Das Vermögensabschöpfungsrecht ist eine besonders eingriffsintensive Maßnahme. Grenzen erwachsen nicht nur aus der besonderen Rechtsnatur der Regelungsmaterie, sondern auch direkt aus dem Verfassungsrecht. Letztere stehen im Mittelpunkt der Untersuchung, unabhängig von der Rechtsnatur der Vermögensabschöpfung.

In Kri­mi­na­li­täts­be­rei­chen wie or­ga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät, Ter­ro­ris­mus oder Kor­rup­ti­on spielt das Ver­mö­gen ei­ne wich­ti­ge Rol­le, ei­ner­seits als An­reiz, schwe­re Straf­ta­ten zu be­ge­hen, an­de­rer­seits, weil es zu de­ren Fi­nan­zie­rung ein­ge­setzt wird. In die­sen Be­rei­chen muss die staat­li­che Re­ak­ti­on ne­ben der Stra­fe auch ver­mö­gens­recht­li­che Fol­gen der Tat um­fas­sen. Da es sich da­bei oft um ei­ne Re­ak­ti­on auf grenz­über­schrei­ten­de Kri­mi­na­li­tät han­delt, ist es not­wen­dig, auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne zu agie­ren. Dort wur­den in den letz­ten Jah­ren zahl­rei­che Ver­mö­gens­ab­schöp­fungs­maß­nah­men zur Be­kämp­fung der ge­nann­ten Kri­mi­na­li­täts­be­rei­che ge­schaf­fen. Da­bei kann von ei­ner zwei­spu­ri­gen Ent­wick­lung ge­spro­chen wer­den: Zum einen wur­den Maß­nah­men ge­gen or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät und Kor­rup­ti­on ein­ge­führt, bei de­nen die An­for­de­run­gen an den Nach­weis der kri­mi­nel­len Her­kunft des Ver­mö­gens re­du­ziert sind. Zum an­de­ren – und dies hat sich aus der Be­kämp­fung der Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung ent­wi­ckelt – wer­den prä­ven­ti­ve Maß­nah­men aus­ge­baut.

Die Ent­wick­lung der Ver­mö­gens­ab­schöp­fung auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne be­ein­flusst auch die na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen. Trotz die­ser ge­mein­sa­men Prä­gung un­ter­schei­den sich die na­tio­na­len Re­ge­lun­gen von­ein­an­der. Im Rah­men des Pro­jekts wer­den Ver­mö­gens­ab­schöp­fungs­maß­nah­men in der deut­schen und der pol­ni­schen Rechts­ord­nung ver­gli­chen. Die ein­zel­nen Maß­nah­men sind an un­ter­schied­li­chen Stel­len in die je­wei­li­gen Sank­tio­nen­sys­te­me der bei­den Län­der ein­ge­bet­tet. In vie­len Fäl­len wird ih­nen über­haupt kein Straf­cha­rak­ter zu­ge­schrie­ben, wie z.B. der er­wei­ter­ten oder der selb­stän­di­gen Ein­zie­hung im deut­schen Recht. Die Un­ter­su­chung er­fasst Ver­mö­gens­ab­schöp­fungs­maß­nah­men, die einen staat­li­chen Ein­griff in die Grund­rech­te des Be­trof­fe­nen dar­stel­len, der ent­we­der den Ei­gen­tums­über­gang auf den Staat zur Fol­ge hat oder ei­ne Zah­lungs­pflicht des Be­trof­fe­nen be­grün­det. Der Schwer­punkt liegt auf den Vor­aus­set­zun­gen für die Be­stim­mung der Ver­bin­dung zwi­schen dem Ver­mö­gens­ge­gen­stand und ei­ner rechts­wid­ri­gen Tat. Die Be­wei­ser­leich­te­run­gen wer­den den ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­schrän­kun­gen ge­gen­über­ge­stellt. Ziel des Ver­gleichs ist die Be­ant­wor­tung der Fra­ge, an wel­cher Stel­le der Wunsch der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den nach ei­ner ef­fek­ti­ven Ver­mö­gens­ab­schöp­fung auf ei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Gren­ze trifft.

Auf der Su­che nach ei­ner Ant­wort kön­nen zwei un­ter­schied­li­che Her­an­ge­hens­wei­sen ver­folgt wer­den. Der ers­te An­satz ver­sucht, die Grenz­zie­hung durch die Rechts­na­tur der Ver­mö­gens­ab­schöp­fung zu be­grün­den. Für den zwei­ten hin­ge­gen ist die Ver­mö­gens­ab­schöp­fung ein Grund­recht­sein­griff, der un­ab­hän­gig von sei­ner Rechts­na­tur am Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit zu mes­sen ist. Ob­wohl die Rechts­na­tur der Ver­mö­gens­ab­schöp­fung in der Wis­sen­schaft be­reits um­fas­send dis­ku­tiert wur­de, be­steht dies­be­züg­lich kei­ne Ei­nig­keit. Dies mag u.a. dar­an lie­gen, dass die ver­schie­de­nen An­sät­ze zur Recht­fer­ti­gung der Ver­mö­gens­ab­schöp­fung ver­mischt und nicht aus­rei­chend dif­fe­ren­ziert wur­den. Im Hin­blick dar­auf kann ei­ne Sicht­wei­se, die von der Be­stim­mung der Rechts­na­tur der Maß­nah­me ab­sieht, die Dis­kus­si­on um die ver­fas­sungs­recht­li­chen Gren­zen der Ver­mö­gens­ab­schöp­fung wei­ter­brin­gen. Die durch die Fra­ge nach dem Straf­cha­rak­ter der Maß­nah­men do­mi­nier­te Wis­sen­schaft könn­te den Ein­druck her­vor­ru­fen, dass erst dann an ei­nem Grund­recht­sein­griff et­was zu be­an­stan­den ist, wenn es sich um ei­ne Stra­fe han­delt. Im Rah­men der Ar­beit wird dies hin­ter­fragt und es wird über­prüft, wel­che ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­schrän­kun­gen für die Ge­setz­ge­bung in die­sem Be­reich gel­ten kön­nen. Im Hin­blick auf die neues­te Ge­setz­ge­bung zur straf­recht­li­chen Ver­mö­gens­ab­schöp­fung in Deutsch­land und Po­len ge­winnt die­ses The­ma wie­der an Ak­tua­li­tät.