Das Projekt untersucht das Verhältnis von Jugendlichen zur Polizei in französischen und deutschen Städten. Vor dem Hintergrund wiederkehrender gewaltsamer Unruhen in französischen (Vor-)Städten geht das Projekt der Frage nach, ob polizeiliche Praktiken, die als diskriminierend gewertet werden – wie etwa routinemäßig durchgeführte Identitätskontrollen – das Verhältnis der Jugendlichen zur Polizei beeinträchtigen und welche Rolle der ethnischen Zugehörigkeit beizumessen ist.

Ver­schie­de­ne Städ­te Eu­ro­pas wur­den in der Ver­gan­gen­heit Schau­platz ge­walt­tä­ti­ger Un­ru­hen. Ins­be­son­de­re die Un­ru­hen in den "ban­lieu­es" in Frank­reich im Jah­re 2005 ha­ben ge­zeigt, dass für den Aus­bruch von Un­ru­hen das Ver­hält­nis zwi­schen Po­li­zei und Ju­gend­li­chen ei­ne be­son­de­re Rol­le spielt.

Die Un­ru­hen in Frank­reich ha­ben mit den­je­ni­gen in an­de­ren eu­ro­päi­schen Städ­ten ge­mein­sam, dass es sich bei den Ak­teu­ren oft um männ­li­che Ju­gend­li­che mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund han­delt. An­de­rer­seits er­rei­chen ge­walt­tä­ti­ge Un­ru­hen in Frank­reich im Ver­gleich zu Deutsch­land ei­ne be­son­de­re Qua­li­tät. In­so­weit stellt sich die Fra­ge, ob die un­ter­schied­li­chen Aus­prä­gun­gen in ge­walt­tä­ti­gen Un­ru­hen auf Un­ter­schie­de im Ver­hält­nis Po­li­zei/Ju­gend­li­che und un­ter­schied­li­che po­li­zei­li­che Prak­ti­ken zu­rück­zu­füh­ren sind.

Ins­be­son­de­re ist von In­ter­es­se, ob po­li­zei­li­che Prak­ti­ken wie bei­spiels­wei­se rou­ti­ne­mä­ßig durch­ge­führ­te Iden­ti­täts­kon­trol­len von jun­gen Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund als Dis­kri­mi­nie­rung emp­fun­den wer­den und ob dies dann Kon­se­quen­zen für Ein­stel­lun­gen ge­gen­über und Ko­ope­ra­ti­ons­be­reit­schaft mit der Po­li­zei hat.

Es feh­len bis heu­te ver­glei­chen­de Ana­ly­sen, die so­wohl Ein­fluss­fak­to­ren auf in­di­vi­du­el­ler Ebe­ne als auch kon­tex­tu­el­le Ele­men­te ge­büh­rend be­rück­sich­ti­gen.

Be­ru­hend auf den Da­ten ei­ner Schü­ler­be­fra­gung (N = 20.000) un­ter­sucht die­ses Dis­ser­ta­ti­ons­pro­jekt das Ver­hält­nis zwi­schen Ju­gend­li­chen und der Po­li­zei in je­weils zwei deut­schen (Köln und Mann­heim) und fran­zö­si­schen Groß­städ­ten (Ly­on und Gre­no­ble). Drei Aspek­te ste­hen da­bei im Mit­tel­punkt: die Häu­fig­keit der Po­li­zei­kon­tak­te jun­ger Men­schen, ih­re Ein­stel­lun­gen zur Po­li­zei und ih­re Be­reit­schaft, ei­ner­seits mit der Po­li­zei zu ko­ope­rie­ren, an­de­rer­seits bei Kon­flik­ten zur Selbst­hil­fe zu grei­fen.

Trotz ei­ni­ger Ge­mein­sam­kei­ten wer­den auch be­deut­sa­me Un­ter­schie­de im Ver­hält­nis zwi­schen Po­li­zei und Ju­gend­li­chen im Ver­gleich Deutsch­land und Frank­reich sicht­bar. Sie be­tref­fen vor al­lem den Ein­fluss des Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grun­des auf die Häu­fig­keit der Po­li­zei­kon­tak­te und die Ein­stel­lung zur Po­li­zei.

In Deutsch­land wer­den Ju­gend­li­che mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund un­ter Be­rück­sich­ti­gung re­le­van­ter Prä­dik­to­ren im Durch­schnitt eben­so oft von der Po­li­zei kon­trol­liert wie deut­sche Ju­gend­li­che. Die Ein­stel­lung zur Po­li­zei ist in bei­den Grup­pen ver­gleich­bar und po­si­tiv aus­ge­prägt.

In Frank­reich deu­ten die Er­geb­nis­se auf ei­ne sys­te­ma­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung Ju­gend­li­cher nord­afri­ka­ni­schen Ur­sprungs (Ma­ghreb-Re­gi­on) durch die Po­li­zei hin. Im Ver­gleich zu jun­gen Men­schen fran­zö­si­scher Her­kunft und nach Kon­trol­le re­le­van­ter Prä­dik­to­ren ver­dop­pelt sich die Wahr­schein­lich­keit ei­nes "stop-and-search"-Po­li­zei­kon­takts für jun­ge Men­schen nord­afri­ka­ni­scher Her­kunft. Die Ein­stel­lun­gen die­ser Ju­gend­li­chen ge­gen­über der Po­li­zei sind si­gni­fi­kant ne­ga­ti­ver als die­je­ni­gen jun­ger Men­schen fran­zö­si­scher so­wie an­de­rer aus­län­di­scher Her­kunft.