Diese Arbeit untersucht Terrorismus vor dem Hintergrund kriminologischer und sozialpsychologischer Theorien, um die Phänomenologie sowie die Konstruktion des Terrorismus zu beleuchten. Damit wird eine Wissenserweiterung in Bezug auf Erscheinen, Entwicklung, Wirkung und Attraktivität des Terrorismus angestrebt, deren Ergebnisse die rechtspolitischen Überlegungen zur Behandlung des Terrorismus bereichern sollen.

For­schungs­ge­gen­stand:

Nach der Ein­gren­zung des Ge­gen­stands­be­rei­ches und der Er­schei­nungs­form wird vor dem Hin­ter­grund der So­zia­len Iden­ti­täts­theo­rie so­wie grup­pen­dy­na­mi­schen An­sät­zen die Ent­wick­lung und At­trak­ti­vi­tät ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Grup­pe nach­ge­zeich­net. Da­mit bin­det die­se Stu­die die ak­tu­el­le, kri­mi­no­lo­gisch bis­her ver­nach­läs­sig­te The­ma­tik des Ter­ro­ris­mus theo­re­tisch ein und bie­tet so­mit ei­ne Grund­la­ge für drin­gend be­nö­tig­te em­pi­ri­sche For­schung.

Pro­jekt­ziel:

Ter­ro­ris­mus als For­schungs­ge­gen­stand der So­zi­al­wis­sen­schaf­ten ent­zieht sich bis­her weit­ge­hend em­pi­ri­scher For­schung. Die­se Ar­beit ver­sucht da­her die­se For­schungs­lücke be­züg­lich die­ser ak­tu­el­len The­ma­tik durch einen kri­mi­no­lo­gi­sche theo­re­ti­schen Zu­gang zu schlie­ßen.

Me­tho­de/An­satz:

Zu die­sem Zweck wird zu­nächst der Ge­gen­stands­be­reich des Ter­ro­ris­mus er­fasst. Die ein­deu­ti­ge Ein­ord­nung des Ter­ro­ris­mus als Ge­walt­kri­mi­na­li­tät wird be­für­wor­tet, des­sen Wir­kung sich al­ler­dings nicht mit den di­rek­ten Op­fern er­schöpft son­dern ge­ra­de sei­ne Be­deu­tung über die dar­über hin­aus er­ziel­ten Ef­fek­te in der Öf­fent­lich­keit er­langt. Die me­dia­le Ver­net­zung und all­ge­gen­wär­ti­ge Me­di­en­prä­senz bie­ten ein Mit­tel als auch ein glo­ba­les Pu­bli­kum für die Ver­brei­tung ter­ro­ris­ti­scher Er­eig­nis­se und Bot­schaf­ten. Sie po­ten­zie­ren den Ak­ti­ons- wie auch Wirk­ra­di­us von Ter­ro­ris­mus da­mit um ein Viel­fa­ches. Her­vor­ge­ho­ben wer­den die Schwie­rig­kei­ten bei ei­ner De­fi­ni­ti­ons­fin­dung des Ter­ro­ris­mus, wel­che auch na­tio­na­le wie su­pra­na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber be­las­ten. Die­se Pro­ble­ma­tik grün­det in der Ab­hän­gig­keit der De­fi­ni­ti­on so­wie der Sub­sum­ti­on von der sub­jek­ti­ven Per­spek­ti­ve und so­zia­len Wahr­neh­mung des Be­trach­ters. Zu­rück­zu­füh­ren sind die­se auf die Wirk­wei­se des Ter­ro­ris­mus so­wie auf in­di­vi­du­el­le his­to­ri­sche und kul­tu­rel­le Er­fah­run­gen als auch wie kon­kre­te öko­no­mi­sche und po­li­ti­sche In­ter­es­sen.

Als Grup­pen­phä­no­men fin­det fer­ner die Struk­tur ter­ro­ris­ti­scher Grup­pie­run­gen Be­ach­tung. Wie sämt­li­che Grup­pen for­men sich auch ter­ro­ris­ti­sche Grup­pen aus hier­ar­chi­schen und netz­werk­ar­ti­gen Ele­men­ten und bil­den so in der Re­gel Struk­turhy­bri­den, wo­bei auf­grund der Be­din­gun­gen des kri­mi­nel­len Un­ter­grun­des Re­gel­mä­ßig­kei­ten fest­zu­stel­len sind. Bei nä­he­rer Be­trach­tung zeigt sich, dass der so­wohl in den Me­di­en und der Po­li­tik wie auch teil­wei­se in der Wis­sen­schaft ver­wen­de­te Be­griff des "Ter­ror­netz­wer­kes" in sei­ner Pau­scha­li­sie­rung und Un­dif­fe­ren­ziert­heit we­der der Rea­li­tät ent­spricht noch zu ei­nem ge­eig­ne­ten Um­gang mit Ter­ro­ris­mus bei­trägt.

So­dann wird sich der Fra­ge zu­ge­wandt, wie sich ter­ro­ris­ti­sche Grup­pen bil­den und für wen die­se at­trak­tiv sind. Un­ter Be­rück­sich­ti­gung der so­zia­len Kon­struk­ti­on der Wirk­lich­keit wird sich auf die so­zia­le Iden­ti­täts­theo­rie, den so­zia­len Ver­gleich und die At­trak­ti­ons­for­schung be­zo­gen. Es wird her­aus­ge­stellt, dass sich ter­ro­ris­ti­sche Grup­pen eben­so wie an­de­re so­zia­le Grup­pen bil­den und ent­wi­ckeln. Bei ter­ro­ris­ti­schen Grup­pen be­wir­ken die be­son­de­re Di­stinkt­heit zu Fremd­grup­pen je­doch ei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­che Selbst­wert­er­hö­hung und Un­si­cher­heits­re­duk­ti­on und da­mit At­trak­ti­on.

Da­nach wird der Fo­kus auf das Ver­hal­ten der ter­ro­ris­ti­schen Grup­pe ge­rich­tet und ana­ly­siert wie spe­zi­fisch ter­ro­ris­ti­sche Ge­walt er­klärt wer­den kann. Zu die­sem Zweck wer­den grup­pen­dy­na­mi­sche Aspek­te in die Iden­ti­täts­theo­rie ein­ge­bun­den. Kol­lek­ti­ve und so­mit auch in­di­vi­du­el­le Iden­ti­tä­ten bil­den bei ter­ro­ris­ti­schen Grup­pen ei­ne en­ge Ver­knüp­fung mit grup­pen­dy­na­mi­schen Ef­fek­ten. Die­ses Zu­sam­men­spiel för­dert in ter­ro­ris­ti­schen Grup­pie­run­gen Neu­tra­li­sa­ti­ons­ef­fek­te und kol­lek­ti­ve Ler­ner­fah­run­gen.

Die Kom­bi­na­ti­on von theo­re­ti­schen Be­trach­tun­gen, mit Schwer­punkt auf der Kol­lek­ti­vi­tät des Ter­ro­ris­mus so­wie des­sen selbst­wert­schüt­zen­den Ei­gen­schaf­ten, bie­tet ein Kon­zept für die Ent­wick­lung ter­ro­ris­ti­scher Grup­pen, wel­ches so­wohl de­ren At­trak­ti­vi­tät als Ei­gen­grup­pe, die Dy­na­mik mit Fremd­grup­pen als auch die Ge­walt­an­wen­dung um­fasst.