Die Ziele der Untersuchung waren die Analyse, der Vergleich und die Evaluierung der verschiedenen Modelle zur grenzüberschreitenden Beweissammlung im Strafrecht der Europäischen Union. Die Arbeit geht davon aus, das die grenzüberschreitende Beweissammlung auf dem Modell beruhen muss, das die Interessen aller Teilnehmer dieses Verfahrens am besten berücksichtigt und ins Gleichgewicht bringt. Dies sind die Interessen der an der Kooperation beteiligten Mitgliedsstaaten, Individuen und der EU.

Die Zu­sam­men­ar­beit bei der grenz­über­schrei­ten­den Be­weis­er­he­bung im Straf­recht der Eu­ro­päi­schen Uni­on ist der­zeit durch Re­ge­lun­gen de­fi­niert, die auf zwei Mo­del­len der jus­ti­zi­el­len Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen grün­den. Die ers­te Grup­pe von Re­ge­lun­gen ba­siert auf dem Kon­zept der tra­di­tio­nel­len Rechts­hil­fe, die zwei­te Grup­pe auf dem Grund­satz der ge­gen­sei­ti­gen An­er­ken­nung. Die­se bei­den Mo­del­le sind der zen­tra­le For­schungs­ge­gen­stand der Dis­ser­ta­ti­on. Wei­te­re mög­li­che und vor­ge­schla­ge­ne Lö­sun­gen zur grenz­über­schrei­ten­den Be­weis­er­he­bung wer­den je­doch eben­falls dar­ge­stellt und ana­ly­siert.

Haupt­zie­le der Un­ter­su­chung wa­ren die Ana­ly­se, der Ver­gleich und die Eva­lu­ie­rung der Mo­del­le zur grenz­über­schrei­ten­den Zu­sam­men­ar­beit bei der Be­weis­er­he­bung. Ih­re Aus­gangs­hy­po­the­se war fol­gen­de: Die jus­ti­zi­el­le Zu­sam­men­ar­beit bei der grenz­über­schrei­ten­den Be­weis­er­he­bung im Straf­recht der Eu­ro­päi­schen Uni­on muss auf ei­nem Mo­dell grün­den, das die In­ter­es­sen al­ler Teil­neh­mer die­ses Ver­fah­rens be­rück­sich­tigt und in ein Gleich­ge­wicht bringt. Die­se Teil­neh­mer sind die an der Zu­sam­men­ar­beit be­tei­lig­ten Mit­glied­staa­ten, die be­trof­fe­nen In­di­vi­du­en so­wie die Eu­ro­päi­sche Uni­on.

Um das Ziel der Un­ter­su­chung zu er­rei­chen und ei­ne Ant­wort auf die ge­stell­ten For­schungs­fra­gen ge­ben zu kön­nen, ver­wen­de­te die Un­ter­su­chung fol­gen­de – für die Rechts­wis­sen­schaf­ten cha­rak­te­ris­ti­schen – For­schungs­me­tho­den: die theo­re­ti­sche Me­tho­de, die nor­ma­ti­ve Me­tho­de, die kom­pa­ra­ti­ve Me­tho­de und die der Fall­ana­ly­se.

Die For­schungs­er­geb­nis­se der Un­ter­su­chung las­sen sich wie folgt zu­sam­men­fas­sen:

1. Das Kon­zept der tra­di­tio­nel­len Rechts­hil­fe kann die Her­aus­for­de­run­gen trans­na­tio­na­ler Kri­mi­na­li­tät nicht an­ge­mes­sen be­wäl­ti­gen. Ant­wor­ten im Be­reich der grenz­über­schrei­ten­den Be­weis­er­he­bung müs­sen al­so im Rah­men an­de­rer Re­ge­lun­gen ge­sucht wer­den.

2. Das Mo­dell der ge­gen­sei­ti­gen An­er­ken­nung von Be­weis­er­he­bun­gen stellt dem­ge­gen­über so­wohl theo­re­tisch als auch nor­ma­tiv einen ge­eig­ne­te­ren Rah­men für die grenz­über­schrei­ten­de Be­weis­er­he­bung im Straf­recht der Eu­ro­päi­schen Uni­on dar, da es die In­ter­es­sen ei­ner ef­fek­ti­ven trans­na­tio­na­len Straf­ver­fol­gung, des Er­halts der na­tio­na­len Straf­rechts­ord­nun­gen und des Schut­zes der Grund­rech­te des In­di­vi­du­ums bes­ser in ein Gleich­ge­wicht bringt.

3. Die Har­mo­ni­sie­rung na­tio­na­ler Straf­rechts­ord­nun­gen wür­de die auf dem Grund­satz der ge­gen­sei­ti­gen An­er­ken­nung grün­den­de Zu­sam­men­ar­beit na­tio­na­ler Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den we­sent­lich er­leich­tern. Ei­ne sol­che Lö­sung im Rah­men ei­nes har­mo­ni­sier­ten ma­te­ri­el­len und pro­zes­sua­len Straf­rechts wür­de die Ef­fek­ti­vi­tät der Re­ge­lun­gen er­hö­hen und könn­te als An­reiz zur Stär­kung der Rech­te des In­di­vi­du­ums im Rah­men trans­na­tio­na­ler Straf­ver­fol­gung die­nen.

4. Die Ent­wick­lung von Ele­men­ten ei­ner su­pra­na­tio­na­len Straf­rechts­ord­nung ist in den Be­rei­chen not­wen­dig, in de­nen das In­ter­es­se des Schut­zes ein­zel­ner Rechts­gü­ter ein pri­märes In­ter­es­se der Eu­ro­päi­schen Uni­on ist und rein na­tio­na­len Re­ge­lun­gen auf der Ba­sis ei­ner Zu­sam­men­ar­beit na­tio­na­ler Straf­rechts­ord­nun­gen kei­ne ad­äqua­te Ant­wort er­war­ten las­sen.

5. Es be­ste­hen kei­ne Be­den­ken, un­ter­schied­li­che Mo­del­le der grenz­über­schrei­ten­den Zu­sam­men­ar­beit in kla­rer Ab­gren­zung ih­rer An­wen­dungs­be­rei­che für die grenz­über­schrei­ten­de Be­weis­er­he­bung im Straf­recht der Eu­ro­päi­schen Uni­on gleich­zei­tig an­zu­wen­den.

Das Pro­jekt wur­de im Rah­men ei­nes Co­tu­tel­le-Pro­mo­ti­ons­ver­fah­rens der Uni­ver­si­tä­ten Frei­burg und Za­greb un­ter Lei­tung von Prof. Dr. Ul­rich Sie­ber und Prof. Dr. Zla­ta Dur­de­vic durch­ge­führt und 20??? ab­ge­schlos­sen.