In einem vom United States Institute of Peace (USIP - Washington/USA) und dem Irish Centre for Human Rights (ICHR - Galway/Irland) in Zusammenarbeit mit dem United Nations High Commissioner for Human Rights und dem United Nations Office on Drugs and Crime ins Leben gerufenen Projekt werden Modellgesetzbücher für Post-Konflikt-Gesellschaften entwickelt. Die Modellgesetzbücher werden in kommentierten Versionen veröffentlicht und sollen eine Grundlage für den (Wieder)Aufbau von Kriminaljustiz und Ordnungssystemen in Post-Konflikt-Gesellschaften bilden. Die Modellgesetzbücher betreffen ein Modellstrafgesetzbuch (Allgemeiner und Besonderer Teil), eine Modellstrafprozessordnungs sowie ein Modellstrafvollzugsgesetz.

Aus­gangs­punkt für das Pro­jekt ist der un­ab­weis­ba­re Be­darf an ei­ner Re­form des Kri­mi­nal­rechts und des Ord­nungs­rechts in Ge­sell­schaf­ten, in de­nen nach Bür­ger­krie­gen und dem hier­durch ver­ur­sach­ten Zer­fall staat­li­cher Ord­nung all­ge­mei­ne Si­cher­heits­be­dürf­nis­se, die spe­zi­el­le Nach­fra­ge nach Rechts­si­cher­heit so­wie ei­ne rechts­staat­li­che Ant­wort auf schwe­re Ver­bre­chen der ge­walt­tä­ti­gen Ver­gan­gen­heit drän­gen­de Auf­ga­ben auch der In­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft dar­stel­len. Im Jahr 2000 hat sich der Re­port of the Pa­nel on Uni­ted Na­ti­ons Pe­ace Ope­ra­ti­ons (auch "Bra­hi­mi Re­port" ge­nannt) mit den fak­ti­schen und recht­li­chen Pro­ble­men be­schäf­tigt, de­nen sich die Ver­ein­ten Na­tio­nen aus­ge­setzt se­hen, wenn in Post-Kon­flikt-Län­dern Recht und Jus­tiz re­for­miert be­zw. wie­der­her­ge­stellt wer­den sol­len. Der Be­richt be­ton­te die Be­deu­tung proak­ti­ver Ant­wor­ten auf den Be­darf an Rechts­re­for­men und un­ter­strich be­son­ders den Be­darf an In­stru­men­ten, die den in der Re­form der Kri­mi­nal­jus­tiz tä­ti­gen Ak­teu­ren zur Ver­fü­gung ste­hen müs­sen. Der Re­port of the Se­cre­ta­ry-Ge­ne­ral on the Ru­le of Law and Tran­si­tio­nal Ju­sti­ce in Con­flict and Post-con­flict So­cie­ties aus dem Jah­re 2004 hat die For­de­run­gen des "Bra­hi­mi-Be­richts" auf­ge­grif­fen. Zahl­rei­che Prak­ti­ker, die in den Wie­der­auf­bau des Rechts­sys­tems und in die Schaf­fung recht­li­cher Ka­pa­zi­tä­ten in Post-Kon­flikt-Län­dern ein­ge­bun­den wa­ren, ha­ben den Be­darf an Hilfs­in­stru­men­ten recht­li­cher Art be­stä­tigt. Des­halb ha­ben sich das Frie­dens­in­sti­tut Wa­shing­ton so­wie das Iri­sche Zen­trum für Men­schen­rech­te dar­auf ver­stän­digt, das Pro­jekt "Mo­dell­ge­setz­bü­cher für Post-Kon­flikt-Ge­sell­schaf­ten" auf­zu­le­gen und einen voll­stän­di­gen und um­fas­sen­den Satz von Mo­dell­ge­set­zen zu ent­wi­ckeln, die für den Be­reich der Straf­jus­tiz im Pro­zess des Auf­baus rechts­staat­li­cher Struk­tu­ren von in­ter­na­tio­na­len und na­tio­na­len Re­for­mak­teu­ren ge­nutzt wer­den kön­nen.

Die Ent­wick­lung der Mo­dell­ge­setz­bü­cher er­folg­te und er­folgt auf ei­ne Art und Wei­se, die ih­rer po­ten­ti­el­len in­ter­kul­tu­rel­len und in­ter­na­tio­na­len Ver­wen­dung Rech­nung trägt. Ins­be­son­de­re soll­ten die großen Rechts­sys­te­me der Ge­gen­wart im Ent­ste­hungs­pro­zess der Mo­dell­ge­setz­bü­cher ver­tre­ten sein. Glei­cher­ma­ßen wur­de dar­auf ge­ach­tet, dass in­ter­na­tio­na­le Ak­teu­re, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen so­wie an Frie­dens­ope­ra­tio­nen der Ver­ein­ten Na­tio­nen be­tei­lig­te Prak­ti­ker in die Ent­wick­lung ein­ge­bun­den wa­ren.

Die Mo­dell­ge­setz­bü­cher be­ste­hen aus 3 in­te­grier­ten Mo­dell­ge­set­zen. Die­se be­zie­hen sich auf ein Mo­dell­straf­ge­setz­buch (Mo­del Cri­mi­nal Co­de), das einen all­ge­mei­nen und einen be­son­de­ren Teil um­fasst, auf ei­ne Mo­dell­straf­pro­zess­ord­nung (Mo­del Co­de of Cri­mi­nal Pro­ce­du­re), so­wie auf ein Mo­dell­frei­heits­ent­zie­hungs- und -straf­voll­zugs­ge­setz (Mo­del De­ten­ti­on Act), mit dem so­wohl die Frei­heits­ent­zie­hung vor und wäh­rend ei­ner Haupt­ver­hand­lung als auch die Straf­haft ge­re­gelt wer­den.   

Die Ver­öf­fent­li­chung der Mo­dell­straf­ge­setz­bü­cher wird in 3 Bän­den er­fol­gen. Der ers­te Band wur­de 2007 ver­öf­fent­licht und ent­hält den Mo­del Cri­mi­nal Co­de mit Be­gleit­kom­men­ta­ren. Der zwei­te Band mit dem Mo­del Co­de of Cri­mi­nal Pro­ce­du­re und Be­gleit­kom­men­ta­ren er­schi­en 2008. Die Ver­öf­fent­li­chung des drit­ten Ban­des mit dem Mo­del De­ten­ti­on Act ist in Pla­nung. Je­der der 3 Bän­de wird au­ßer­dem die "Gui­de­li­nes for Use of the Mo­del Co­des for Post­con­flict Cri­mi­nal Ju­sti­ce" ent­hal­ten.

Mee­ting of Is­la­mic Le­gal Ex­perts in Si­ra­cu­sa/Ita­ly in Ju­ly 2004
Meeting of Islamic legal experts in Siracusa/Italy in July 2004
Meeting of Islamic legal experts in Siracusa/Italy in July 2004
From the left:
Mo­ham­med Aki­da, De­part­ment of Cri­mi­nal Law, Eins Shams Uni­ver­si­ty, Egypt
Awad Hassan el-Nour, Ju­sti­ce Coun­cil, In­sti­tu­te of Trai­ning and Law Re­form, Su­dan
Co­let­te Rausch, De­pu­ty Di­rec­tor, Ru­le of Law Pro­gram, Uni­ted States In­sti­tu­te of Pe­ace

Mee­ting of Asi­an Le­gal Ex­perts in Bang­kok/Thai­land in No­vem­ber 2004
Meeting of Asian legal experts in Bangkok/Thailand in November 2004