri­en zur Be­grün­dung straf­ba­ren Un­rechts für je­de der bei­den Rechts­ord­nun­gen ge­son­dert her­aus­ge­ar­bei­tet. Dar­aus er­ge­ben sich die Maß­stä­be für den ei­gent­li­chen Rechts­ver­gleich. Auf die­ser Ba­sis wird dann die Be­grün­dung straf­ba­ren Un­rechts bei Ver­suchs- und Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen in der deut­schen und eng­li­schen Ge­setz­ge­bung, Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur ana­ly­siert. Ins­be­son­de­re die Er­ör­te­rung der all­ge­mei­nen dog­ma­ti­schen Fra­ge der Ab­gren­zung zwi­schen Ver­such und Vor­be­rei­tung so­wie die Be­zug­nah­me auf ci­vil law- und com­mon law-Rechts­sys­te­me dürf­ten zu auf­schluss­rei­chen Er­geb­nis­sen be­züg­lich der rechts­staat­li­chen und ins­be­son­de­re frei­heit­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen an die Er­fül­lung der staat­li­chen Auf­ga­be der Ge­währ­leis­tung von Si­cher­heit füh­ren.