Die digitale Vernetzung aller Lebensbereiche durch Informations- und Kommunikationstechnologie hat in den letzten Jahren nicht nur zu einem elementaren Wandel der Gesellschaft geführt, sondern stellt auch Strafverfolgungsbehörden vor neue Herausforderungen. Das Projekt zielt auf die Erarbeitung eines Vorschlages ab, wie den gesellschaftlichen und technischen Änderungen im Bereich der Telekommunikation im Wege einer Reform der strafprozessualen Eingriffsgrundlagen begegnet werden kann.

Die di­gi­ta­le Ver­net­zung al­ler Le­bens­be­rei­che durch In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie hat in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten zu ei­nem ele­men­ta­ren Wan­del der Ge­sell­schaft ge­führt. Nach­dem sich die E-Mail schon vor ge­rau­mer Zeit als ei­nes der wich­tigs­ten Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­en eta­blie­ren konn­te, ge­wann in den letz­ten Jah­ren auch der all­täg­li­che Aus­tausch von In­for­ma­tio­nen über ei­ne Viel­zahl un­ter­schied­li­cher Platt­for­men – z.B. so­zia­le Netz­wer­ke oder Mes­sen­ger – mas­siv an Be­deu­tung. Münd­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on wird zu­neh­mend mit­hil­fe in­ter­net­ba­sier­ter und meist ver­schlüs­sel­ter Tech­ni­ken wie Voi­ce-over-IP ge­führt. Gleich­zei­tig er­mög­li­chen End­ge­rä­te wie Smart­pho­nes oder Ta­blets stän­di­ge Er­reich­bar­keit über va­ria­ble Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kanä­le. In­for­ma­ti­ons­aus­tausch, der zu­vor über­wie­gend im di­rek­ten und per­sön­li­chen Kon­takt be­trie­ben wur­de, fin­det nun über das In­ter­net statt. Auch die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Com­pu­ter­sys­te­men wird das All­tags­le­ben – et­wa im Rah­men des „In­ter­net der Din­ge“ oder durch die Ver­la­ge­rung von An­wen­dun­gen, Re­chen­leis­tung und Spei­cher­platz in die Cloud – im­mer stär­ker durch­drin­gen.

Die­ser tech­no­lo­gi­sche und so­zia­le Wan­del hat für Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den zwar grund­sätz­lich ei­ne Viel­zahl neu­er Er­mitt­lungs­in­stru­men­te ge­schaf­fen, gleich­zei­tig ha­ben die­se – viel­fach nur ab­strakt vor­han­de­nen – Mög­lich­kei­ten die Er­mitt­ler je­doch auch vor be­trächt­li­che Her­aus­for­de­run­gen ge­stellt, da her­ge­brach­te Er­mitt­lungs­me­tho­den in An­be­tracht des ra­pi­den tech­ni­schen Wan­dels an ih­re tech­ni­schen und recht­li­chen Gren­zen ge­ra­ten. Ne­ben den ter­ri­to­ria­len Gren­zen des Straf­rechts ste­hen in die­sem Zu­sam­men­hang vor al­lem die funk­tio­na­len Gren­zen des Straf­pro­zess­rechts und – da­mit ein­her­ge­hend – des Ver­fas­sungs­rechts in­fra­ge. So ist auf Ebe­ne des Letz­te­ren oft­mals un­ge­klärt, wel­ches grund­recht­li­che Schutz­ni­veau den je­wei­li­gen Ar­ten der In­ter­net­kom­mu­ni­ka­ti­on in zeit­li­cher, sach­li­cher und ört­li­cher Hin­sicht zu­kommt. Auf ein­fach-recht­li­cher Ebe­ne kor­re­spon­diert die­se Pro­ble­ma­tik mit der Fra­ge, ob die in die­sem Kon­text an­ge­wand­ten neu­ar­ti­gen Er­mitt­lungs­me­tho­den über­haupt durch vor­han­de­ne Ein­griffs­grund­la­gen ge­deckt sind, et­wa beim viel dis­ku­tier­ten Ein­satz von Über­wa­chungs­soft­wa­re oder der Über­wa­chung des IP-Da­ten­stroms ei­nes An­schlus­ses. Zu­dem ist (et­wa beim Zu­griff auf (zwi­schen-)ge­spei­cher­te Da­ten) bis­lang un­klar, wie Ein­griffs­er­mäch­ti­gun­gen in An­be­tracht der Ero­si­on klas­si­scher Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men noch von­ein­an­der ab­ge­grenzt wer­den kön­nen.

Die Ar­beit zielt auf einen Vor­schlag ab, mit des­sen Hil­fe den Her­aus­for­de­run­gen die­ses Wan­dels im We­ge ei­ner Re­form der ein­schlä­gi­gen Rechts­grund­la­gen (insb. des 8. Ab­schnitts der StPO) be­geg­net wer­den kann. Da­zu wer­den zu­nächst so­wohl die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on als auch die in die­sem Kon­text re­le­van­ten Er­mitt­lungs­me­tho­den aus­führ­lich ana­ly­siert, um dar­aus einen funk­tio­na­len Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­griff zu bil­den, der Grund­la­ge der an­schlie­ßen­den recht­li­chen Be­trach­tung ist. An­hand der ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se wird so­dann sys­te­ma­tisch dar­ge­stellt, in­wie­weit die je­wei­li­gen Er­mitt­lungs­me­tho­den durch den der­zei­ti­gen recht­li­chen Rah­men ge­deckt sind, wo­bei ne­ben dem na­tio­na­len Recht auch das ein­schlä­gi­ge eu­ro­päi­sche und in­ter­na­tio­na­le Recht in die Ana­ly­se ein­be­zo­gen wird. Zu­dem wer­den Mo­del­le her­aus­ge­ar­bei­tet, an­hand de­rer sich die nor­ma­ti­ve Er­fas­sung der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on in den je­wei­li­gen Re­ge­lun­gen be­schrei­ben lässt. Durch einen Ver­gleich die­ser nor­ma­ti­ven Mo­del­le mit den recht­stat­säch­li­chen Grund­la­gen wird schließ­lich ein Sys­tem ent­wi­ckelt, das als Grund­la­ge für einen ko­hä­ren­ten Re­form­vor­schlag dient.

Die Un­ter­su­chung ist weit­ge­hend ab­ge­schlos­sen und soll im 3. Quar­tal 2018 pu­bli­ziert wer­den.