Wäh­rend sich die Op­fer­for­schung bis­her pri­mär mit Op­fern kon­ven­tio­nel­ler Straf­ta­ten be­schäf­tigt hat, be­schreibt der Be­reich kol­lek­ti­ver Ge­walt aus vik­ti­mo­lo­gi­scher Per­spek­ti­ve ein noch weit­ge­hend un­be­rühr­tes For­schungs­feld. Dies gilt ins­be­son­de­re für sol­che Un­ter­su­chun­gen, wel­che die Ein­stel­lun­gen von Op­fern sol­cher Ge­walt er­fasst. Im Ge­gen­satz hier­zu wächst je­doch die vik­ti­mo­lo­gi­sche Her­aus­for­de­rung auch und ge­ra­de im Be­reich kol­lek­ti­ver Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Hier­zu ge­hört auch die Kon­flikt­pe­ri­ode des Nahost­kon­flikts, die zwei­te In­ti­fa­da (sog. al-Aq­sa In­ti­fa­da).
Die Stu­die un­ter­such­te die Ein­stel­lun­gen der Op­fer bei­der Sei­ten hin­sicht­lich ei­ner straf­recht­li­chen Re­ak­ti­on auf ih­re Vik­ti­mi­sie­rung. Dies er­folg­te auf der Grund­la­ge ei­nes 3-Ebe­nen-Mo­dells, wel­ches ei­ne sys­te­ma­ti­sche Er­fas­sung ver­schie­de­ner op­fer­re­le­van­ter Aspek­te er­laubt und auch auf an­de­re Kon­flikt­kon­tex­te über­trag­bar ist. Die ge­fun­de­nen Per­spek­ti­ven is­rae­li­scher und pa­läs­ti­nen­si­scher Op­fer wur­den ei­ner ver­glei­chen­den Ana­ly­se un­ter­zo­gen und da­bei auf maß­geb­li­che Ein­fluss­grö­ßen un­ter­sucht. Da­bei wie­sen die Be­fun­de der Un­ter­su­chung ne­ben man­chen Über­ein­stim­mun­gen auch auf deut­li­che Un­ter­schie­de zwi­schen den Op­fer­grup­pen hin und leg­ten den Schluss na­he, dass für die­se Un­ter­schie­de ins­be­son­de­re so­zio­kul­tu­rel­le und ge­sell­schafts­po­li­ti­sche Mo­men­te die Ein­stel­lun­gen der Op­fer prä­gen.