Mit rechts­ver­glei­chen­der und em­pi­risch-kri­mi­no­lo­gi­scher For­schung wur­de den Fra­gen nach­ge­gan­gen,

  • ob und ge­ge­be­nen­falls in­wie­weit und un­ter wel­chen Be­din­gun­gen spe­zi­fisch straf­recht­li­chen Re­ge­lun­gen des Schwan­ger­schafts­ab­bruchs und ih­rer prak­ti­schen Hand­ha­bung ver­hal­tens­steu­ern­de Wir­kung bei der Ein­däm­mung von Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen zu­kommt,
  • ob und wel­che an­de­ren Nor­men für die Pra­xis des Schwan­ger­schafts­ab­bruchs (mit-) be­stim­mend sind, so­wie
  • ob und in­wie­weit au­ßer­straf­recht­li­che Me­cha­nis­men in aus­rei­chen­der, wenn nicht gar ad­äqua­te­rer Wei­se Schwan­ger­schafts­ab­brü­che zu ver­mei­den ver­mö­gen.

Als we­sent­li­che Er­geb­nis­se des Pro­jekts sei­en her­vor­ge­ho­ben: Trotz ei­ner un­ge­wöhn­li­chen Viel­falt un­ter­schied­li­cher Re­ge­lun­gen in den un­ter­such­ten Län­dern be­steht in den un­ter­such­ten Län­dern weit­ge­hen­de Ei­nig­keit im Ziel, Schwan­ger­schafts­ab­brü­che mög­lichst zu ver­mei­den. Un­eins ist man je­doch über den da­zu ein­zu­schla­gen­den Weg. Bis zu ei­nem ge­wis­sen Gra­de hängt die je­weils ver­tre­te­ne Po­si­ti­on da­von ab, wie die In­ter­es­sen der Schwan­ge­ren und des un­ge­bo­re­nen Le­bens je­weils ge­wich­tet wer­den. Von er­heb­li­cher Be­deu­tung ist aber et­wa auch, in­wie­weit der je­wei­li­ge Ge­setz­ge­ber sich ei­ner "Prin­zi­pi­en­treue" ver­pflich­tet fühlt oder eher prag­ma­tisch ori­en­tier­ten Stra­te­gi­en zu öff­nen be­reit zeigt.

Die her­kömm­li­che Un­ter­schei­dung zwi­schen "In­di­ka­ti­ons­lö­sung" (Zu­läs­sig­keit des Schwan­ger­schafts­ab­bruchs nur bei Vor­lie­gen - mehr oder we­ni­ger weit­ge­hen­der - be­son­de­rer, ei­ner ei­ge­nen Fest­stel­lung un­ter­lie­gen­den Zu­läs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen) und "Fris­ten­lö­sung" (Zu­läs­sig­keit des Schwan­ger-schafts­ab­bruchs bis zu ei­nem be­stimm­ten Schwan­ger­schafts­al­ter) hat sich als nicht aus­rei­chend er­wie­sen. Et­li­che mo­der­ne Ge­setz­ge­bun­gen fol­gen ei­nem neu­ar­ti­gen Re­ge­lungs­mo­dell, für das die Be­zeich­nung als "not­la­ge­n­ori­en­tier­tes Dis­kurs­mo­dell" vor­ge­schla­gen wur­de. Die­ses Re­ge­lungs­mo­dell kann als Weg­be­rei­ter je­nes "drit­ten Weges" gel­ten, wie er in Ge­stalt des "Be­ra­tungs­mo­dells" durch die Neu­re­ge­lung von 1993/95 nun­mehr auch im deut­schen Recht grund­sätz­li­che An­er­ken­nung ge­fun­den hat. Es lässt sich fol­gen­der­ma­ßen cha­rak­te­ri­sie­ren: Rat und Hil­fe für die Schwan­ge­re wer­den als er­folg­ver­spre­chen­de­rer Im­puls für die Be­reit­schaft zum Aus­tra­gen des Kin­des an­ge­se­hen als ei­ne - wie auch Er­fah­run­gen aus Län­dern mit stren­ger Schwan­ger­schafts­ab­bruch-Ge­setz­ge­bung zei­gen - weit­ge­hend nur auf dem Pa­pier ste­hen­de Dro­hung mit Stra­fe. Schwan­ger­schafts­ab­bruch wird als grund­sätz­lich zu ver­mei­den­de und im Hin­blick auf den Wert des un­ge­bo­re­nen Le­bens ge­ne­rell miss­bil­lig­te Aus­nah­me für Fäl­le ei­ner Not- oder Kon­flikt­la­ge an­ge­se­hen. De­ren Be­ur­tei­lung und da­mit die Ent­schei­dung über den Schwan­ger­schafts­ab­bruch bleibt al­ler­dings (weit­ge­hend) der Schwan­ge­ren und ih­rem Arzt über­las­sen. Durch das Er­for­der­nis oder zu­min­dest das An­ge­bot ei­ner Be­ra­tung der Schwan­ge­ren, die einen Ab­bruch er­wägt, kann im kon­kre­ten Fall ei­ne Ent­schei­dung für das Kind her­bei­zu­füh­ren ver­sucht und künf­ti­gen un­er­wünsch­ten Schwan­ger­schaf­ten ent­ge­gen­ge­wirkt, nicht zu­letzt aber auch in ge­ne­rel­ler Wei­se die Schutz­wür­dig­keit des un­ge­bo­re­nen Le­bens zum Aus­druck ge­bracht wer­den. Der Ver­mei­dung un­er­wünsch­ter Schwan­ger­schaf­ten durch Se­xualauf­klä­rung, Zu­gäng­lich­keit ge­eig­ne­ter Ver­hü­tungs­mit­tel, aber auch be­reits durch Er­hö­hung des Bil­dungs­ni­ve­aus und an­ge­mes­se­ne ge­sund­heit­li­che Ver­sor­gung vor al­lem von Frau­en wird bei der Be­kämp­fung des Schwan­ger­schafts­ab­bruchs ei­ne we­sent­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen. Für die­ses Re­ge­lungs­kon­zept lässt sich auf Rechts­ord­nun­gen wie die Nie­der­lan­de ver­wei­sen, in de­nen der Schwan­ger­schafts­ab­bruch trotz sei­ner weit­ge­hen­den Er­laubt­heit be­mer­kens­wert sel­ten prak­ti­ziert wird.

Im Hin­blick auf ei­ni­ge ak­tu­el­le rechts­po­li­ti­sche Aspek­te er­gibt sich aus der rechts­ver­glei­chen­den Per­spek­ti­ve des Pro­jekts:

  • Bei der Aus­ein­an­der­set­zung in­ner­halb der ka­tho­li­schen Kir­che um die Be­tei­li­gung an der Schwan­ger­schafts­kon­flikt­be­ra­tung han­delt es sich um ein spe­zi­fisch deut­sches Pro­blem, da in an­de­ren Län­dern die Be­ra­tung meist staat­li­chen In­sti­tu­tio­nen vor­be­hal­ten, Ärz­ten über­tra­gen oder nicht zwin­gend vor­ge­schrie­ben ist.
  • Zur Dis­kus­si­on um Schwan­ger­schafts­ab­brü­che, die we­gen fest­ge­stell­ter Schä­di­gung des Kin­des im fort­ge­schrit­te­nen Schwan­ger­schafts­sta­di­um vor­ge­nom­men wer­den (so­ge­nann­te Spätab­trei­bun­gen) ist auf neue­re aus­län­di­sche Re­ge­lun­gen hin­zu­wei­sen, in de­nen die Zu­läs­sig­keit ei­nes Schwan­ger­schafts­ab­bruchs von be­son­ders strik­ten Vor­aus­set­zun­gen ab­hän­gig ge­macht wird, wenn das Kind so weit ent­wi­ckelt ist, dass es au­ßer­halb des Mut­ter­lei­bes über­le­ben könn­te. Auch für das deut­sche Recht wird ei­ne der­ar­ti­ge - durch ent­spre­chen­de Ge­set­zes­aus­le­gung schon heu­te mög­li­che - Grenz­zie­hung emp­foh­len, der zu­fol­ge ein Schwan­ger­schafts­ab­bruch bei le­bens­fä­hi­gem Kind nur noch in Fäl­len ernst­li­cher Le­bens­ge­fahr der Mut­ter oder feh­len­der Über­le­bens­fä­hig­keit des Kin­des als zu­läs­sig an­ge­se­hen wer­den soll­te.
  • Bei Han­deln im Ein­klang mit den ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen soll­ten die dar­an Be­tei­lig­ten - ins­be­son­de­re Schwan­ge­re und Arzt - sich als recht­mä­ßig han­delnd (und nicht nur als rechts­wid­rig, aber straf­frei) ver­ste­hen dür­fen. Dies ist frei­lich kei­nes­wegs mit ei­nem Wert­ur­teil als "so­zi­al­e­thisch bil­li­gens­wert" gleich­zu­set­zen. Um den Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in die­ser Fra­ge ge­recht zu wer­den, müss­te im Ge­setz die Er­for­der­lich­keit ei­ner der Schwan­ge­ren nicht an­ders ab­wend­bar er­schei­nen­den Not- und Kon­flikt­la­ge deut­li­cher als bis­her zum Aus­druck ge­bracht wer­den.
  • Die an­ste­hen­de Dis­kus­si­on um ein Fort­pflan­zungs­me­di­zin­ge­setz könn­te An­lass und Ge­le­gen­heit bie­ten, wich­ti­ge punk­tu­el­le Ver­bes­se­run­gen und Klar­stel­lun­gen zu wei­te­ren Aspek­ten - et­wa auch zur kon­tro­vers dis­ku­tier­ten Fra­ge des Schwan­ger­schafts­ab­bruch bei Min­der­jäh­ri­gen - vor­zu­neh­men.

Über die Er­geb­nis­se des Pro­jekts wur­de an­läss­lich der Fach­bei­rats- und Ku­ra­to­ri­ums­sit­zung 2000 re­fe­riert (vgl. auch Al­bin Eser/Hans-Ge­org Koch, Schwan­ger­schafts­ab­bruch im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich: Be­fun­de - Ein­sich­ten - Vor­schlä­ge (er­schie­nen in For­schung ak­tu­ell), Ein Pro­jekt­be­richt, for­schung ak­tu­ell - re­se­arch in brief/1, edi­ti­on ius­crim. Frei­burg i. Br. 2000, 33 Sei­ten). Um ei­ne grö­ße­re Ver­brei­tung der Pro­jek­t­er­geb­nis­se zu er­mög­li­chen, wur­de ei­ne Kurz­fas­sung des rechts­ver­glei­chen­den Quer­schnitts er­stellt, die zu­sam­men mit den rechts­po­li­ti­schen Schluss­be­trach­tun­gen ge­son­dert als Ta­schen­buch in deut­scher Spra­che und in ei­ner eng­li­schen Über­set­zung (Emi­ly Sil­ver­man u. a.) pu­bli­ziert wur­de (Eser/Koch, Schwan­ger­schafts­ab­bruch und Recht, Vom in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich zur Rechts­po­li­tik, No­mos Ver­lags­ge­sell­schaft Ba­den-Ba­den 2003, 360 Sei­ten, bzw. Ab­or­ti­on and the Law, From In­ter­na­tio­nal Com­pa­ri­son to Le­gal Po­li­cy, T.M.C. As­ser Press, The Hague 2005, 325 pp.).