Die Notwehr als eines der seit jeher anerkannten Rechte der Bürger ist in nahezu allen Rechtsordnungen vorhanden. Die vorliegende Untersuchung soll mittels eines Rechtsvergleichs auf die Notwehrrechte verschiedener europäischer Rechtsordnungen eingehen, um die Grenzen der Notwehr anhand konkreter Problemstellungen zu untersuchen. Die Analyse soll zudem zur Entwicklung einer einheitlichen Konzeption der Notwehr und somit zur Harmonisierung des Strafrechts im europäischen Kontext beitragen.

Die Notwehr als eines der seit jeher anerkannten klassischen Rechte der Bürgerinnen und Bürger ist in nahezu allen Rechtsordnungen vorhanden und wird in ihrem Umfang und ihrer konkreten Ausgestaltung auf nationaler und internationaler Ebene immer wieder kontrovers diskutiert.

Mit besonderem Blick auf den Wertewandel in der Gesellschaft gewinnt die Debatte über die Rechtsfigur der Notwehr dann immer mehr an Bedeutung, wenn berücksichtigt wird, dass das Notwehrrecht Privater weitreichende Befugnisse eröffnen kann, in wesentliche Rechtsgüter eines Mitmenschen einzugreifen.

Die vorliegende Untersuchung soll mittels eines Rechtsvergleichs auf die Notwehrrechte verschiedener europäischer Rechtsordnungen eingehen, um einen umfassenden Überblick über die Struktur und Begründung eines solchen Rechts in Europa zu verschaffen und anschließend die Grenzen der Verteidigungsbefugnis anhand konkreter Problemstellungen zu untersuchen.

Ein besonderes Augenmerk ist dabei auf die Zulässigkeit lebensgefährlicher Verteidigungshandlungen – auch im Hinblick auf die möglichen Auswirkungen des Art. 2 II lit. a EMRK auf die Verteidigung von Sachwerten – sowie auf weitere Konstellationen – wie die Provokation – zu legen, bei denen aufgrund einer Interessenverlagerung das Recht zur uneingeschränkten Notwehr des Angegriffenen teilweise oder sogar ganz entfällt. Einen weiteren Schwerpunkt stellen andererseits die Bedrängnissituation des Angegriffenen und die Unübersichtlichkeit der Konfliktlage dar, die in der subjektiven Ausgestaltung der Notwehr insbesondere beim Irrtum und Exzess in Betracht kommen.

Angesichts der Erwartungen an die Europäisierung der Strafrechtspflege soll die Analyse der bestehenden Lösungsmodelle zudem zur Entwicklung allgemeiner Rechtsgrundsätze dienen, die sich in einer einheitlichen Konzeption der Notwehr erfassen lassen und somit zur Harmonisierung des Strafrechts sowie der Kriminalpolitik im europäischen Kontext beitragen.