Die Überwachung des Telekommunikationsverkehrs (TKÜ) ist eine der wichtigsten verdeckten Ermittlungsmaßnahmen. Ihre besondere Bedeutung ergibt sich aus dem generellen Bedeutungsgewinn präventiver Aspekte und der daraus resultierenden Veränderung des Strafverfahrens. In einer groß angelegten, aus mehreren Teilprojekten bestehenden Evaluationsstudie wurde die Praxis der Überwachung der Telekommunikation (§§ 100a, 100b StPO) sowie der akustischen Wohnraumüberwachung zu Strafverfolgungszwecken (§ 100c I Nr. 3 StPO), die auch unter dem politischen Schlagwort „großer Lauschangriff" bekannt geworden ist, untersucht. Hierzu wurden in mehreren Arbeitsmodulen 611 Strafverfahrensakten aus dem Jahre 1998 analysiert, rund 6000 Praktiker von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichten sowie Strafverteidiger schriftlich, und weitere 51 Experten aus der Praxis ausführlich mündlich befragt. Im Folgenden werden ausgesuchte Ergebnisse zur generellen Entwicklung der TKÜ, zur justiziellen Bearbeitungspraxis und der Verwendung der Erkenntnisse in den verschiedenen Verfahrensstadien (Ermittlungsverfahren, Anklage, Hauptverhandlung, Urteil), zu dem von den Maßnahmen konkret betroffenen Personenkreis, zu der zugrunde liegenden Deliktsstruktur und dem „Erfolg" der durchführten TKÜ-Maßnahmen präsentiert. Abschließend werden die wichtigsten Schlussfolgerungen aus den gewonnenen Ergebnissen resümiert.

Das Pro­jekt be­steht aus den fol­gen­den Mo­du­len:

  • Rechts­wirk­lich­keit der Über­wa­chung der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on nach den §§ 100a, 100b StPO
  • Ef­fi­zi­enz der Über­wa­chung der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on nach den §§ 100a, 100b StPO
  • Rechts­wirk­lich­keit und Ef­fi­zi­enz der akus­ti­schen Wohn­rau­m­über­wa­chung ("großer Lausch­an­griff") nach § 100c I Nr. 3 StPO
  • Rechts­wirk­lich­keit der Aus­kunft­s­er­tei­lung über Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­bin­dungs­da­ten nach §§ 100g, 100h StPO


Ein­füh­rung

Fra­gen des Grund­rechts- und Per­sön­lich­keits­schut­zes, aber auch des Schut­zes des Fern­mel­de­ge­heim­nis­ses so­wie die For­de­run­gen nach ei­ner Mi­ni­mie­rung der Über­wa­chungs­zah­len ste­hen in ei­nem Dau­er­kon­flikt zur an­ge­nom­me­nen Not­wen­dig­keit ei­ner ef­fi­zi­en­ten Straf­ver­fol­gung ins­be­son­de­re im Be­reich der Or­ga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät. Ei­ne sach­ge­rech­te Ab­wä­gung zwi­schen dem sich aus der Über­wa­chung der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on (TKÜ) er­ge­ben­den Nut­zen für die Straf­ver­fol­gung ei­ner­seits und den mit der Über­wa­chung zwangs­läu­fig ver­bun­de­nen Ein­grif­fen in die grund­recht­lich ge­schütz­ten Po­si­tio­nen der be­trof­fe­nen Per­so­nen an­de­rer­seits ist oh­ne ver­läss­li­che em­pi­ri­sche Er­kennt­nis­se nicht mög­lich.

Vor dem Hin­ter­grund ei­ner zu­neh­men­den prak­ti­schen Be­deu­tung ver­deck­ter Er­mitt­lungs­maß­nah­men und ih­res Po­ten­zi­als für ei­ne grund­le­gen­de Ver­än­de­rung des Straf­ver­fah­rens und des da­mit zu­sam­men­hän­gen­den Be­deu­tungs­ge­winns prä­ven­ti­ver Ziel­set­zun­gen wur­de ei­ne um­fas­send an­ge­leg­te em­pi­ri­sche Un­ter­su­chung der Rechts­wirk­lich­keit und Ef­fi­zi­enz der Über­wa­chung der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on nach den §§ 100a, 100b StPO und an­de­rer ver­deck­ter Er­mitt­lungs­maß­nah­men durch­ge­führt. In dem For­schungs­kon­zept wur­den de­skrip­ti­ve, theo­re­ti­sche und eva­lua­ti­ve Ge­sichts­punk­te be­rück­sich­tigt. Im de­skrip­ti­ven Teil der Stu­die la­gen Schwer­punk­te auf der Er­mitt­lung des „Um­fangs“ der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung, ge­mes­sen an An­ord­nungs­häu­fig­keit, Be­fris­tung der TKÜ-Maß­nah­me und tat­säch­li­cher Über­wa­chungs­dau­er und den be­trof­fe­nen Per­so­nen. Da­ne­ben wur­de die Rol­le von Po­li­zei, Staats­an­walt­schaft und Er­mitt­lungs­rich­ter hin­sicht­lich ih­res Ein­flus­ses auf die Ent­schei­dung, ei­ne TKÜ durch­zu­füh­ren, be­trach­tet. Wei­te­re Fra­ge­stel­lun­gen be­tra­fen die Si­tua­ti­on, in der die Schal­tung ei­ner TKÜ in Er­wä­gung ge­zo­gen und durch­ge­führt wur­de, so­wie die Zu­sam­men­ar­beit von Po­li­zei, Staats­an­walt­schaft und Er­mitt­lungs­rich­ter bei der In­iti­ie­rung, An­trag­stel­lung und An­ord­nung. Da­ne­ben wur­den Pro­ble­me, die aus der Ent­wick­lung des Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mark­tes, aber auch aus Ver­än­de­run­gen der Tä­ter­struk­tu­ren und der An­pas­sung von Tä­ter­ver­hal­ten re­sul­tie­ren, the­ma­ti­siert. Ei­ne wei­te­re selb­stän­di­ge Teil­stu­die wid­me­te sich der Eva­lua­ti­on der akus­ti­schen Wohn­rau­m­über­wa­chung zu Straf­ver­fol­gungs­zwe­cken. Die­ses durch ei­ne Än­de­rung des Grund­ge­set­zes vom 26. März 1998 und die Ein­füh­rung von § 100c I Nr. 3 StPO (und wei­te­rer Fol­ge­re­ge­lun­gen) mög­lich ge­wor­de­ne Über­wa­chungs­in­stru­ment wur­de in der po­li­ti­schen Dis­kus­si­on un­ter dem Stich­wort “großer Lausch­an­griff“ be­kannt und ge­hört zu den um­strit­tens­ten kri­mi­nal­po­li­ti­schen The­men der letz­ten Jahr­zehn­te.


An­la­ge und Durch­füh­rung der Un­ter­su­chung

Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chungs­stu­die

Der em­pi­ri­sche Teil der Un­ter­su­chun­gen be­steht aus drei Ab­schnit­ten, die auf­ein­an­der auf­bau­en und sich ge­gen­sei­tig er­gän­zen. Den Aus­gangs­punkt stellt die Ana­ly­se von Ver­fah­rens­ak­ten aus dem Jahr 1998 dar, die als Ver­fah­ren mit TKÜ-Maß­nah­men sta­tis­tisch ge­mel­det und er­fasst wur­den. Aus­ge­wer­tet wur­den 611 Straf­ver­fah­rens­ak­ten mit 1488 Be­schul­dig­ten und 2035 An­ord­nun­gen nach §§ 100a, 100b StPO, die sich auf 3176 An­schlüs­se be­zo­gen.

Im An­schluss an die­sen Un­ter­su­chungs­ab­schnitt wur­de auf Grund­la­ge der ers­ten Er­kennt­nis­se und der Aus­wer­tung der re­form­po­li­ti­schen Dis­kus­si­on ein Fra­ge­bo­gen ent­wi­ckelt, der im Rah­men ei­ner schrift­li­chen Be­fra­gung an ins­ge­samt rund 6000 Prak­ti­ker der Po­li­zei, der Staats­an­walt­schaft und der (Straf-)Ge­rich­te so­wie an Straf­ver­tei­di­ger ver­sandt wur­de. Die­ser Ab­schnitt der Un­ter­su­chung diente vor al­lem der Er­he­bung sub­jek­ti­ver Ein­schät­zun­gen und rich­te­te sich nicht al­lein an aus­ge­wie­se­ne „Über­wa­chungs­ex­per­ten“ mit be­stän­di­ger TKÜ-Er­fah­rung. In ei­nem letz­ten Schritt wur­den so­dann 51 Ex­per­ten aus der Pra­xis (Kri­mi­nal­be­am­te, Staats­an­wäl­te, Rich­ter und Ver­tei­di­ger) im Rah­men von münd­li­chen Ge­sprä­chen zu Fra­ge­stel­lun­gen der TKÜ in­ter­viewt, die sich aus der rechts­po­li­ti­schen Re­form­dis­kus­si­on, tat­säch­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten bei der Über­wa­chungs­um­set­zung und Er­kennt­nis­sen aus der Ak­ten­ana­ly­se er­ga­ben.

Die Un­ter­su­chung zur Wohn­rau­m­über­wa­chung ist in Ziel­set­zung, An­la­ge und Durch­füh­rung an die Un­ter­su­chun­gen zur TKÜ an­ge­lehnt. Da­mit stan­den Fra­ge­stel­lun­gen der Im­ple­men­ta­ti­on und der Eva­lua­ti­on im Mit­tel­punkt. Die Re­le­vanz der Un­ter­su­chung wird auch durch die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes vom 03. März 2004 un­ter­stri­chen.


We­sent­li­che Er­geb­nis­se zur Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung

Ent­wick­lung der TKÜ

Die An­zahl der Über­wa­chungs­maß­nah­men nach §§ 100a, 100b StPO (vgl. Ab­bil­dung 1) und die An­zahl an Ver­fah­ren mit TKÜ ha­ben in den letz­ten Jah­ren in Deutsch­land ste­tig zu­ge­nom­men. Be­trach­tet man die Zah­len zur Kri­mi­na­li­täts­ent­wick­lung und zu den Ver­än­de­run­gen des Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mark­tes (sie­he Ab­bil­dung 2), so er­gibt sich, dass der An­stieg der TKÜ-An­ord­nun­gen nicht mit dem An­stei­gen der BtM-Kri­mi­na­li­tät er­klärt wer­den kann. Ein Zu­sam­men­hang zwi­schen der Ent­wick­lung des Mo­bil­funk­mark­tes und den ent­spre­chen­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men ei­ner­seits und der Zu­nah­me der Über­wa­chungs­in­ten­si­tät an­de­rer­seits ist je­doch fest­zu­stel­len. Be­zieht man bei­spw. die Über­wa­chun­gen von Mo­bil­te­le­fo­nen auf die An­zahl an­ge­mel­de­ter Mo­bil­te­le­fo­ne, dann lässt sich im Zeit­raum 1997 bis 2001 ein Rück­gang der Über­wa­chungs­dich­te von 0,5 pro 1000 auf 0,3 pro 1000 Mo­bil­te­le­fo­ne be­ob­ach­ten. Zwi­schen 1997 und 2002 nahm die Zahl der Mo­bil­funk­teil­neh­mer deut­lich stär­ker zu als die der TKÜ-An­ord­nun­gen.


Abb. 1: Entwicklung der Zahl der TKÜ-Anordnungen 1990-2002

Abb. 1: Ent­wick­lung der Zahl der TKÜ-An­ord­nun­gen 1990-2002

Abb. 2: TKÜ-Anordnungen/Mobilität und Zahl der Mobilfunkteilnehmer 1992-2002

Abb. 2: TKÜ-An­ord­nun­gen/Mo­bi­li­tät und Zahl der Mo­bil­funk­teil­neh­mer 1992-2002

Quel­len:

Abb. 1: BT-Sten.Ber. 12/30, S. 2354; Püt­ter, Bür­ger­rech­te & Po­li­zei 1995, 78 f.; BT-Drs. 12/5269; BT-Drs. 12/7116 und 12/8306; Bun­des­re­gie­rung zit. nach DuD 1996, 109, 227; BT-Drs. 13/618; BT-Drs. 13/3618; BT-Drs. 13/7341; BT-Drs. 13/11354; BT-Drs. 14/1522, 14/4863; BT-Drs. 14/7521; RegTP, 2. Tä­tig­keits­be­richt 2000/2001, S. 148.
Abb. 2: RegTP Tä­tig­keits­be­richt 1998/1999, S.95, 2. Tä­tig­keits­be­richt 2000/2001, S. 148; die Zahl der Über­wa­chungs­an­ord­nun­gen für das Jahr 2001 laut Aus­kunft des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Jus­tiz.

Die An­nah­me, dass es sich bei der TKÜ um ei­ne leicht und be­quem ein­zu­set­zen­de Er­mitt­lungs­me­tho­de han­delt, kann nach Auf­fas­sung der ab­hö­ren­den Stel­len und ins­be­son­de­re der Po­li­zei und der Staats­an­walt­schaft nicht als Er­klä­rungs­mo­dell her­an­ge­zo­gen wer­den: die Er­fas­sung und Aus­wer­tung der TKÜ be­deu­ten für al­le be­tei­lig­ten Per­so­nen einen er­heb­li­chen Ar­beits­auf­wand.

Recht­stat­säch­li­che Er­kennt­nis­se

§§ 100a, 100b, 101 StPO bein­hal­ten zum Aus­gleich der kon­f­li­gie­ren­den In­ter­es­sen aus Grund­rechts­schutz ei­ner­seits und Ef­fek­ti­vi­tät der Straf­rechts­pfle­ge an­de­rer­seits ver­schie­de­ne ma­te­ri­ell- und ver­fah­rens­recht­li­che Si­che­rungs­me­cha­nis­men. Die der­zei­ti­ge Re­ge­lung ist Kri­tik aus Wis­sen­schaft, Rechts­po­li­tik und Pra­xis aus­ge­setzt. Die­se be­zieht sich ins­be­son­de­re auf den Rich­ter­vor­be­halt, den Ka­ta­log des § 100a S.1 StPO, die Aus­wir­kun­gen der Maß­nah­me auf Un­be­tei­lig­te und die Um­set­zung der Be­nach­rich­ti­gungs­pflicht.

Kon­trol­le der TKÜ

0,4 % der von der Staats­an­walt­schaft be­an­trag­ten TKÜ-Maß­nah­men wur­den durch den Er­mitt­lungs­rich­ter ab­ge­lehnt. Aus den Be­fra­gun­gen, den Er­geb­nis­sen der Stu­die der Uni­ver­si­tät Bie­le­feld (Backes/Gu­sy, Wer kon­trol­liert die Te­le­fon­über­wa­chung, Frank­furt am Main 2003) und der Un­ter­su­chung von Kin­zig (Die recht­li­che Be­wäl­ti­gung von Er­schei­nungs­for­men or­ga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät, Ber­lin 2004) wird deut­lich, dass „in­for­mel­le“, d.h. in den Ak­ten nicht do­ku­men­tier­te Ab­leh­nun­gen kei­ne be­deu­ten­de Rol­le spie­len und sich dem­nach auch nicht auf die Ab­leh­nungs­quo­te aus­wir­ken. 47 % der rich­ter­li­chen Be­schlüs­se ent­hiel­ten ent­we­der kei­ner­lei Aus­füh­run­gen zum Tat­be­stands­merk­mal der Sub­si­dia­ri­tät oder sie be­gnüg­ten sich mit der Wie­der­ga­be des Ge­set­zes­wort­lau­tes. In 24 % der rich­ter­li­chen An­ord­nun­gen fan­den sich Aus­fer­ti­gun­gen des­sen, was die Staats­an­walt­schaft be­reits vor­ge­legt hat­te. Da­bei er­folg­ten wört­li­che Über­nah­men wie blo­ße Un­ter­zei­chun­gen vor­ge­fer­tig­ter Be­schlüs­se „im Gu­ten wie im Schlech­ten“. Die Sta­di­en der An­re­gung, Be­an­tra­gung und An­ord­nung wur­den sehr zü­gig durch­schrit­ten.

In der schrift­li­chen Be­fra­gung spra­chen sich Po­li­zis­ten, Staats­an­wäl­te und Rich­ter da­für aus, den Rich­ter­vor­be­halt un­ver­än­dert bei­zu­be­hal­ten, wäh­rend die Ver­tei­di­ger ihn mehr­heit­lich er­wei­tert se­hen woll­ten. Aus den Ex­per­ten­ge­sprä­chen er­scheint in­ter­essant, dass nicht nur die Ver­tei­di­ger, son­dern auch ei­ni­ge Rich­ter, Staats­an­wäl­te und Po­li­zis­ten die Be­grün­dungs­in­hal­te kri­ti­sier­ten, den Kern der Be­grün­dungs­ar­beit bei der Po­li­zei ver­or­te­ten und die den Rich­tern vor­ge­leg­ten Ent­schei­dungs­grund­la­gen in Tei­len als zu ein­sei­tig aus­ge­wählt er­ach­te­ten. All­ge­mein mach­ten hier Ver­tre­ter al­ler Be­rufs­grup­pen auf die feh­len­den per­so­nel­len und sach­li­chen Res­sour­cen so­wie die ho­he Ar­beits­be­las­tung auf­merk­sam.

Be­trof­fe­ne der TKÜ

Zu 32 % fan­den sich An­schlüs­se, die (aus­schließ­lich) von Drit­ten als In­ha­ber und Nut­zer ver­wen­det wur­den. Be­schul­dig­te kom­mu­ni­zier­ten nicht ak­tiv über die­se An­schlüs­se. Es ist an­zu­neh­men, dass es sich hier um die Fäl­le der Nach­rich­ten­mitt­lung des § 100a S.2 StPO han­delt. In den An­ord­nun­gen er­folg­ten je­doch in der Re­gel kei­ner­lei Aus­füh­run­gen zur Fra­ge des Nach­rich­ten­mitt­lungs­ver­hält­nis­ses. Be­trach­tet man das Ver­hält­nis zwi­schen Drit­ten und Be­schul­dig­ten in die­sen Kon­stel­la­tio­nen, dann lässt sich zu 38 % aus den Ak­ten nicht er­ken­nen, ob die­se in ei­ner Be­zie­hung zu­ein­an­der ste­hen.

In der Ak­ten­ana­ly­se war es nicht mög­lich, ei­ne Aus­zäh­lung der durch die TKÜ be­trof­fe­nen Per­so­nen da­nach vor­zu­neh­men, ob es sich um Be­schul­dig­te, Kon­takt­per­so­nen, Mit­nut­zer, -in­ha­ber oder (un­be­tei­lig­te) Ge­sprächs­part­ner han­del­te. Zum Aus­maß der Über­wa­chung las­sen sich da­mit nur Schätz­wer­te an­ge­ben, die sich in die An­ga­ben der Bun­des­re­gie­rung zu den Be­trof­fe­nen (5.764, oh­ne Ge­sprächs­part­ner) und in Schät­zun­gen ein­rei­hen las­sen, die von 1.500.000 Be­trof­fe­nen aus­ge­hen. Aus­ge­hend von im Mit­tel 2,4 Be­schul­dig­ten und 4,8 nicht be­schul­dig­ten Drit­ten (als An­schluss­in­ha­ber oder An­schluss­nut­zer) pro Ver­fah­ren und 2705 TKÜ-Ver­fah­ren im Jahr 1998 er­ge­ben sich 19.476 über­wach­te Per­so­nen (oh­ne Ge­sprächs­part­ner).

Be­nach­rich­ti­gung

Für 15,3 % der An­schlüs­se war in den Ak­ten die Be­nach­rich­ti­gung des Be­schul­dig­ten oder des An­schluss­in­ha­bers do­ku­men­tiert. In wei­te­ren 10,5% der Fäl­le wur­de von ei­ner sons­ti­gen Kennt­ni­ser­lan­gung durch Ak­ten­ein­sicht oder Vor­hal­te in Ver­neh­mun­gen aus­ge­gan­gen. In 6,6 % der Fäl­le un­ter­blieb ei­ne Be­nach­rich­ti­gung mit Blick auf die Ge­fähr­dung wei­te­rer Er­mitt­lun­gen. Für 67,6% der An­schlüs­se war aus den Ak­ten nicht er­sicht­lich, dass ir­gend­ei­ne Per­son von der Über­wa­chung in Kennt­nis ge­setzt wur­de.

Straf­ta­ten­ka­ta­log

Aus den Be­fra­gun­gen er­ge­ben sich Hin­wei­se auf die Män­gel, wel­che Prak­ti­ker in der enu­me­ra­ti­ven Auf­zäh­lung des Ka­ta­lo­ges se­hen. Ihr wer­den in der der­zei­ti­gen Aus­ge­stal­tung He­te­ro­ge­ni­tät und Wer­tungs­wi­der­sprü­che im Ver­gleich zu an­de­ren Ka­ta­lo­gen vor­ge­wor­fen. Zu­dem ver­mel­den selbst Prak­ti­ker bei Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft einen ge­wis­sen Au­to­ma­tis­mus in der An­re­gung und Be­an­tra­gung der TKÜ, so­bald ei­ne Ka­ta­log­tat aus­zu­ma­chen ist: ei­ne Prü­fung der wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen wer­de in die­sen Fäl­len häu­fig als nicht mehr not­wen­dig er­ach­tet, da al­lein die Ka­ta­log­stel­lung be­reits die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der Maß­nah­me ge­währ­leis­te. Zu­dem bein­hal­te der Ka­ta­log in Ge­stalt der ban­den- und ge­werbs­mä­ßi­gen Be­ge­hungs­wei­sen De­likts­for­men, die häu­fig erst durch die TKÜ er­mit­telt wer­den soll­ten: die Maß­nah­me die­ne da­mit im Grun­de der Fest­stel­lung der Vor­aus­set­zung, die zu ih­rer An­ord­nung not­wen­dig ge­we­sen wä­re. Trotz der Be­nen­nung die­ser Män­gel vo­tier­ten 39,7 % der schrift­lich Be­frag­ten da­für, den Ka­ta­log un­ver­än­dert bei­zu­be­hal­ten, wäh­rend 16,4 % die­sen zu­guns­ten ei­ner all­ge­mei­nen Schwe­re­for­mu­lie­rung auf­ge­ben wür­den. Un­ter den Be­rufs­grup­pen lässt sich ein si­gni­fi­kant un­ter­schied­li­ches Ant­wort­ver­hal­ten fest­stel­len.

Dau­er der Maß­nah­me

Die Dau­er der Maß­nah­me, die nach der ge­setz­li­chen Frist auf ma­xi­mal drei Mo­na­te fi­xiert wer­den kann, liegt in et­wa drei Vier­tel der An­trä­ge auf rich­ter­li­che An­ord­nung und den ent­spre­chen­den Be­schlüs­sen bei drei Mo­na­ten. Die tat­säch­li­che Über­wa­chungs­dau­er be­trug in 71 % der Fäl­le ma­xi­mal zwei Mo­na­te.

Er­kennt­nis­se zur Ef­fi­zi­enz der TKÜ

Im Span­nungs­feld von ef­fek­ti­ver Straf­rechts­pfle­ge und wirk­sa­mem Grund­rechts­schutz er­for­dert der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz un­ter an­de­rem die Über­prü­fung des Ver­hält­nis­ses der Grund­recht­sein­grif­fe zu ih­rem Auf­wand und Er­folg.

Die Ef­fi­zi­enz von TKÜ-Maß­nah­men nach den §§ 100a, 100b StPO wird vor­lie­gend an­hand der bei­den wich­tigs­ten Kri­te­ri­en dar­ge­stellt: Der Er­folg der TKÜ im Er­mitt­lungs­ver­fah­ren und die Rol­le der TKÜ als Be­weis­mit­tel in An­kla­ge, Haupt­ver­hand­lung und Ur­teil.

Er­folg der TKÜ im Er­mitt­lungs­ver­fah­ren

Ins­ge­samt wa­ren den 611 un­ter­such­ten TKÜ-Ver­fah­ren 2650 Hin­wei­se auf einen Er­folg der TKÜ im Er­mitt­lungs­ver­fah­ren zu ent­neh­men. Die­se ver­teil­ten sich auf ins­ge­samt 376, al­so knapp 62 % al­ler un­ter­such­ten TKÜ-Ver­fah­ren. Zum großen Teil stell­ten die­se Hin­wei­se mit­tel­ba­re Er­kennt­nis­se dar (et­wa 53 %), un­mit­tel­ba­re Er­kennt­nis­se mach­ten einen An­teil von 38% und sons­ti­ge Er­kennt­nis­se einen An­teil von et­wa 9 % aus.

Un­ter­sucht man die Er­folgs­quo­ten die­ser Ver­fah­ren dif­fe­ren­ziert nach Ka­ta­logstraf­ta­ten, so kön­nen star­ke Schwan­kun­gen fest­ge­stellt wer­den. In­ter­essant ist hier­bei ins­be­son­de­re der Ver­gleich von klas­si­scher Kri­mi­na­li­tät, wie bei­spiels­wei­se Mord- bzw. Tot­schlags­ver­fah­ren, mit so ge­nann­ter Trans­ak­ti­ons­kri­mi­na­li­tät. Hier zeigt sich, dass aus der TKÜ in den Ver­fah­ren, in wel­chen aus­schließ­lich sol­che De­lik­te als Ka­ta­logstraf­ta­ten in den Be­schlüs­sen ge­nannt wa­ren, die dem Be­reich der Trans­ak­ti­ons­kri­mi­na­li­tät zu­ge­ord­net wer­den kön­nen, grund­sätz­lich häu­fi­ger min­des­tens ein Er­folg im Er­mitt­lungs­ver­fah­ren re­sul­tier­te als im Be­reich klas­si­scher Kri­mi­na­li­tät.

Be­trach­tet man zu­sätz­lich die durch­schnitt­li­che Ge­samt­zahl an Er­fol­gen pro Ver­fah­ren in­ner­halb der ein­zel­nen De­likt­s­ka­te­go­ri­en, las­sen sich zwei Ten­den­zen er­ken­nen. Zum einen lie­gen in Ver­fah­ren der Trans­ak­ti­ons­kri­mi­na­li­tät über­wie­gend durch­schnitt­lich mehr Er­fol­ge pro Ver­fah­ren vor als im Be­reich klas­si­scher Kri­mi­na­li­tät und den bei­den an­de­ren De­likt­s­ka­te­go­ri­en (Raub/räu­be­ri­sche Er­pres­sung und Ban­den­dieb­stahl). Zum an­de­ren zeigt sich, dass ten­den­zi­ell mit zu­neh­men­der durch­schnitt­li­cher Ge­samt­zahl an Er­fol­gen auch der An­teil mit­tel­ba­rer Er­fol­ge zu-, der An­teil un­mit­tel­ba­rer Er­fol­ge hin­ge­gen ab­nimmt.

Die Kehrsei­te des Er­fol­ges der TKÜ ist de­ren Miss­er­folg. In knapp 62 % al­ler TKÜ-Ver­fah­ren lag min­des­tens ein Er­folg aus der TKÜ vor. Dies be­deu­tet je­doch auch, dass in et­wa 38% der Fäl­le kein ein­zi­ger Er­folg aus der TKÜ im Er­mitt­lungs­ver­fah­ren re­sul­tier­te. Es wur­den des­halb ei­ni­ge Er­folgs- bzw. Miss­er­folgspa­ra­me­ter auf ih­ren tat­säch­li­chen Ein­fluss auf den Er­folg der TKÜ im Er­mitt­lungs­ver­fah­ren un­ter­sucht. Die TKÜ ist hier­nach zum einen in Ver­fah­ren ge­gen be­kann­te Per­so­nen er­folg­rei­cher als in Ver­fah­ren ge­gen Un­be­kannt. Zum an­de­ren ist die TKÜ in Ver­fah­ren mit mehr als ei­nem Be­tei­lig­ten er­folg­rei­cher als bei Ein­zel­tä­tern. Um dar­über hin­aus die Ver­fah­ren nä­her be­schrei­ben zu kön­nen, in wel­chen aus den durch­ge­führ­ten TKÜ-Maß­nah­men kein Er­mitt­lungs­er­folg re­sul­tier­te, wur­den - auf qua­li­ta­ti­ve Wei­se - die zu­grun­de lie­gen­den Fall­kon­stel­la­tio­nen ana­ly­siert. Zum einen wur­de da­bei fest­ge­stellt, dass un­ter den er­folg­lo­sen Ver­fah­ren si­gni­fi­kant häu­fi­ger sol­che mit Mord bzw. Tot­schlag und Raub bzw. räu­be­ri­scher Er­pres­sung als ein­zi­ge Ka­ta­logstraf­tat ver­tre­ten sind. Da­ne­ben konn­ten ein­zel­ne Fall­kon­stel­la­tio­nen her­aus­ge­ar­bei­tet wer­den, in de­nen die Grün­de für die Er­folg­lo­sig­keit der TKÜ-Maß­nah­men trans­pa­rent wur­den. Ne­ben äu­ße­ren Um­stän­den, die den Er­folg der TKÜ ins­be­son­de­re auf tech­ni­scher Sei­te be­ein­fluss­ten, lie­ßen sich auf der Ebe­ne der fal­lim­ma­nen­ten Ur­sa­chen für den Miss­er­folg vor al­lem drei Kon­stel­la­tio­nen fin­den: zum einen die Er­le­di­gung der TKÜ durch ein über­ho­len­des Er­eig­nis (z.B. ei­ne „un­er­war­te­te“, TKÜ-un­ab­hän­gi­ge Fest­nah­me des Be­schul­dig­ten), zum an­de­ren so ge­nann­te in­ne­re Um­stän­de (z.B., dass der Be­schul­dig­te mit der TKÜ rech­net und sich dement­spre­chend vor­sich­tig ver­hält) und schließ­lich Fäl­le, in wel­chen Er­mitt­lungs­fort­schrit­te trotz der TKÜ nicht ge­lan­gen. Von zen­tra­ler Be­deu­tung ist da­ne­ben die Fest­stel­lung, dass es auch ei­ne nicht un­be­trächt­li­che Zahl an Ver­fah­ren gab, in de­nen der Nut­zen der durch­ge­führ­ten TKÜ-Maß­nah­men von vorn­her­ein zwei­fel­haft war. Ge­kenn­zeich­net wa­ren die­se Fäl­le durch ei­ne va­ge Ver­dachts­la­ge zu Be­ginn, einen schnel­len Ein­satz der TKÜ, häu­fig auch als Be­gleit-TKÜ im Zu­sam­men­hang mit Schein­käu­fen, und ei­ner Zu­ge­hö­rig­keit zur De­likt­s­ka­te­go­rie Ver­stö­ße ge­gen das BtMG.

Rol­le der TKÜ in An­kla­ge, Haupt­ver­hand­lung und Ur­teil

Bei der Ana­ly­se der An­kla­ge­schrif­ten wur­de fest­ge­stellt, dass Zeu­gen den deut­lich größ­ten An­teil an in den An­kla­ge­schrif­ten be­nann­ten Be­weis­mit­teln dar­stel­len (et­wa 26 %). TKÜ-Maß­nah­men wa­ren zwar nur in knapp 16% der Fäl­le ge­nannt, bil­de­ten da­mit aber die zweit­stärks­te Ka­te­go­rie.

Bei knapp zwei Drit­tel al­ler An­ge­klag­ten wur­den Zeu­gen in der Haupt­ver­hand­lung ver­nom­men. Bei et­wa 18% der An­ge­klag­ten wur­de die TKÜ als Be­weis­mit­tel ein­ge­führt, an­de­re Be­weis­mit­tel schließ­lich bei knapp 40 %. Der Un­ter­schied zwi­schen der Häu­fig­keit, mit der die TKÜ und der, mit wel­cher Zeu­gen oder sons­ti­ge Be­weis­mit­tel ein­ge­führt wer­den, ist sta­tis­tisch hoch si­gni­fi­kant. Dann, wenn die TKÜ ein­ge­führt wird, ge­schieht dies über­wie­gend zum Nach­weis der Be­tei­li­gung am BtM-Han­del bzw. kon­kre­ter Ein­kaufs­fahr­ten, aber auch zur Dar­stel­lung be­stimm­ter Vor­ge­hens­wei­sen und Or­ga­ni­sa­ti­onss­truk­tu­ren.

Im Rah­men der Be­weis­wür­di­gung in­ner­halb des Ur­teils wur­de die TKÜ in et­wa 16% der Fäl­le auf­ge­grif­fen. Wird die TKÜ in die Haupt­ver­hand­lung ein­ge­führt, dann wird auf sie auch fast im­mer im Ur­teil ein­ge­gan­gen. Zum ganz über­wie­gen­den Teil ge­schieht dies dann mit – zu­min­dest in der Ge­samtschau mit an­de­ren Be­weis­mit­teln – be­las­ten­der Wir­kung.

Ei­ne ent­schei­den­de Ur­sa­che für die re­la­tiv ge­rin­ge Be­deu­tung der TKÜ als Be­weis­mit­tel liegt dar­in, dass die TKÜ ein sehr auf­wen­di­ges Be­weis­mit­tel dar­stellt. In­fol­ge­des­sen wird auf die Ver­wen­dung der TKÜ im wei­te­ren Gang des Ver­fah­rens dann ver­zich­tet, wenn an­de­re Be­weis­mit­tel in aus­rei­chen­dem Um­fang zur Ver­fü­gung ste­hen. Da­bei dient die TKÜ selbst nicht sel­ten auch zur Er­lan­gung die­ser an­de­ren Be­weis­mit­tel. Ins­be­son­de­re ein ent­spre­chen­der Ein­fluss der TKÜ auf die Ge­ständ­nis- und Ab­spra­che­be­reit­schaft der Be­schul­dig­ten konn­te be­stä­tigt wer­den.

Schluss­fol­ge­run­gen

Aus den Er­kennt­nis­sen, die durch die Ak­ten­ana­ly­se und die Be­fra­gun­gen ge­won­nen wer­den konn­ten, las­sen sich nach­ste­hen­de Schluss­fol­ge­run­gen zie­hen:

Ei­ne nach­hal­ti­ge Über­prü­fung der TKÜ durch den Er­mitt­lungs­rich­ter kann mit Blick auf die Be­grün­dungs­in­hal­te und ih­re kur­ze Dau­er be­zwei­felt wer­den. Je­doch liegt das Pro­blem des Rich­ter­vor­be­halts in der Kom­ple­xi­tät der Kon­trol­l­auf­ga­be, die sich kon­ven­tio­nel­ler Über­prü­fung durch den Er­mitt­lungs­rich­ter sperrt, eben­so be­grün­det wie in ei­ner Nut­zung be­grenz­ter Res­sour­cen, die die Prio­ri­tät vor al­lem auf Ein­grif­fe in das Frei­heits­recht legt.
Aus den Be­grün­dun­gen ei­ner TKÜ ist nicht im­mer er­sicht­lich, warum die An­schlüs­se nicht be­schul­dig­ter Drit­ter in die Über­wa­chung ein­be­zo­gen wer­den. Dies­be­züg­lich fehlt es an der Nach­voll­zieh­bar­keit der Ent­schei­dung zur TKÜ.
Bei der der­zeit be­ste­hen­den Be­nach­rich­ti­gungs­pflicht be­darf es hin­sicht­lich des Adres­sa­ten­krei­ses so­wohl bei Aus­kunfts­ge­ben­den wie -er­hal­ten­den ei­ner deut­li­chen Klar­stel­lung, die ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sät­zen ge­nü­gen muss und den­noch pra­xis­nah aus­zu­ge­stal­ten ist.
Der Ka­ta­log des § 100a StPO er­scheint re­form­be­dürf­tig. Es las­sen sich im We­sent­li­che drei Mo­del­le dis­ku­tie­ren: der gänz­li­che Ver­zicht auf einen Ka­ta­log und die Ver­wen­dung ei­ner all­ge­mei­nen For­mu­lie­rung, die Über­ar­bei­tung des Ka­ta­lo­ges oder Kom­bi­na­ti­ons­mo­del­le aus Ka­ta­log und all­ge­mei­ner For­mu­lie­rung.
In An­be­tracht der tat­säch­li­chen Dau­er der TKÜ von ma­xi­mal et­wa zwei Mo­na­ten im Ver­gleich zu der na­he­zu re­flexar­ti­gen An­ord­nung auf drei Mo­na­te er­scheint es sinn­voll, die Ma­xi­mal­frist ei­ner re­for­mier­ten Über­wa­chungs­re­ge­lung auf zwei Mo­na­te ab­zu­sen­ken. Die Mög­lich­keit der Ver­län­ge­rung soll­te be­ste­hen blei­ben, so­fern die An­for­de­run­gen an die Be­grün­dung auch dies­be­züg­lich her­auf­ge­setzt wer­den.
Die TKÜ führt in ei­nem be­deut­sa­men Teil von Straf­ver­fah­ren zu Er­fol­gen. Frei­lich ist auch die Quo­te von Ein­stel­lun­gen nach §170 StPO er­heb­lich. Ei­ne stren­ge­re Aus­wahl ge­eig­ne­ter Fäl­le ist des­halb not­wen­dig. Da­für spricht im Üb­ri­gen auch der Ver­gleich mit den Prak­ti­ken in den USA so­wie in Aus­tra­li­en. Dort ist (bei deut­lich ge­rin­ge­ren TKÜ-Zah­len) ein deut­lich bes­se­res Maß­nah­me/Er­folg Ver­hält­nis zu be­ob­ach­ten.
Die Kos­ten ei­ner TKÜ blei­ben eben­so wie die tat­säch­li­che Streu­wir­kung der Maß­nah­me weit­ge­hend im Dun­keln. Da­her stellt sich die Fra­ge nach mehr Trans­pa­renz. Ein Blick in das Aus­land zeigt die wei­te Ver­brei­tung von be­glei­ten­der Kon­trol­le und Eva­lua­ti­on der TKÜ durch Kom­mis­sio­nen, Om­buds­män­ner, Par­la­men­te etc. Ins­be­son­de­re re­gel­mä­ßi­ge Be­richts­pflich­ten er­schei­nen sinn­voll und könn­ten ei­ne Über­nah­me po­li­ti­scher Ver­ant­wor­tung für die Ent­wick­lung der Über­wa­chungs­in­ten­si­tät nach sich zie­hen, die die Ak­zep­tanz der Maß­nah­me letzt­lich stei­gern dürf­te.


We­sent­li­che Er­geb­nis­se zur Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung

Er­kennt­nis­se zur Im­ple­men­ta­ti­on

Auf­kom­men und Ver­tei­lung

Im Ge­gen­satz zur Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung hat die Maß­nah­me der akus­ti­schen Wohn­rau­m­über­wa­chung Ein­zel­fall­cha­rak­ter, wie die ab­so­lu­ten Zah­len des Un­ter­su­chungs­zeit­raums 1998 bis 2001 zei­gen. Doch lässt sich aus Ab­bil­dung 3 ein Trend zur Zu­nah­me ent­neh­men. Aus­ge­hend von ins­ge­samt 119 Ver­fah­ren, in de­nen ein An­trag auf min­des­tens ei­ne Wohn­rau­m­über­wa­chungs­maß­nah­me ge­stellt wur­de, ist in 30 die­ser Ver­fah­ren der An­trag ab­ge­lehnt oder die Maß­nah­me nicht durch­ge­führt wor­den. Von die­sen Ver­fah­ren konn­ten 116 aus­ge­wer­tet wer­den.

Abb. 3: Entwicklung der Wohnraumüberwachungszahlen nach Art. 13 Abs. 6 GG § 100e StPO

Abb. 3: Ent­wick­lung der Wohn­rau­m­über­wa­chungs­zah­len nach Art. 13 Abs. 6 GG § 100e StPO

Quel­len:

Zah­len aus BT-Drucks. 14 BT-Drs. 14/2452 (1998), 14/3998 (1999), 14/6778 (2000), 14/9860 (2001) und 15/1504 (2002). Die Zah­len für das Jahr 2003 wur­den von der Bun­des­re­gie­rung zur Er­stel­lung die­ses Gut­ach­tens be­reits vor­ab zur Ver­fü­gung ge­stellt.

Die Maß­nah­me hat auch in­ner­halb der Ver­fah­ren nur punk­tu­el­len Cha­rak­ter. Le­dig­lich in 19 (16 %) der 116 un­ter­such­ten Ver­fah­ren wur­de mehr als ein Raum über­wacht. Ge­richt­lich ab­ge­lehnt wur­den 13 % der fest­ge­stell­ten An­trä­ge; wei­te­re 19 % wur­den trotz Vor­lie­gens ei­ner An­ord­nung nicht um­ge­setzt. Maß­geb­li­cher Grund hier­für wa­ren fak­ti­sche Um­set­zungs­schwie­rig­kei­ten. Der­ar­ti­ge Schwie­rig­kei­ten wa­ren in fast der Hälf­te (46 %) der Fäl­le An­lass für Ver­län­ge­rungs­an­ord­nun­gen. Die An­ord­nungs­dau­er der Wohn­rau­m­über­wa­chun­gen ori­en­tier­te sich über­wie­gend am ge­setz­li­chen Ma­xi­mum von 28 Ta­gen. Die in der An­ord­nung ent­hal­te­ne Dau­er der Maß­nah­me wird tat­säch­lich aber nur zu 59 % aus­ge­schöpft. Tech­ni­sche Schwie­rig­kei­ten mit der Sprach- und Auf­zeich­nungs­qua­li­tät wa­ren bei 40 % der Maß­nah­men ak­ten­kun­dig.

Tathin­ter­grund

Die Aus­lö­ser der Wohn­rau­m­über­wa­chung kon­zen­trie­ren sich auf zwei De­likts­be­rei­che. Die Ka­ta­log­ta­ten Mord/Tot­schlag (n = 56) so­wie das BtMG (n = 44) ma­chen 87 % der Fäl­le akus­ti­scher Wohn­rau­m­über­wa­chung aus. Der Ein­satz der Maß­nah­me bei al­len an­de­ren Ka­ta­log­ta­ten ist mar­gi­nal und be­trifft nur Ein­zel­fäl­le.
Zwi­schen den Hauptein­satz­be­rei­chen der Ka­pi­tal­de­lik­te und der BtM-kri­mi­na­li­tät be­ste­hen tief­grei­fen­de struk­tu­rel­le Un­ter­schie­de, wel­che auf das Ziel und die Art der An­wen­dung der Maß­nah­me zu­rück­wir­ken. Wäh­rend die Wohn­rau­m­über­wa­chung bei den kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­ten­si­ven BtM-Fäl­len zur Über­win­dung hoch­kon­spi­ra­ti­ver und teil­wei­se pro­fes­sio­na­li­sier­ter OK-Struk­tu­ren ein­ge­setzt wird, er­folgt der Ein­satz bei den Ka­pi­tal­de­lik­ten oft erst nach lang­wie­ri­gen, schwie­ri­gen und un­ter großem Auf­klä­rungs­druck ge­führ­ten Er­mitt­lun­gen als ein „letz­ter Ver­such“, die Be­weis­si­tua­ti­on zu ver­bes­sern. Häu­fig han­delt es sich da­bei um Er­mitt­lungs­si­tua­tio­nen im so­zia­len Nah­raum; ein wie auch im­mer ge­ar­te­ter OK-Be­zug ließ sich nur in sie­ben Tö­tungs­ver­fah­ren fest­stel­len. Hier ist of­fen­sicht­lich die Tatschwe­re das maß­geb­li­che Kri­te­ri­um, als „ul­ti­ma ra­tio“ auch noch die Wohn­rau­m­über­wa­chung ein­zu­set­zen. Bei den (we­ni­gen) Straf­ta­ten ge­gen das Ei­gen­tum (Ka­ta­log­ta­ten Raub, Er­pres­sung, Ban­den­dieb­stahl) er­gab sich die Be­son­der­heit, dass in den un­ter­such­ten Ver­fah­ren fast im­mer das Ein­ver­ständ­nis des Woh­nungs­in­ha­bers als Ver­bre­chen­sop­fer vor­lag.

Grün­de für den sel­te­nen Ein­satz

Der Ein­satz der Maß­nah­me er­folgt – im Ge­gen­satz zur Te­le­fon­über­wa­chung – un­ter Wah­rung des Ul­ti­ma-ra­tio-Prin­zips. Von we­ni­gen Fäl­len ab­ge­se­hen wa­ren in al­len Ver­fah­ren an­de­re Er­mitt­lungs­maß­nah­men be­reits aus­ge­schöpft. Ne­ben der ge­richt­li­chen Kon­trol­le, die in 13 % der Fäl­le in ei­ne Ab­leh­nung mün­det, wird der Ein­satz auch durch ei­ne „fak­ti­sche Sub­si­dia­ri­tät“ li­mi­tiert, die aus prak­ti­schen, tech­ni­schen und er­mitt­lungs­tak­ti­schen Um­stän­den re­sul­tiert. So müs­sen sich ta­tre­le­van­te Ge­sprä­che auf einen Ort kon­zen­trie­ren, an wel­chem die In­stal­la­ti­on der er­for­der­li­chen Tech­nik mög­lich ist; da­bei ist gleich­zei­tig das Ent­de­ckungs­ri­si­ko ab­zu­wä­gen. Wei­te­re Ein­satz­hin­der­nis­se kön­nen aus der Pro­ble­ma­tik des un­be­merk­ten Zu­gangs zu ei­ner Räum­lich­keit, aus Fra­gen der tech­ni­schen Um­set­zung bis hin zur Ar­beits­in­ten­si­tät we­gen des Er­for­der­nis­ses un­un­ter­bro­che­ner Be­glei­tung und so­for­ti­ger Aus­wer­tung der Maß­nah­me fol­gen. Ein Ein­satz durch­läuft mit­hin schon auf der po­li­zei­li­chen Ebe­ne ei­ne ge­naue Vor­ab­prü­fung, in der der Auf­wand der Maß­nah­me ei­ner­seits so­wie die „Qua­li­tät des Fal­les“ und die Ver­füg­bar­keit ent­spre­chen­der Res­sour­cen an­de­rer­seits ab­ge­wo­gen wer­den.

Be­trof­fe­ne Per­so­nen

Ein ex­ak­tes Bild der von den Maß­nah­men be­trof­fe­nen Per­so­nen ließ sich aus der Ak­ten­ana­ly­se nicht ge­win­nen, da ei­ne sys­te­ma­ti­sche Do­ku­men­ta­ti­on von Nicht­ver­däch­ti­gen dem Straf­ver­fah­ren und der Strafak­ten­füh­rung prin­zi­pi­ell fremd ist. Auch die durch § 101 StPO vor­ge­schrie­be­ne Be­nach­rich­ti­gung ist so­mit nur frag­men­ta­risch do­ku­men­tiert; bei 36 % der Be­trof­fe­nen konn­te den Ak­ten kein Hin­weis auf ei­ne Be­nach­rich­ti­gung ent­nom­men wer­den. Bei den Be­schul­dig­ten er­folg­te sie in der Re­gel über die Ak­ten­ein­sicht des Ver­tei­di­gers (§ 147 StPO). Die Fest­stel­lun­gen zu Dritt­be­trof­fe­nen sind de­fi­zi­tär. Ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on liegt in al­ler Re­gel nur bei ta­tre­le­van­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on vor. Vie­le Dritt­be­tei­lig­te dürf­ten frei­lich fak­tisch gar nicht iden­ti­fi­zier­bar sein. Ge­ne­rell wa­ren De­fi­ni­ti­ons­schwie­rig­kei­ten bei der Ab­gren­zung von Be­trof­fe­nen und sons­ti­gen Be­schul­dig­ten fest­zu­stel­len.

Die struk­tu­rel­len Un­ter­schie­de zwi­schen den Ver­fah­ren bei Ka­pi­tal­de­lik­ten und bei Trans­ak­ti­ons­kri­mi­na­li­tät wir­ken sich auch bei den Be­trof­fe­nen aus. Wäh­rend bei ers­te­ren auf die Kom­mu­ni­ka­ti­on in­ner­halb in­ti­mer Be­zie­hun­gen ab­ge­zielt wird – in der Hoff­nung ei­ne „ge­ständ­nis­glei­che“ Äu­ße­rung do­ku­men­tie­ren zu kön­nen – und dement­spre­chend durch die Maß­nah­me nur ein klei­ner Kreis wei­te­rer Per­so­nen be­trof­fen war, kommt es auf die­se be­son­de­ren Ver­trau­ens­ver­hält­nis­se bei den BtM-Fäl­len kaum an. Hier steht die Ziel­rich­tung, kon­spi­ra­ti­ve Ge­sprä­che mit ei­ner Viel­zahl von „Ge­schäfts­part­nern“ ab­zu­hö­ren und so einen Zu­griff und ei­ne Si­cher­stel­lung zu er­mög­li­chen, im Vor­der­grund. Zwar führ­te dies nicht zur Fest­stel­lung ei­ner durch­schnitt­lich hö­he­ren Be­trof­fe­nen­quo­te. Je­doch ist ei­ne grund­sätz­lich an­de­re Qua­li­tät des po­ten­ti­el­len Be­trof­fen­seins wei­te­rer Per­so­nen zu kon­sta­tie­ren. An­de­re Be­trof­fe­ne wa­ren in den BtM-Ver­fah­ren häu­fig wei­te­re Tat­be­tei­lig­te. Die Struk­tur­un­ter­schie­de wir­ken sich dar­über hin­aus auch auf die Art der über­wach­ten Räum­lich­kei­ten und Le­bens­be­rei­che aus. Da­bei do­mi­niert bei den Tö­tungs­de­lik­ten (88 %), an­ders als im BtM-Be­reich, die Über­wa­chung der Woh­nung. Die Pro­ble­ma­tik der Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­rech­te von Be­rufs­ge­heim­nis­trä­gern hat in der Ak­ten­ana­ly­se im Üb­ri­gen kaum ei­ne Rol­le ge­spielt.

Er­kennt­nis­se zur Ef­fi­zi­enz

Recht­li­che Kon­trol­le

Die Un­ter­su­chung hat er­ge­ben, dass der qua­li­fi­zier­te Rich­ter­vor­be­halt wie auch die Zu­stän­dig­keits­kon­zen­tra­ti­on ih­rer Funk­ti­on größ­ten­teils ge­recht wer­den. Al­ler­dings konn­ten teil­wei­se große Un­ter­schie­de in der Be­grün­dungs­do­ku­men­ta­ti­on und ei­ne kam­mer­spe­zi­fi­sche Er­le­di­gungs­struk­tur fest­ge­stellt wer­den, wel­che wei­test­ge­hend un­ab­hän­gig von der po­li­zei­li­chen und staats­an­walt­schaft­li­chen Vor­ar­beit war. Frei­lich ist zu be­ach­ten, dass die Qua­li­tät der recht­li­chen Kon­trol­le maß­geb­lich durch die ge­rin­gen Fall­zah­len be­dingt sein kann, die – an­ders als das ho­he Fal­lauf­kom­men bei der Te­le­fon­über­wa­chung – ei­ne in­ten­si­ve Kon­trol­le erst er­mög­licht.

Ef­fi­zi­enz und In­ten­si­tät des Grund­recht­sein­griffs

Rund 30 % der an­ge­ord­ne­ten Maß­nah­men konn­ten ins­ge­samt als er­folg­reich oder be­dingt er­folg­reich ein­ge­stuft wer­den; sie ha­ben in­di­zi­el­le Er­kennt­nis­se, wei­te­re Er­mitt­lungs­an­sät­ze oder di­rek­te Tat­nach­wei­se er­bracht. 29 % der durch­ge­führ­ten Maß­nah­men ver­lie­fen in­halt­lich er­geb­nis­los, 12 % wa­ren we­gen tech­ni­scher Pro­ble­me letzt­lich un­ver­wert­bar; und mit 11 % wur­de ein nicht un­be­trächt­li­cher An­teil der Maß­nah­men durch die Be­trof­fe­nen ent­deckt. Die Struk­tur­un­ter­schie­de zwi­schen den Ka­pi­tal­de­likts­ver­fah­ren und BtM-Ver­fah­ren fin­den sich auch im Hin­blick auf die Ef­fi­zi­enz der Maß­nah­me wie­der. So war die Er­folgs­quo­te bei den BtM-Ver­fah­ren deut­lich hö­her als bei den Ka­pi­tal­ver­bre­chen. Bei den letz­te­ren ge­lingt es of­fen­bar auch mit der als ul­ti­ma ra­tio an­ge­wand­ten Maß­nah­me kaum, tat­nach­weis­dien­li­che Er­kennt­nis­se zu er­zie­len. Bei den BtM-Ver­fah­ren liegt die Si­tua­ti­on in­so­weit an­ders, als nicht le­dig­lich ei­ne sin­gu­lä­re, in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­de Straf­tat in Re­de steht, son­dern ei­ne Trans­ak­ti­ons­si­tua­ti­on, d.h. ein ste­tig wie­der­hol­tes, markt­för­mi­ges und Kom­mu­ni­ka­ti­on er­for­dern­des kri­mi­nel­les Ver­hal­ten.

Die Un­ter­schie­de set­zen sich auch bei der In­ten­si­tät des Grund­recht­sein­griffs fort. Denn den Ka­pi­tal­ver­fah­ren ist we­gen ih­rer re­gel­mä­ßi­gen Si­tu­ie­rung im so­zia­len Nah­be­reich, der Kon­zen­tra­ti­on auf Wohn­räu­me i. e. S. und der Ziel­rich­tung der Maß­nah­me (Er­lan­gung von Aus­sa­gen zu Mo­ti­ven oder „ge­ständ­nis­glei­chen“ Äu­ße­run­gen in der Kom­mu­ni­ka­ti­on des Be­schul­dig­ten zu Per­so­nen sei­nes Ver­trau­ens) ei­ne an­de­re Kern­be­reichs­re­le­vanz ei­gen. Bei den der Trans­ak­ti­ons­kri­mi­na­li­tät zu­zu­rech­nen­den BtM-Ver­fah­ren kommt es hin­ge­gen gar nicht auf die dem Kern­be­reich per­sön­li­cher Le­bens­ge­stal­tung zu­zu­ord­nen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on an; hier be­steht eher die Ge­fahr, dass die­ser als „Schutz­raum“ zur Or­ga­ni­sa­ti­on und Be­ge­hung von Straf­ta­ten ge­nutzt wird.

Re­le­vanz für die OK-Be­kämp­fung

Der über­wie­gen­de Ein­satz der Wohn­rau­m­über­wa­chung bei phä­no­me­no­lo­gisch „re­gu­lä­ren“, im so­zia­len Nah­be­reich si­tu­ier­ten Tö­tungs­de­lik­ten wirkt sich schließ­lich auch auf die Re­le­vanz der Maß­nah­men für die OK-Be­kämp­fung aus. Dass rund die Hälf­te der Maß­nah­men einen Be­zug zur OK ha­ben, ist maß­geb­lich auf die BtM-Fäl­le zu­rück­zu­füh­ren. Wie ex­em­pla­risch an den in­vol­vier­ten BtM-Men­gen deut­lich wird, han­delt es sich häu­fig um Fäl­le her­aus­ge­ho­be­ner Qua­li­tät. Auch im Be­reich an­de­rer Ka­ta­log­ta­ten (Geld­wä­sche, § 129 Abs. 4 StGB, Aus­lG) lie­ßen sich Be­zü­ge zu als OK be­zeich­ne­ten Struk­tu­ren er­ken­nen. Da­ge­gen wur­den nur sie­ben Ka­pi­tal­de­likts­ver­fah­ren ge­fun­den, bei de­nen es sich um Tö­tun­gen im Kon­text or­ga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­täts­s­truk­tu­ren han­del­te; die­se Ver­fah­ren sind mit den an­de­ren Ka­pi­tal­ver­fah­ren in­so­weit nicht ver­gleich­bar.

Schluss­fol­ge­run­gen

Das Er­mitt­lungs­in­stru­ment der akus­ti­schen Wohn-raum­über­wa­chung wird maß­geb­lich in zwei phä­no­me­no­lo­gisch und struk­tu­rell völ­lig un­ter­schied­li­chen De­likts­be­rei­chen ein­ge­setzt (BtM- und Ka­pi­tal­ver­fah­ren), die im Hin­blick auf die Be­wer­tung der Er­mitt­lungs­maß­nah­me dif­fe­ren­ziert zu be­trach­ten sind. Zu be­ach­ten ist ins­be­son­de­re ei­ne un­ter­schied­li­che „Kern­be­reichs­re­le­vanz“.
Die ho­he An­wen­dungs­häu­fig­keit der Maß­nah­me im Ka­pi­tal­de­likts­be­reich dürf­te da­bei – ge­ra­de vor dem Hin­ter­grund der in­ten­dier­ten Schaf­fung ei­nes In­stru­men­tes zur OK-Be­kämp­fung – ei­ne un­be­ab­sich­tig­te Fol­ge dar­stel­len. Die­se wirkt al­ler­dings in vie­len Be­rei­chen auf die Be­wer­tung des Er­mitt­lungs­in­stru­ments als Gan­zes zu­rück und be­dingt kri­tisch zu be­ur­tei­len­de Ent­wick­lun­gen.
Die recht­lich ho­hen Vor­aus­set­zun­gen für den Ein­satz der akus­ti­schen Wohn­rau­m­über­wa­chung sind kon­sen­tiert und wer­den be­ach­tet. Auf der An­ord­nungs­ebe­ne fin­det ei­ne wirk­sa­me recht­li­che Kon­trol­le statt.
Ei­ne In­ten­si­vie­rung der rich­ter­li­chen Kon­trol­le auch im Hin­blick auf die Durch­füh­rung der Maß­nah­me ist sinn­voll. Ins­be­son­de­re ei­ne Er­geb­nis­rück­kop­pe­lung er­scheint ge­bo­ten.
Ei­ne Re­gle­men­tie­rung der Maß­nah­me muss zu­vör­derst an ih­ren An­ord­nungs­vor­aus­set­zun­gen an­set­zen, wo­bei der je­wei­li­ge phä­no­me­no­lo­gi­sche Hin­ter­grund der auf­zu­klä­ren­den Tat in die Ab­wä­gung des Grund­recht­sein­grif­fes ein­zu­be­zie­hen ist. Die Durch­füh­rung der Maß­nah­me soll­te hin­ge­gen von dem Ziel der Nicht­ma­ni­pu­lier­bar­keit des Be­weis­mit­tels be­stimmt sein. Maß­geb­li­che Pro­ble­me der Maß­nah­me lie­gen im Be­reich der fak­ti­schen Um­set­zung. Als ei­ne Schwie­rig­keit hat sich der Be­ginn des Lau­fes der Vier­wo­chen­frist her­aus­ge­stellt. Hier wä­re zu er­wä­gen, ob nicht ei­ne Auf­spal­tung der Be­fris­tung in ei­ne Frist zur Schaf­fung der Durch­füh­rungs­vor­aus­set­zun­gen und ei­ne Ab­hör­dau­er ab dem Zeit­punkt der Schal­tung sinn­voll wä­re.
De­fi­ni­ti­ons­fra­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Be­trof­fe­nen­be­griff sind - ge­ra­de im Hin­blick auf ei­ne er­for­der­li­che Be­nach­rich­ti­gung und die Ein­räu­mung ef­fek­ti­ver Rechts­schutz­po­si­tio­nen auch für Nicht­ver­däch­ti­ge - ei­ner Klä­rung zu­zu­füh­ren. Die dies­be­züg­li­che Do­ku­men­ta­ti­on und Nach­voll­zieh­bar­keit sind zu ver­bes­sern. Hier­bei ist auch der Ver­wer­tungs­pro­ble­ma­tik in wei­te­ren Ver­fah­ren und Zu­sam­men­hän­gen Rech­nung zu tra­gen.
Die Maß­nah­me ist ein Auf­klä­rungs­mit­tel für her­aus­ge­ho­be­ne Kri­mi­na­li­täts­for­men. Di­rekt auf die Maß­nah­me zu­rück­zu­füh­ren­de Auf­klä­rungs­er­fol­ge stel­len al­ler­dings Ein­zel­fäl­le dar, wel­che je­doch vor dem Hin­ter­grund der Ein­satz­si­tua­ti­on und der un­ter­schied­li­chen Tat­bil­der zu se­hen sind. Auch hier ist der Struk­tur­un­ter­schied zwi­schen pro­fes­sio­na­li­sier­ten und kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­ten­si­ven Be­ge­hungs­wei­sen im Be­reich vor­nehm­lich der Trans­ak­ti­ons­kri­mi­na­li­tät und aus­weg­los er­schei­nen­den Be­weis­kon­stel­la­tio­nen bei schwe­rer In­di­vi­du­al­kri­mi­na­li­tät zu be­rück­sich­ti­gen.


Aus­blick

Die Ar­beit in die­sem For­schungs­schwer­punkt fin­det sei­ne Fort­set­zung mit dem 2005 be­gon­ne­nen Pro­jekt zur Über­wa­chung der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons-Ver­bin­dungs­da­ten gem. § 100g/h StPO.