Seit Ende der 80er Jahre wurde der Gruppe der deutschstämmigen Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion und deren Integrationsproblemen besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Die Annahme einer leichten oder "geräuschlosen" Integration der Spätaussiedler in die deutsche Gesellschaft, die lange Zeit vorausgesetzt worden war, geriet immer mehr in Zweifel. Neu war auch die seit Anfang der 90er Jahre entstandene Diskussion über die zunehmende Kriminalisierung von jugendlichen Spätaussiedlern, die als Folge der mangelhaften Integration in der aussiedlerbezogenen Debatte gesehen wurde.

Die­se Ar­beit ver­folg­te zwei Zie­le: Das ers­te Ziel war, dem Ur­sprung von Mi­gra­ti­ons­pro­ble­men nach­zu­spü­ren. In der theo­re­ti­schen Per­spek­ti­ve der Ar­beit ge­wann der Na­tio­nal­staat, in dem sich die so­zia­len Me­cha­nis­men mit ih­ren sym­bo­li­schen und in­sti­tu­tio­na­li­sier­ten Prak­ti­ken der so­zia­len Aus­schlie­ßung ver­wirk­li­chen, zen­tra­le Be­deu­tung. Die Ver­la­ge­rung des Schwer­punkts auf den Na­tio­nal­staat führ­te zur Ana­ly­se der na­tio­nal­staat­li­chen Kon­struk­ti­on von Mi­gra­tio­nen als spe­zi­fi­sches Phä­no­men und der na­tio­nal­staat­lich be­ding­ten Ent­ste­hung so­zia­ler Gren­zen zwi­schen dem Ei­ge­nen und dem Frem­den. In die­ser Ar­beit wird der Kon­struk­ti­ons­pro­zess am Bei­spiel von drei Me­cha­nis­men oder Ebe­nen ver­deut­licht:

  • ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen, die das Auf­nah­me­ver­fah­ren ei­ner Zu­wan­de­rungs­grup­pe be­stim­men,
  • ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen, die den Rah­men für die In­klu­si­on von Mi­gran­ten in Sys­te­me so­zia­ler und wohl­fahrts­staat­li­cher Leis­tun­gen bil­den,
  • sym­bo­li­sche Dar­stel­lung von Mi­gran­ten in der me­dia­len De­bat­te.


Das zwei­te Ziel war es fest­zu­stel­len, ob zwi­schen dem na­tio­nal­staat­li­chen Kon­struk­ti­ons­pro­zess und der Kri­mi­na­li­sie­rung der ju­gend­li­chen Spätaus­sied­ler ein Zu­sam­men­hang be­steht, das heißt, ob die Ent­ste­hung von ab­wei­chen­den Ver­hal­tens­for­men von ih­rer durch den Spätaus­sied­l­er­sta­tus be­ding­ten so­zia­len Stel­lung ab­zu­lei­ten ist. Die­ser Zu­sam­men­hang wur­de mit Hil­fe von In­ter­views mit Spätaus­sied­ler­ju­gend­li­chen er­forscht.