Angesichts der raschen Entwicklung des privaten Sicherheitsgewerbes in Deutschland und dem vergleichsweise geringen Umfang bisheriger empirischer Forschungsarbeiten in diesem Bereich wurde Ende 1996 ein Auftrag durch das Bundeskriminalamt im Rahmen einer öffentlichen Projektausschreibung vergeben, dessen Ziel es war, dem Zusammenhang zwischen Einstellungen und Kriminalitätsfurcht der Bürger und der fortschreitenden Privatisierung von Aufgabenfeldern der Inneren Sicherheit nachzugehen. Hierzu wurde ein dreistufiges Forschungsdesign entwickelt, das neben einer Bevölkerungsbefragung im Jahr 1997 in den vier Städten Freiburg (N = 414), Frankfurt/Main (N = 308), Erfurt (N = 335) und Dresden (N = 352), einer Medienanalyse zur Berichterstattung über private Sicherheitsdienste in den am häufigsten gelesenen Tageszeitungen der genannten Kommunen auch Experteninterviews mit Mitarbeitern privater Sicherheitsdienste, Angehörigen der Polizei sowie Vertretern von Handel und Kommunen umfaßte.

Die Er­geb­nis­se des For­schungs­pro­jekts zeig­ten an­hand der Bür­ger­be­fra­gung, daß die Frank­fur­ter, aber auch die Er­fur­ter Bür­ger die meis­ten Er­fah­run­gen mit pri­va­ten Si­cher­heits­diens­ten hat­ten, am sel­tens­ten da­ge­gen die Frei­bur­ger. Zu­meist wur­den Si­cher­heits­diens­te in La­den­ge­schäf­ten, Ein­kaufs­zen­tren oder im öf­fent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr wahr­ge­nom­men, die vor­wie­gen­den Tä­tig­keits­be­rei­che be­zo­gen sich ent­spre­chend auf Ob­jekt­schutz und Ord­ner­diens­te so­wie auf die Be­glei­tung von Geldtrans­por­ten.

Ein Schwer­punkt der Ar­beit be­zog sich auf die Ein­stel­lun­gen der Bür­ger ge­gen­über pri­va­ten Si­cher­heits­diens­ten. Da­bei konn­te fest­ge­stellt wer­den, daß sie meis­ten Be­frag­ten der An­sicht wa­ren, daß Mit­ar­bei­ter pri­va­ter Si­cher­heits­diens­te im all­ge­mei­nen freund­lich und ver­ständ­nis­voll sind, wenn­gleich die Zu­stim­mung nicht in dem Maß wie bei der Po­li­zei er­folg­te. Eben­so war die Mehr­zahl der Bür­ger - mit Aus­nah­me Frei­burgs - der An­sicht, daß pri­va­te Si­cher­heits­diens­te einen wich­ti­gen Bei­trag zur Si­cher­heit leis­ten. Be­son­ders in den west­deut­schen Kom­mu­nen wur­de ih­re Aus­bil­dung al­ler­dings skep­tisch be­trach­tet. Ins­ge­samt konn­te man in den bei­den west­deut­schen Städ­ten ei­ne grö­ße­re Di­stanz ge­gen­über pri­va­ten Si­cher­heits­an­bie­tern be­ob­ach­ten als in den bei­den ost­deut­schen. Den­noch be­grüß­ten die meis­ten - er­neut mit Aus­nah­me Frei­burgs - ei­ne ver­stärk­te Prä­senz von Si­cher­heits­dienst­strei­fen in der In­nen­stadt so­wie in Wohn­ge­gen­den. Die Si­cher­heits­diens­te wur­den da­hin­ge­hend be­trach­tet, daß sie die Po­li­zei ent­las­ten könn­ten, po­li­zei­li­che Auf­ga­ben im en­ge­ren Sin­ne soll­ten al­ler­dings nicht durch pri­va­te Si­cher­heits­diens­te wahr­ge­nom­men wer­den.

Es wur­den an­hand von Haupt­kom­po­nen­ten- und Re­lia­bi­li­täts­ana­ly­sen Ein­stel­lungs­ska­len ge­bil­det. Hin­sicht­lich der Ska­la "Be­für­wor­tung pri­va­ter Si­cher­heits­diens­te" er­gab sich le­dig­lich ein si­gni­fi­kan­ter Al­ter­sein­fluß, d.h. mit zu­neh­men­dem Al­ter stieg die Be­für­wor­tung pri­va­ter Si­cher­heits­diens­te. Im Hin­blick auf die Ska­la "Be­für­wor­tung er­höh­ter Po­li­zei­prä­senz" zeig­te sich, daß Äl­te­re, Per­so­nen mit nied­ri­gem Schul­ab­schluß und sol­che, die ihr Op­fer­risi­ko hoch ein­schätz­ten (Aus­nah­me Frank­furt) ei­ne ver­stärk­te Po­li­zei­prä­senz be­für­wor­te­ten. Mit Aus­nah­me Frank­furts be­für­wor­te­ten auch Per­so­nen, die ihr, ei­ne ver­mehr­te Po­li­zei­prä­senz auf den Stra­ßen. Die "Po­li­zei­zu­frie­den­heit" war eben­falls nur ab­hän­gig vom Al­ter (Äl­te­re wa­ren mit der Po­li­zei zu­frie­de­ner).

Die Un­ter­su­chung des Ein­flus­ses von Po­li­zei, pri­va­ten Si­cher­heits­diens­ten und Bür­ger­wach­ten auf das Si­cher­heits­ge­fühl der Bür­ger zeig­te, daß die­je­ni­gen, die einen Po­li­zei­man­gel im Wohn­ge­biet be­klag­ten, an­ga­ben, sich bei hö­he­rer Prä­senz si­che­rer zu füh­len und ei­ne Ver­stär­kung der Po­li­zei be­für­wor­te­ten. Pri­va­te Si­cher­heits­diens­te wa­ren da­ge­gen sel­ten in den Wohn­ge­gen­den prä­sent, et­wa die Hälf­te der Bür­ger wür­de sich durch sol­che Strei­fen aber si­che­rer füh­len; ein et­wa ähn­lich großer An­teil be­für­wor­te­te sol­che Strei­fen­tä­tig­kei­ten. Dies war be­son­ders bei äl­te­ren Bür­gern und Per­so­nen mit nied­ri­gem Schul­ab­schluß der Fall. Bür­ger­wach­ten tra­ten in kei­ner Kom­mu­ne nen­nens­wert in Er­schei­nung, de­ren Ein­fluß auf das Si­cher­heits­ge­fühl wur­de als eher ge­ring be­trach­tet, ei­ne Mehr­heit der Be­frag­ten lehn­te zu­dem ei­ne sol­che Strei­fen­tä­tig­keit ab.

Be­züg­lich der Fra­ge, wel­che Auf­ga­ben­fel­der durch die Po­li­zei bzw. durch pri­va­te Si­cher­heits­diens­te ab­ge­deckt wer­den soll­ten, zeig­te sich, daß kei­ne der 16 Auf­ga­ben nach An­sicht der Be­frag­ten pri­mär durch Si­cher­heits­diens­te durch­ge­führt wer­den soll­te. Als ge­mein­sa­me Auf­ga­ben von Po­li­zei und Si­cher­heits­diens­ten wur­den Strei­fen­gän­ge in La­den­pas­sa­gen und In­nen­städ­ten, der Per­so­nen- und Ver­an­stal­tungs­schutz so­wie die Ver­kehrs­re­ge­lung be­trach­tet. Ein­deu­tig po­li­zei­li­che Auf­ga­ben da­ge­gen wa­ren Wohn­ge­biets­strei­fen, die Ent­ge­gen­nah­me von Not­ru­fen von Au­to­bah­nen, die Be­glei­tung von Ge­fahr­gut­trans­por­ten, die Ab­schie­bung ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber, die Auf­nah­me von Ver­kehrs­un­fäl­len oh­ne Per­so­nen­scha­den, der Ge­fan­genen­trans­port, die Be­glei­tung von De­mons­tra­tio­nen, die Alarm­auf­schal­tung und der Er­stein­satz am Alar­mort. D.h. die Bür­ger ord­ne­ten auch sol­che Be­rei­che der Po­li­zei zu, die be­reits seit ei­ni­ger Zeit auch bzw. nur durch Si­cher­heits­diens­te wahr­ge­nom­men wer­den.

Hin­sicht­lich der er­ho­be­nen an­ge­nom­me­nen Be­fug­nis­se pri­va­ter Si­cher­heits­diens­te herrsch­te ei­ne weit­ge­hen­de Rechts­un­si­cher­heit vor, nur we­ni­ge Hand­lungs­wei­sen pri­va­ter Si­cher­heits­diens­te wur­den zwei­fels­frei als le­gi­tim bzw. als il­le­gi­tim ge­wer­tet. Die­se letz­te Aus­wer­tung deu­te­te auf ein er­heb­li­ches In­for­ma­ti­ons­de­fi­zit bei den Be­frag­ten hin, wenn­gleich die Me­di­en­ana­ly­se zeig­te, daß in al­len Städ­ten die Bür­ger zahl­rei­che bzw. qua­li­ta­tiv gut auf­be­rei­te­te In­for­ma­tio­nen zu den Si­cher­heits­diens­ten er­hiel­ten. Al­ler­dings be­zo­gen die­se sich meist auf die Ak­ti­vi­tä­ten pri­va­ter Si­cher­heits­diens­te im Zu­sam­men­hang mit der Ver­fol­gung von Straf­ta­ten bzw. dem Schutz von Ver­an­stal­tun­gen. Da­bei war der Te­nor meist neu­tral, ten­den­zi­ell be­rich­te­te die Bou­le­vard­pres­se et­was po­si­ti­ver über die Si­cher­heits­diens­te.

Die eben­falls durch­ge­führ­ten Ex­per­ten­in­ter­views zeig­ten, daß sich die Po­li­zei v.a. in den ost­deut­schen Städ­ten in ei­ner Kon­kur­renz­si­tua­ti­on zum pri­va­ten Si­cher­heits­ge­wer­be sah. Je­doch nicht nur dort, son­dern auch in Frei­burg und mo­de­ra­ter in Frank­furt stand die Po­li­zei ei­ner Pri­va­ti­sie­rung von Auf­ga­ben­be­rei­chen skep­tisch ge­gen­über. Zwar wur­de im­mer wie­der der Ent­las­tungs­a­spekt - auch von der Po­li­zei selbst - be­tont, ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit pri­va­ten Si­cher­heits­diens­ten wur­de aber deut­lich ab­ge­lehnt. Die Si­cher­heits­diens­te wie­sen da­ge­gen im­mer wie­der auf ein po­si­ti­ves Ver­hält­nis zur Po­li­zei hin, ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit den Be­hör­den wur­de ge­ra­de­zu ge­sucht. Wäh­rend, mit Aus­nah­me Frank­furts, die Kom­mu­nen ei­ne Pri­va­ti­sie­rung von Auf­ga­ben sehr zö­ger­lich be­trach­te­ten, stand bei den kom­mer­zi­el­len Auf­trag­ge­bern pri­va­ter Si­cher­heits­dienst­leis­tun­gen der Kos­ten-Nut­zen-Fak­tor im Vor­der­grund.