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Projekt 'Private Sicherheitsdienste in der Risikogesellschaft' bearbeiten

Die Untersuchung befaßt sich in kriminologisch-soziologischer Sichtweise mit den in Deutschland seit knapp 100 Jahren existierenden selbständigen privaten Sicherheitsdiensten, deren Anzahl und Tätigkeitsbereich kontinuierlich wächst. Mittlerweile gibt es über 100.000 Mitarbeiter selbständiger privater Sicherheitsdienste in einem Markt mit einem Umsatz von jährlich ca. 5 Mrd. DM allein in Deutschland.

Die bis­he­ri­gen An­sät­ze zur Er­klä­rung der Nach­fra­ge nach den pri­va­ten Si­cher­heits­diens­ten und ih­res an­hal­ten­den Wachs­tums be­rück­sich­ti­gen nach der Auf­fas­sung des Au­tors die ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Ver­än­de­run­gen seit der Mit­te des letz­ten Jahr­hun­derts nur un­zu­rei­chend. Mit Hil­fe Ul­rich Becks Ri­si­ko­ge­sell­schafts­theo­rie un­ter­sucht der Ver­fas­ser die tat­säch­li­chen, po­li­ti­schen und recht­li­chen Hin­ter­grün­de des Be­wa­chungs­ge­wer­bes, die Ord­nungs- und Si­cher­heits­vor­stel­lun­gen sei­ner Auf­trag­ge­ber und die ent­spre­chen­den si­cher­heits­po­li­ti­schen Aus­wir­kun­gen.

Ers­tes Er­geb­nis der Ar­beit ist die Fest­stel­lung, daß das pri­märe Gut, des­sen Si­cher­heit durch die pri­va­ten Si­cher­heits­diens­te ge­währ­leis­tet wer­den soll, das pri­va­te Sachei­gen­tum ist. In den un­ter­schied­lichs­ten Ein­satz­be­rei­chen des Be­wa­chungs­ge­wer­bes sol­len sei­ne Sub­stanz und Nut­zungs­mög­lich­kei­ten ge­schützt wer­den. Die Un­ter­su­chung zeigt, warum die pri­va­ten Si­cher­heits­diens­te hier­bei den ef­fek­tivs­ten Schutz ver­hei­ßen.

Die zu den ge­än­der­ten Si­cher­heits­an­for­de­run­gen füh­ren­de Be­deu­tungs­zu­nah­me des Sachei­gen­tums wird zu­nächst his­to­risch und po­li­tisch in der Ar­beit nach­voll­zo­gen. An­schlie­ßend wird der Fra­ge nach­ge­gan­gen, ob sich das pri­va­te Sachei­gen­tum zu ei­nem Ri­si­ko im Sin­ne der Ri­si­ko­ge­sell­schafts­theo­rie ent­wi­ckelt hat und ob die Be­auf­tra­gung der Wach- und Si­cher­heits­ge­sell­schaf­ten die Re­ak­ti­on des li­be­ra­len Bür­ger­tums hier­auf dar­stellt.
Das Sachei­gen­tum wird im Zu­ge des­sen un­ter den so­zio­lo­gi­schen Aspek­ten von Ri­si­ko, Ge­fahr und Chan­ce be­trach­tet. Ins­be­son­de­re wer­den die ge­fähr­den­den Mo­men­te un­ter­sucht, die das pri­va­te Sachei­gen­tum auf­grund der In­dus­tria­li­sie­rung und Li­be­ra­li­sie­rung seit der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts ver­mit­telt. Seit der Li­be­ra­li­sie­rung von Po­li­tik und Wirt­schaft im 19. Jahr­hun­dert, der Durch­set­zung der markt­wirt­schaft­li­chen Grund­sät­ze und dem all­mäh­li­chen Rück­zug des Staa­tes aus der Wohl­fahrts­ver­wal­tung seit Mit­te der sieb­zi­ger Jah­re des 20. Jahr­hun­derts ist das kör­per­li­che Ei­gen­tum als Pro­duk­ti­ons-, In­ves­ti­ti­ons- und Si­che­rungs­gut, als in ei­nem ent­schei­dungs­ab­hän­gi­gen Sach­ver­halt an­ge­leg­te po­si­ti­ve Aus­sicht (Chan­ce), zum exis­ten­ti­el­len und mo­ti­vie­ren­den Zen­tral­punkt des wirt­schaft­li­chen und auch des pri­va­ten Le­bens ge­wor­den.
Aus­führ­lich wird in die­sem Zu­sam­men­hang auf die Ver­än­de­run­gen der so­zia­len Kon­troll­struk­tu­ren in jün­ge­rer Zeit ein­ge­gan­gen, die durch den maß­geb­li­chen Stel­len­wert des Sachei­gen­tums in der Wachs­tums­ge­sell­schaft und die kor­re­spon­die­ren­den Si­cher­heits­be­dürf­nis­se her­vor­ge­ru­fen wer­den. Das Sachei­gen­tum wird da­bei im Fa­zit der Ar­beit als mit­tel­ba­res so­zia­les Ri­si­ko im Sin­ne der Ri­si­ko­ge­sell­schafts­theo­rie klas­si­fi­ziert. Die pri­va­ten Si­cher­heits­diens­te be­kämp­fen die durch das Ei­gen­tum für das Ei­gen­tum ent­ste­hen­den Ge­fah­ren durch die Pro­duk­ti­on und In­sze­nie­rung von Si­cher­heit, schaf­fen aber gleich­zei­tig da­durch Ge­fah­ren, die be­griffs­not­wen­di­ge Be­stand­tei­le von Ri­si­ken sind.

Die Ver­wen­dung des so­zio­lo­gi­schen Ent­wurfs der “Ri­si­ko­ge­sell­schaft” soll die über­dis­zi­pli­näre Ver­bin­dung der un­ter­schied­li­chen Blick­win­kel er­leich­tern und ei­ne Ba­sis für die Ent­wick­lung ei­nes neu­en theo­re­ti­schen An­sat­zes schaf­fen.