Terroristische Gewalt und bewaffnete Konflikte werden heute vielfach durch Rohstoffhandel finanziert, weswegen diese Tatsache in jüngster Zeit auch im Recht der Europäischen Union verstärkt Berücksichtigung findet. Die Studie untersucht das Recht der Terrorismus- bzw. Konfliktprävention und analysiert dabei, ob sich die Regelungen gegen Terrorismus­finanzierung auch auf Bürgerkriegsparteien anwenden lassen, sowie die sich daraus ergebende Ausweitung der präventiven Pflichten von Unternehmen.

Prä­ven­ti­on im Span­nungs­feld von in­ter­na­tio­na­len Vor­ga­ben und na­tio­na­lem Straf­recht

Ter­ro­ris­ti­sche Ge­walt und Bür­ger­krie­ge wer­den heu­te in be­trächt­li­chem Aus­maß durch den Han­del mit Bo­den­schät­zen und an­de­ren Roh­stof­fen fi­nan­ziert. Schät­zun­gen zu­fol­ge hat bei­spiels­wei­se der sog. Is­la­mi­sche Staat im Jahr 2014 pro Tag mehr als ei­ne Mil­li­on Dol­lar al­lein aus dem Ver­kauf von il­le­gal ge­för­der­tem Öl ein­ge­nom­men. Sol­che Pro­fi­t­in­ter­es­sen bil­den zu­dem häu­fig ein we­sent­li­ches Mo­tiv be­waff­ne­ter Kon­flik­te. Die­se nicht zu­letzt in­fol­ge der Er­fah­run­gen mit dem sog. Is­la­mi­schen Staat zu­ta­ge ge­tre­te­nen Tat­sa­chen be­ein­flus­sen in jüngs­ter Zeit die in­ter­na­tio­na­le Si­cher­heits­po­li­tik und schla­gen sich zu­neh­mend im Recht der Eu­ro­päi­schen Uni­on und ih­rer Mit­glied­staa­ten nie­der.

An­ge­sichts der Über­schnei­dung von bis­her weit­ge­hend ge­trennt be­han­del­ten Phä­no­me­nen stellt sich nun­mehr die Fra­ge, ob die recht­li­chen In­stru­men­te, die zur Ver­hin­de­rung der Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung ent­wi­ckelt wur­den, nicht auch ge­gen den Han­del mit Bür­ger­kriegs­par­tei­en ein­ge­setzt wer­den kön­nen (auch wenn er nicht mit Ter­ro­ris­mus in Ver­bin­dung steht) und ob an­de­rer­seits die zu­sätz­li­chen Prä­ven­ti­ons­mo­del­le, die im Be­reich des Roh­stoff­han­dels an­set­zen, dar­über hin­aus zur Ter­ro­ris­musprä­ven­ti­on ge­eig­net sind.

Am In­sti­tut wird be­reits seit Jah­ren zur Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung ge­forscht und die tat­säch­li­che Ver­gleich­bar­keit von Ter­ro­ris­mus- und Kon­flikt­fi­nan­zie­rung un­ter Ein­be­zie­hung von Er­kennt­nis­sen aus der Ter­ro­ris­mus- und Kon­flikt­for­schung un­ter­sucht. Auf die­ser For­schung auf­bau­end ana­ly­siert die rechts­ver­glei­chend kon­zi­pier­te Stu­die die De­fi­ni­tio­nen von Ter­ro­ris­mus im Recht der Eu­ro­päi­schen Uni­on und Deutsch­lands, ent­spre­chen­de Re­ge­lun­gen ge­gen Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung, be­ste­hen­de In­stru­men­te zur Prä­ven­ti­on des Han­dels mit Kon­flikt­mi­ne­ra­li­en so­wie an­der­wei­ti­ge Vor­ga­ben von UN und EU im Be­reich der Prä­ven­ti­on ei­nes Zu­sam­men­wir­kens von be­waff­ne­ten Grup­pen und Roh­stoff­han­del. Im Mit­tel­punkt der Un­ter­su­chung ste­hen straf­recht­li­che Ver­bo­te der Fi­nan­zie­rung, su­pra­na­tio­na­le Sank­ti­ons­re­gime zur Be­schlag­nah­me von Ver­mö­gens­wer­ten, prä­ven­ti­ve Due-Di­li­gence-Pflich­ten der Fi­nanz­wirt­schaft so­wie ver­gleich­ba­re Pflich­ten des Roh­stoff­han­dels zur Rück­ver­folg­bar­keit von Lie­fer­ket­ten.

Die Un­ter­su­chung zeigt, dass das Recht der Ter­ro­ris­musprä­ven­ti­on zu­neh­mend auch auf in­ner­staat­li­che be­waff­ne­te Kon­flik­te an­wend­bar ist und prä­ven­ti­ve Maß­nah­men auf den Be­reich des Roh­stoff­han­dels aus­ge­dehnt wer­den. Re­ge­lun­gen, die ur­sprüng­lich vor al­lem ge­gen Ter­ro­ris­mus in der EU ge­rich­tet wa­ren, fin­den nun­mehr ver­mehrt auch auf Bür­ger­krie­ge in Dritt­staa­ten und die dor­ti­ge Aus­beu­tung von Bo­den­schät­zen An­wen­dung. Im Er­geb­nis sind auch eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men zu­neh­mend ver­pflich­tet, ei­ne Un­ter­stüt­zung von be­waff­ne­ten Grup­pen zu ver­mei­den, die ter­ro­ris­ti­sche Ge­walt oder an­de­re schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen be­ge­hen. Ins­be­son­de­re für Fi­nanz­dienst­leis­ter und Roh­stoff­händ­ler er­ge­ben sich dar­aus be­son­de­re Pflich­ten, im Au­ßen­han­del stän­dig das Be­ste­hen von (mög­li­cher­wei­se nur mit­tel­ba­ren) Ge­schäfts­be­zie­hun­gen zu be­waff­ne­ten Grup­pen zu prü­fen. Ge­ge­be­nen­falls müs­sen der­ar­ti­ge Ge­schäfts­be­zie­hun­gen ab­ge­bro­chen und zu­stän­di­ge Be­hör­den in­for­miert wer­den. Für Un­ter­neh­men be­deu­tet dies ei­ne tief­grei­fen­de Ver­än­de­rung der Rechts­la­ge. Be­stan­den noch bis vor Kur­z­em beim Han­del in Bür­ger­kriegs­re­gio­nen eher ge­rin­ge oder gar kei­ne Pflich­ten zur Prä­ven­ti­on der Fi­nan­zie­rung von Kon­flikt­par­tei­en, so se­hen sich Un­ter­neh­men heu­te bei ent­spre­chen­den wirt­schaft­li­chen Kon­tak­ten mit dem Ri­si­ko kon­fron­tiert, dass ih­re Ge­schäftstä­tig­keit als Un­ter­stüt­zung ter­ro­ris­ti­scher Grup­pen be­wer­tet wird und sie da­her teils schwer­wie­gen­den staat­li­chen Sank­tio­nen aus­ge­setzt sind.